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Von Drecksäcken und tiefer Freundschaft: Duo Badesalz tourt durch Deutschland

Gerd Knebel und Henni Nachtsheim sind Badesalz. Fotos: villa fuchs/fotocredit

Gerd Knebel und Henni Nachtsheim sind Badesalz. Fotos: villa fuchs/fotocredit

Vor der Gründung von Badesalz in den 80ern waren Sie Mitglied der Rockband Rodgau Monotones. Wie kam der Wechsel zur Comedy?

Nachtsheim: Gerd und ich spielten zu der Zeit einige Doppelkonzerte. Seine Band Flatsch hatte damals schon Comedy-Elemente im Programm, zwischen den Musikstücken spielten sie lustige Mini-Sketche. Davon war ich sehr fasziniert. Backstage haben wir uns dann besser kennen gelernt, und die dort entstandene Freundschaft haben wir später auf einer Geburtstagsparty unseres Schlagzeugers intensiviert und gemerkt, dass wir gut miteinander können. Parallel zu unseren Bands gründeten wir Badesalz, ohne genau zu wissen, was daraus werden soll. Wir wollten einfach was anderes machen. Ein Projekt, das mehr mit Sprache als mit Musik zu tun hat. Sechs, sieben Jahre lang lief unser Comedy-Programm parallel zu unseren Bandauftritten. 1990 kam das Angebot, für die ARD eine Serie zu schreiben und zu drehen. Dann hat mich die Doppelfunktion überfordert und ich bin aus meiner Band ausgetreten.

Aber Sie haben nie ganz mit der Musik abschließen können . . .

Nachtsheim: Nein, gerade vor ein paar Wochen haben Gerd und ich unser eigenes Plattenlabel gegründet und Ende des Monats spiele ich das „Einmal-im-Jahr-Konzert“ mit meiner großartigen Band, die alle saugeile Musiker sind. Alle sind besser als ich. Die Musik spielt also unvermindert eine große Rolle.

Das musikalische Talent liegt bei Ihnen ja in der Familie. Ihr Sohn ist seit einigen Jahren als Rapper unter dem Namen Rockstah unterwegs.

Nachtsheim: Das ist eine seiner zwei Identitäten. Noch erfolgreicher ist er momentan mit dem Podcast Radio Nukular, ein Vergangenheitsbewältigungs-Podcast. Die Mitglieder sind alle Anfang 30 und reden über Dinge wie Ghostbuster-Folgen, Essen aus der Jugend, den ersten Kuss und solches Zeug. Aber auch Rockstah lebt noch und da bin ich sehr froh drum. Die haben originelle Texte, geile Re-frains. Ich steh da drauf und das sage ich nicht nur, weil ich mich aufführen will wie eine Eiskunstlaufmutter. Ich finde, dass er das sehr anspruchsvoll gestaltet.

Mit Badesalz gelingt es Ihnen, die Leute zu unterhalten. Definieren Sie sich denn eher als Comedian oder als Kabarettist?

Nachtsheim: Wir sind eher Comedians. Wir hatten einen Freund, den leider viel zu früh verstorbenen Kabarettisten Matthias Beltz , der meinte, wir seien die schwimmende Grenze zwischen Kabarett und Comedy. Weil wir durchaus kabarettistische Anliegen haben, gesellschaftspolitische Dinge karikieren, auf die Schippe nehmen und uns beispielsweise auch mit Rassismus im Fußballstadion auseinandergesetzt haben. Wir selbst haben uns aber nie angemaßt, uns als Kabarettisten zu bezeichnen. Gerade wenn man sich die heutigen Kabarettisten ansieht, dann sind das sehr politisch motivierte Leute, und das ist nicht unser oberstes Anliegen. Wir wollen die Leute gut unterhalten und sind dabei natürlich auch mal bissig.

AfD und Pegida spielen in Ihrem neuen Programm „Dö Chefs“ also keine Rolle?

Nachtsheim: Nein, nicht direkt. Am Ende des Programms spielen wir kurz auf die Hilflosigkeit unserer Zeit an. Da gehen wir darauf ein, dass den Politikern zu wichtigen Fragen keine vernünftigen Antworten einfallen. Aber das ist es dann auch schon. Außerdem schreiben wir die Programme immer so, dass sie nicht zeitbezogen sind. Das ist wie mit unseren Sketchen auf CD auch, die sind immer zeitlos. Sie haben eine gewisse Allgemeingültigkeit, aber wir reden nicht von einem politischen Thema, das in einem halben Jahr schon lange kein Gesprächsthema mehr ist. Donald Trump könnte man beispielsweise gerade gut einbauen. Aber wenn wir das Programm noch in zwei Jahren spielen, dann ist das ein total langweiliges Thema. Die Wahl ist dann schon lange vorbei.

Woher kam die Inspiration zum neuen Programm?

Nachtsheim: Die Idee hatten wir schon ganz lange. Zwei Kneipenwirte und zwei runtergekommene Kneipen, die beide nicht laufen. Jeder wirft dem anderen vor, er sei daran schuld. Dann haben sie die Idee zu fusionieren, was völlig idiotisch ist. Die beiden Chefs kreisen um sich selbst und sind in ihrem eigenen Kosmos. Da keine Gäste kommen, haben die sehr viel Zeit für sich und dafür, dummes Zeug zu reden. Das hat uns gereizt und gefallen.

Gibt es denn eine Grenze, wo der Spaß bei Ihnen aufhört?

Nachtsheim: Wir machen uns über niemanden aufgrund von Äußerlichkeiten lustig. Nur weil jemand alt geworden ist, Witze über Falten zu machen, das gibt es bei uns nicht. Es gab mal eine Phase, da haben alle über die jetzt verstorbene Inge Meysel Witze gemacht. Das war ziemlich krass und das hatte sie nicht verdient. Sie war eine sehr couragierte Person und eine wichtige Schauspielerin. Genauso über die Kelly Family, die wurden lange als dreckig und asozial beschrieben. Das fanden wir ganz furchtbar und reaktionär. Aber wenn jemand ein großer Drecksack ist, dann darf er auch ordentlich auf die Mütze bekommen.

Seit über 30 Jahren sind Sie und Gerd Knebel ein Team. Geht man sich da nie auf die Nerven?

Nachtsheim: Da gibt es einen wichtigen Begriff: Respekt. Auch wenn wir uns mal streiten, uns angiften, was total selten ist, fallen nie verletzende Worte. Wir haben uns noch nie wirklich übel beschimpft. Ich stehe sowieso nicht darauf, Leute mit gemeinen Ausdrücken zu beleidigen, und Gerd auch nicht. Außerdem steht über allem eine tiefe Freundschaft. Viele sagen, wir seien wie ein altes Ehepaar. Aber wir leben nicht zusammen und wir hatten nie Sex miteinander, das macht einiges einfacher. Und wir nehmen uns mit unseren Soloprogrammen und Musikprojekten Freiräume. Das muss auch sein. Man sollte sein Leben nicht nur mit zwei, drei Leuten verbringen. Man muss schauen, dass man den Kreis größer macht. Aber es ist nicht so, dass wir vor dem anderen flüchten müssen. Gerd ist ein unheimlich interessanter Mensch, da wird einem nie langweilig. Wir haben uns immer was zu erzählen, auch wenn wir uns nur ein paar Tage mal nicht gesehen haben.

Nach zehn gemeinsamen Programmen, wo nehmen Sie da immer wieder neue Ideen her?

Nachtsheim: Wir sind immer auf der Suche. Das innere Diktiergerät ist ständig an. Manchmal kann aus einer kleinen Idee eine große werden. Wir merken sehr früh, ob uns ein Thema ansteckt. Wir machen uns schon Gedanken über ein weiteres Badesalz-Programm, auch wenn das dann erst 2019 verwirklicht werden würde.

Am 26. Oktober treten Sie in Merzig auf. Gibt es denn Parallelen zwischen den Hessen und den Saarländern?

Nachtsheim: Ja, auf jeden Fall. Die Grundmentalität des Saarländers, das etwas Raue, ist der des Hessen sehr ähnlich. Wenn wir im Programm Nummern hatten, die etwas härter waren, dann gab es im Saarland in den vergangenen Jahren brüllendes Gelächter. Deswegen spielen wir da gerne und fühlen uns dort sehr wohl. In Baden-Württemberg, wo der Rasen mit der Heckenschere geschnitten wird, waren die Reaktionen bei solchen Gags eher pikiert. Mit „Dö Chefs“ hatten wir in Saarbrücken auch schon einen gigantisch schönen Abend gehabt. Die Leute haben uns begrüßt, als ob wir lange verschollene Freunde wären. Da sind wir – ohne Scheiß – beseelt nach Hause gefahren.

Kurz zusammengefasst, was erwartet die Besucher in Merzig?

Nachtsheim: „Dö Chefs“ ist ein Comedy-Theaterstück in typischer Badesalz-Manier. Viele schnelle, knackige Dialoge. Und auch wenn wir hessisch sprechen, hoffen wir, dass es jeder versteht.

Badesalz treten am Mittwoch, 26. Oktober, um 20 Uhr mit ihrem Programm „Dö Chefs“ in der Merziger Stadthalle auf. Karten sind an den bekannten Vorverkaufsstellen oder unter www.villa-fuchs.de erhältlich.

 
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