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Von Panik ist (noch) nichts zu spüren

 Saarbrücken. Die Saarländer nehmen's offenbar gelassen: Keine Spur von Aufregung über tägliche Meldungen von Schweingrippe-Fällen, die derzeit mit der Ferienreisewelle vornehmlich aus Mallorca und Spanien nach Deutschland einfliegen. Und anders als im Zuge der Vogelgrippe in den vergangenen Jahren verzeichnen saarländische Apotheker auch keine Hamsterkäufe des Grippemittels Tamiflu. „Die Lage ist ruhig, die Leute sind besonnen“, stellt Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes, fest. Und auch Flughafen-Chef Professor Friedhelm Schwan, ob ständiger Anfragen von Journalisten schon leicht genervt, sieht derzeit keinen Grund für Beunruhigung. Sein Kommentar fällt entsprechend spärlich aus: Das Flughafenpersonal sei in jedem Fall gut gerüstet.

Noch zumindest ist die Schweinegrippe auch nicht gefährlicher als die „normale“ Influenza, die zumeist ab dem Herbst viele Menschen heimsucht. Bis gestern gab es im Saarland über 95 bestätigte Fälle von Schweinegrippe. „Die allermeisten Patienten haben nur leichte bis mittelschwere Symptome“, erklärt Professor Sigrun Smola, Direktorin des Instituts für Virologie an der Uni-Klinik des Saarlandes in Homburg. Und die Symptome sind von denen der saisonalen Grippe nicht zu unterscheiden. Auch übertragen wird das so genannte H1N1-Virus ähnlich: Es vermehrt sich im Atemtrakt und wird durch Tröpfchen beim Sprechen, Husten oder Niesen weitergegeben. Virushaltige Tröpfchen können, so Smola, auch auf Gegenstände und insbesondere auf Hände gelangen. Über die Hände könne das Virus dann in Mund, Nase oder die Schleimhäute der Augen weiter übertragen werden. Was den Gesundheitsbehörden aber besondere Sorge bereitet, ist, wie Smola erklärt, die Wandlungsfähigkeit der Viren. Diese könnten ihr Erbgut einerseits „schleichend“ verändern. Andererseits könne es bei Mehrfachinfektionen im Menschen oder im Tier auch zu einem neu zusammengesetzten Virus mit noch nicht kalkulierbaren Eigenschaften kommen.
 

In jedem Fall aber rechnet die Virologin mit weit mehr Erkrankungen. Gleichzeitig versucht sie auch, allzu große Befürchtungen zu zerstreuen: „Das öffentliche Gesundheitssystem arbeitet gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten und dem Universitätsklinikum sehr eng und sehr gut koordiniert zusammen, so dass neu aufgetretene Erkrankungen zeitnah festgestellt und die Patienten behandelt werden können.“ Zudem sei das Saarland gut mit Medikamenten ausgestattet. Erkrankten wird eine häusliche Quarantäne von einer Woche (Erwachsene) bis eineinhalb Wochen (Kinder) empfohlen. Doch wie sich gegen Schweinegrippe schützen? Das Robert-Koch-Institut verweist da auf allgemeine Hygieneregeln: Händegeben, Anhusten und Anniesen sowie Berührungen von Augen, Nase oder Mund vermeiden. Empfohlen wird auch das Husten oder Niesen in den Ärmel statt in die Hand. Einmaltaschentücher sollen sicher entsorgt, Räume gut belüftet werden. Wichtig ist in jedem Fall häufiges und gründliches Händewaschen.

Während die Kirchen noch zur Gelassenheit mahnen und keinen Grund sehen, wegen der Infektionsgefahr etwa auf das Abendmahl zu verzichten, drohen die Krankenkassen in Deutschland schon mit der Erhebung von Zusatzbeiträgen. Die durch die Schweinegrippe ausgelösten Kosten – unter anderem für die geplante Schutzimpfung – seien derzeit nicht im Gesundheitsfond einkalkuliert, erklärte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gestern. Die Kosten für die Impfung werden auf mindestens 600 Millionen Euro geschätzt. Iris Neu  
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