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Vom Wickeltisch in den Hörsaal

Flurina ist ein Wunschkind. Das kleine Mädchen ist zweieinhalb Jahre alt, ihr Vater Christoph Rust ist im Masterstudium der Volkswirtschaftslehre, die Mutter angehende Medizinerin. Beide studieren an der Universität Regensburg und haben sich bewusst dafür entschieden, während des Studiums ein Kind zu bekommen. „Man ist viel flexibler, als wenn man gerade in den Beruf eingestiegen ist“, sagt der 27-Jährige. Er war im vierten Semester seines Bachelor-Studiums, als seine Tochter Flurina im April 2013 auf die Welt kam.

Seit das Mädchen da ist, üben sich die Eltern in Arbeitsteilung. „Meine Freundin war das erste halbe Jahr zuhause, dann habe ich ein Semester ausgesetzt“, sagt er. Danach ging es nahtlos weiter. Die Tochter ist morgens in der Kita, die Eltern kümmern sich abwechselnd um sie. Und dann hat die kleine Familie noch eine sogenannte Uni-Oma. Ein spezielles Angebot der Universität Regensburg .

Uni-Großeltern seien Senioren, die zumeist keine Enkel in der Nähe haben, und sich um ein Kind kümmern wollen“, erklärt Martha Hopper. Sie leitet seit fast zehn Jahren den Familienservice an der Hochschule. Derzeit gibt es 14 Betreuer.

Einmal in der Woche treffe sich der Betreuer das Kind am Nachmittag und mache mit ihm Ausflüge. Sie gehen meistens in den Wald oder in die Stadt, sagt Christoph Rust. Das allererste Treffen ist immer bei Martha Hopper im Büro, beide Seiten sollen sich kennenlernen. Die Uni Regensburg ist mit ihrem Projekt „Paten-Großeltern“ Vorreiterin in Sachen Familienfreundlichkeit. „Je kürzer die Pause ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass das Studium erfolgreich zu Ende geführt wird“, sagt Hopper. Darum finden Studenten in Regensburg eine gute Infrastruktur. Es gibt Kinderbetreuungsmöglichkeiten in der Umgebung, Spielzimmer und Stillräume. Hopper und ihr Team stehen außerdem mit Rat zur Seite. Viele Studierende haben bereits sehr konkrete Vorstellungen, erzählt Hopper. Dass sie allerdings eine längere Bearbeitungszeit für Hausarbeiten beantragen und sich die Prüfungen weniger dicht legen können, wissen viele nicht.

Fünf Prozent der Studierenden haben ein oder mehrere Kinder. „50 Prozent von ihnen sind verheiratet, 36 Prozent leben in fester Partnerschaft, 14 Prozent leben ohne festen Partner“, zählt Astrid Schäfer auf. Sie ist für das Thema beim Deutschen Studentenwerk in Berlin zuständig. Die 54 Studentenwerke betreiben bundesweit 232 Kindertagesstätten, in denen rund 8300 Kinder versorgt werden. Knapp die Hälfte von ihnen ist jünger als drei Jahren. Nicht nur die Unterbringung während der Vorlesungszeit ist eine Herausforderung für viele junge Eltern . Sie müssen zudem eine Reihe finanzieller und organisatorischer Fragen klären. Das geht schon in der Schwangerschaft los: „Werdende Mütter können sich beurlauben lassen, müssen es aber nicht", sagt Martha Hopper. Insgesamt können studierende Eltern maximal sechs Semester Urlaub wegen der Betreuung eines Kindes nehmen.

Während der Elternzeit sind junge Eltern , die vorher bei einer gesetzlichen Krankenversicherung sind, in der Regel beitragsfrei versichert. „Dies gilt jedoch nicht für Studierende, die im studentischen Tarif versichert sind, sie müssen auch während Mutterschutz und Elternzeit weiter zahlen“, erklärt Karen Tepel, Sozialberaterin im Studentenwerk Hannover. Ebenfalls weiterzahlen müssten Studierende, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder privat versichert sind. Bafög-Bezieher bekommen auch mit Kind weiter ihre Leistungen. Außerdem gibt es einen Kinderbetreuungszuschlag von 113 Euro für das erste Kind und 85 Euro für jedes weitere. „ Bafög wird nur bei einer ordentlichen Rückmeldung oder während einer Studienunterbrechung von nicht mehr als drei Monaten gezahlt“, erklärt Tepel.

Eine Alternative zur Existenzsicherung bei einer längeren Beurlaubung oder Studienunterbrechung kann das Arbeitslosengeld II sein. Das können studentische Familien ergänzend zum Bafög beantragen, ebenso wie Elterngeld. Studenten mit Kindern steht außerdem Kindergeld zu. Das sind monatlich 188 Euro für das erste und zweite Kind, 194 Euro für das dritte und vom vierten Kind an 219 Euro im Monat. Den Antrag stellen Studenten bei der Familienkasse. Zudem können junge Eltern Wohngeld für das Kind bekommen. Auch verschiedene Stiftungen wie die Bundesstiftung Mutter und Kind helfen Frauen, wenn sie in finanziellen Notsituationen sind.

Ansprechpartner sind die Familienbüros der Hochschulen, das örtliche Studentenwerk oder Schwangerschaftsberatungsstellen. Die meisten Eltern kommen mit der neuen Lebenssituation gut klar. „Viele bekommen sogar noch während des Studiums ein zweites Kind“, sagt Martha Hopper.
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