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Von wegen alt: Die neuen Fünfziger starten durch

Der Bizeps zittert. Mit jedem Zug schnellen die Gewichte am Seil nach oben. 50 Kilogramm insgesamt. Halten – und langsam wieder runterlassen. Dann noch ein Zug. Und noch einer. Martin Stalter pustet durch, beißt die Zähne zusammen. Doch das blaue Shirt ist trocken, das kurz geschnittene graue Haar ebenfalls. Die Füße in schwarzen Turnschuhen stehen fest auf dem Boden, die langen Beine mit den muskulösen Waden sind angewinkelt. Es sind Radfahrer-Waden. Im Februar strampelten sie den 1,90- Meter-Mann durch Argentinien und Chile. Hunderte Kilometer, 14 Tage lang.

Den Trip durch Patagonien schenkte Martin Stalter sich selbst – zu seinem 50. Geburtstag. Dass er jetzt die fünf vorne stehen hat, damit hat er kein Problem. „Das wird eher von außen an einen herangetragen. Ich habe mir da nie groß Gedanken darüber gemacht“, sagt der Saarbrücker, der gerade sein Training im Fitness-Studio absolviert. „Ich fühle mich nicht alt.“ Da ist Martin Stalter in illustrer Gesellschaft. Hollywood-Star Johnny Depp feiert morgen seinen 50. Geburtstag. Noch in diesem Jahr zieht Schauspiel-Kollege Brad Pitt nach. George Clooney hat es schon vor zwei Jahren „hinter sich gebracht“. Und auch wenn sie inzwischen die ein oder andere Falte haben und graue Haare bekommen – niemand käme auf die Idee, diese Herren zum alten Eisen zu zählen. Vor allem Johnny Depp, der schrille Captain Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“, verkörpert wie kaum ein anderer den ewig Junggebliebenen. Kommen aus seinem Mund doch Sprüche wie: „Alt zu werden, ist unvermeidbar. Aber niemals erwachsen zu werden, das ist möglich.“

50 ist das neue 30! Ist das also nicht nur ein gut gemeinter Slogan, sondern unsere gesellschaftliche Realität? Fakt ist, dass die Lebenserwartung steigt – bei Männern liegt sie inzwischen bei rund 78 Jahren – und dass die gute medizinische Versorgung die Menschen länger gesund hält. Warum also nicht etwas aus den neuen Möglichkeiten machen? „Das gefühlte Alter wird zunehmend wichtiger als das tatsächliche Alter“, sagt der Trendforscher Professor Peter Wippermann. Die Zeitspanne, um die sich Menschen jünger fühlen als sie sind, werde dabei immer größer. Teilweise seien es zwölf Jahre. „Und so jung, wie wir uns fühlen, wollen wir auch aussehen.“ Gute Ernährung, Sport, Mode und Kosmetik helfen dabei. Wobei vor allem Prominente vormachen, wie Alter neu interpretiert werden kann, sagt Wippermann. Entspannende Musik dringt aus dem Lautsprecher. Klavier und Violine. An der Wand hängt ein goldgerahmter Spiegel. Kerzen stehen auf einem Sideboard, eine Orchidee auf dem Empfangs-Tresen, der in leuchtendem Pink gestrichen ist. Eine Umgebung, in der sich nur Frauen wohlfühlen?

Mitnichten, sagt Anna Plati, Inhaberin der Wellness-Lounge Auszeit in Saarbrücken. Sie blättert durch den Terminkalender der kommenden Woche und zeigt auf die Tage: „Hier kommt ein Mann zur Pediküre, hier einer zur Maniküre. Da haben wir eine Kosmetik- Behandlung, und eine Enthaarung.“ Das starke Geschlecht kümmert sich also immer mehr um sein Äußeres und sein Wohlbefinden. „Für jüngere Männer ist das schon selbstverständlich“, sagt Anna Plati. „Die älteren werden meistens von ihren Frauen überredet, zu uns zu kommen. Anfangs sind sie misstrauisch, aber dann sind sie meistens begeistert und die treuesten Kunden.“ Inzwischen seien etwa 40 Prozent der Kunden Männer. Deshalb ist in den Behandlungsräumen auch Schluss mit Pink. Hier herrscht klassisches Weiß vor. Und neben Mode-Magazinen liegen auch Männer-Zeitschriften. Auch in der Werbebranche hat sich etwas getan. „Die schöne bunte Werbewelt der 80er Jahre, die gibt es nicht mehr“, sagt Mark Berwanger, Geschäftsführer bei der Agentur HDW in Saarbrücken. „Der Trend geht dahin, authentische Personen abzubilden.“

Und das heißt auch immer öfter: Menschen jenseits der 20 und 30. Denn diese Zielgruppe wächst. „Das bringt der demographische Wandel mit sich. Dem passt sich die Werbung an“, sagt Berwanger. So passt es ins Bild, dass Fußballstar David Beckham mit 38 oben ohne von den Plakaten der Mode- Kette H&M schmachtet, die sich früher vor allem an die Zielgruppe bis höchstens 30 wendete. Und dass Mittvierziger wie die Schauspieler Patrick Dempsey und Gerard Butler für die Pflegeprodukte von L’Oréal werben. „50 ist heutzutage eben kein Alter mehr. Da steht man noch voll im Saft“, sagt der Werbefachmann. „Anfang der 90er Jahre war es das Ziel, mit 50 aufzuhören zu arbeiten. Heute wird der Begriff Frührente kaum noch verwendet. Es wird als Charakterstärke angesehen, länger zu arbeiten“, pflichtet Trendforscher Wippermann bei. Das Alter um die 50 sei nicht mehr der Übergang in eine ruhigere Phase, sondern oftmals sogar eine zweite Pubertät, in der viele noch einmal Neues wagen.

„Wir sind länger aktiv und haben mehr Chancen, etwas aus unserem Leben zu machen“, sagt der Trendforscher. Auch Martin Stalter denkt noch nicht an die Rente. Bis zu 60 Stunden pro Woche arbeitet er in seinem Fahrradladen in der Saarbrücker Innenstadt. Doch er tut es gern. Seine Prämisse bei allem ist: Es muss Spaß machen – ob nun der Job oder der Sport. Dann stimmt die Balance. Drei bis fünf Mal die Woche macht Martin Stalter Sport. „Nicht um dem Alter wegzulaufen, sondern weil ich mich wohlfühlen will. Ich möchte mir meine Vitalität und Leistungsfähigkeit erhalten.“

Diese Erfahrung hat auch Marco Wolter, Leiter des Fitness Loft in Saarbrücken, gemacht. Seit 20 Jahren ist er in der Branche tätig, die Alterszusammensetzung in Fitness-Studios hat sich in dieser Zeit stark verändert. „Anfang der 90er waren die Mitglieder in der Regel Mitte 20. Heute ist das Durchschnittsalter eher 40 bis 45“, sagt er. Es gebe immer mehr ältere Menschen, die sich fit halten und auch geistig jung bleiben. „Alter lässt sich immer weniger in Jahren messen, sondern spielt sich im Kopf ab“, sagt Marco Wolter. Doch es sei ein schmaler Grat zur Peinlichkeit. Missglückte Schönheits-Operationen wie die der Schauspieler Lee Majors und Mickey Rourke lassen ihn erschaudern. Und auch die teenagerhaften Auftritte von Pop-Ikone Madonna findet er langsam etwas übertrieben. Lieber solle man doch in Würde altern.

„Man würde sich nur etwas vormachen, wenn man sein Alter nicht respektiert“, sagt Martin Stalter. „Mit 50 ist die Regenerationszeit eben etwas länger, wenn man mal ein Wehwehchen hat, und die Beweglichkeit nimmt auch ab.“ Deshalb macht er neben dem Radfahren und dem Fitness- Training auch Yoga. „Um nicht steif zu werden“, sagt er und erzählt von einem Schlüsselerlebnis. „In meinem Fahrradladen hatte ich mal einen Kunden, der war über 70. Er stand vor mir und hob sein Bein vor mein Gesicht. Ich war total baff. Er sagte, er mache Yoga. Da dachte ich mir: Das will ich mit 70 auch noch können.“
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