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Von Boch: „Wir wollen nichts plattmachen“

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Keramik-Konzerns Villeroy & Boch, Wendelin von Boch, hat die Verlegung des Firmensitzes noch nicht ad acta gelegt. Mit ihm sprach SZ-Redakteur Lothar Warscheid.

Zurzeit zeichnet sich an der Saar eine rot-rot-grüne Landesregierung ab. Welche Konsequenzen wollen Sie denn jetzt wirklich für das Unternehmen Villeroy & Boch ziehen?

von Boch: Um es vorweg zu nehmen: Wir haben derzeit keine konkreten Verlagerungspläne. Das hat unsere Geschäftsführung auch bereits gegenüber dem Betriebsrat bestätigt. Ich habe unmittelbar nach der Landtagswahl lediglich gesagt: Für den Fall, dass es zu einer rot-rot-grünen Koalition kommt, müssen wir prüfen, ob eine Verlegung des Firmensitzes dann sinnvoll ist, wenn bestimmte wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen. Und bei dieser Aussage bleibe ich.

Ähnlich hatten Sie das auch schon einer Talkrunde in der Sendung „Anne Will“ gesagt oder nicht?

von Boch: Ich hatte das schon einmal vor einem Jahr gesagt. Damals hatte das niemand aufgegriffen. Seinerzeit stand meine Aussage im Zusammenhang mit der Forderung von Oskar Lafontaine, Familienunternehmen wie das von Maria-Elisabeth Schaeffler zu enteignen. Das empfand ich schon als eine bedrohliche Äußerung. Das hat mich damals veranlasst zu sagen, wenn die Familienunternehmen enteignet werden sollen, dann muss man sich überlegen, ob man hier richtig aufgestellt ist. Es geht im wesentlichen um die Programmatik der Linken, die den demokratischen Sozialismus wollen.

Was heißt das für Sie?

von Boch: Für mich heißt das die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln. Vielleicht bin ich da auch ein bisschen empfindlicher als andere. Denn man darf eines nicht vergessen. Unsere ostdeutschen Werke in Dresden und Torgau wurden nach dem 2.Weltkriegvon linksradikalen Kräften entschädigungslos enteignet. Das waren zusammen mit Mettlach unsere wichtigsten Produktionsstandorte. Diese beiden Standorte wurden derart runtergewirtschaftet, dass nach der Wende Dresden geschlossen werden musste und Torgau dicht gemacht worden wäre, wenn wir es nicht wieder fit gemacht hätten. Mehr als 2000 Mitarbeiter haben durch die Unwirtschaftlichkeit des Planwirtschaftssystems der DDR ihren Arbeitsplatz und vielfach ihre Lebensperspektive verloren. Wir haben daher ein Trauma, dass so etwas wieder passieren könnte, auch wenn es im Moment noch alles sehr akademisch ist. Meine Bemerkung resultierte auch aus der Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn sich so etwas in Koalitionsverhandlungen niederschlägt. Dazu gehört auch die Forderung nach der Verstaatlichung von Privatbanken.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

von Boch: Wir sind seit 200 Jahren im Saarland. Und ich glaube, dass es nicht viele Unternehmen gibt, die im Saarland ihre soziale und ökologische Verantwortung so gut wahrgenommen haben wie wir. Jetzt kommt ein Geschmack auf, als wenn ich hier alles „plattmachen“ wolle. Wir fühlen uns genauso den Werten verpflichtet wie unsere Vorfahren. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren im Saarland 375 Millionen Euro investiert. Bei der zur Zeit laufenden Restrukturierung sind alle Entscheidungen im Sinne des Saarlandes gefallen. Das bestätigen auch unsere Betriebsräte, die mit uns diese Dinge verhandelt haben. Auch die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen sehen hohe Investitionen im Saarland vor. Bei uns ist alles auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit gepolt. Wir denken über mehrere Generationen.

Wie passt das mit dem Abwanderungsgedanken zusammen?

von Boch: Dass wir unter ganz bestimmten Voraussetzungen die Verlagerung des Firmensitzes nach Luxemburg prüfen wollen, heißt nicht, dass die Produktionsstandorte verlagert würden. Wenn ich unsere Hauptverwaltung allein betrachte, ist das eine begrenzte Anzahl von Personen, die möglicherweise nach Luxemburg oder sonst wo hin wechseln. Unter diesem Aspekt verliert niemand seinen Arbeitsplatz. Das ist auch nicht meine Entscheidung, sondern die des Vorstandes unter Mitwirkung des Aufsichtsrats. Es ist eine Warnung, aber keine Drohung oder Erpressung. Die Gewerkschaften können sagen, dass ihnen Schwarz-Gelb nicht passt. Wenn wir als Unternehmervertreter uns politisch äußern, dann ist das daher keineswegs verfassungsfeindlich oder undemokratisch.

Vielleicht war der Zeitpunkt falsch gewählt?

von Boch: Das gebe ich gerne zu, dass der Zeitpunkt unglücklich war. Die Situation war zu emotional. Doch wenn wir in Deutschland eine Situation bekommen, in der das Eigentumsrecht verwässert wird und einige Leute glauben, dass wir wieder Staatswirtschaft machen müssen, dann berührt das jedes Familienunternehmen. In diesen Firmen arbeiten 80 Prozent der Beschäftigten. Aber alle zucken zurück und machen den Mund nicht auf. Doch ich bin ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Soziale Marktwirtschaft. Und auszuschließen sind staatswirtschaftliche Experimente nicht.

Sie haben Oskar Lafontaine doch auch schon als Ministerpräsident kennengelernt.

von Boch: Ich hatte ein sehr professionelles Verhältnis zu Oskar Lafontaine, als er an der Saar Ministerpräsident war. Damals war er auch SPD-Bundesvorsitzender, in Bezug auf die Soziale Marktwirtschaft, zu der sich SPD und CDU auch heute noch bekennen, gab und gibt es wenig Unterschiede. Jetzt ist er Chef der Linken und steht für ein anderes Programm. Das allein macht den Unterschied aus.

Inwieweit kann denn eine Landesregierung einen Wirtschaftsstandort schädigen?

von Boch: Das ist eher ein psychologisches Problem. Die zentrale Frage ist doch, ob Leute, die von außerhalb kommen, hier im Land investieren wollen, wenn sie wissen, dass da eine Partei mit dabei ist, die eigentlich die Soziale Marktwirtschaft garnicht will.

Zur Person

Wendelin von Boch (67) war rund neun Jahre (von 1998 bis 2007) Vorstandsvorsitzender des Mettlacher Familienunternehmens Villeroy & Boch. Seit dem 1. Juni 2007 ist von Boch Chef des Aufsichtsrats. Gleichzeitig leitet er an der Saar noch den CDU-Wirtschaftsrat. red










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