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Von wegen romantisch: Landärzte im Saarland finden keine Nachfolger

Joachim Zahn hat Schwierigkeiten, für seine Hausarztpraxis einen Nachfolger zu finden. Der 66-jährige Allgemeinmediziner möchte sich gerne Ende nächsten Jahres zur Ruhe setzen. Allerdings nur, wenn er bis dahin einen Arzt finden kann, der seine Praxis fortführt. „Einen Interessenten gibt es schon, aber sicher ist das noch nicht“, sagt Zahn. Früher habe man als Arzt seine Praxis noch für viel Geld verkaufen können, erklärt er. Heute biete er seine eigene umsonst an, da es auch so schwer genug sei, die Praxis „loszuwerden“.

Zahn geht es wie vielen Hausärzten im Land. Die Kassenärztliche Vereinigung beklagt auch vor allem in ländlichen Regionen Ärztemangel. Immer weniger Mediziner entscheiden sich nach ihrem Studium für den Weg in die Arztpraxis. So schätzt die Kassenärztliche Vereinigung, dass nur für jede zweite Hausarztpraxis im Saarland zukünftig ein Nachfolger gefunden werden kann. Dabei ist fast die Hälfte der saarländischen Hausärzte bereits älter als 55 Jahre und wird folglich in den nächsten zehn bis 15 Jahren in Ruhestand gehen.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Medizinstudenten kontinuierlich an. Während an der Universität des Saarlandes nach Angaben des Statistischen Landesamtes zum Wintersemester 2002/03 noch rund 1700 Studenten Humanmedizin studierten, waren es im letzten Wintersemester bereits knapp 1900. Auch deutschlandweit lässt sich aus den Studierendenzahlen des Statistischen Bundesamtes ein solcher Trend erkennen.

Wie kommt es also, dass die Zahl der Ärzte fällt, während die Zahl der Mediziner immer weiter wächst? Das Studiendekanat Homburg gibt hierauf die Antwort: Absolventen gehen in die Forschung oder in die Wirtschaft. Den Arztberuf streben nach Schätzungen des Dekanats nur noch rund 60 Prozent der Medizinabsolventen an.

Für Joachim Zahn eilt die Suche nach einem Nachfolger noch nicht. Wenn er die Nachfolge seiner Praxis im nächsten Jahr noch nicht gesichert hat, kann er sich auch vorstellen, bis 70 zu arbeiten, „so lange meine Gesundheit und meine Frau da mitmachen“. Der Arzt macht seine Arbeit nach wie vor gerne und „mit viel Herzblut“.

Mit rund 600 Patienten ist Joachim Zahns Praxis vergleichsweise klein, ein durchschnittlicher saarländischer Hausarzt betreut laut Kassenärztlicher Vereinigung etwa 1500 Patienten. „Der Ärzteberuf wird ein Frauenberuf werden, das steht fest“, meint Joachim Zahn. Auch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen das: War die Mehrzahl der saarländischen Medizinstudenten bis zum Wintersemester 1998/99 noch männlich, so hat der Anteil der weiblichen Medizinstudenten im Saarland im letzten Semester die 60-Prozent-Marke überschritten. Bei den Neuanmeldungen für das Fach Medizin machen Frauen inzwischen schon gut zwei Drittel aus. Joachim Zahn sieht hierin einen Grund für den Ärztemangel, da für Frauen die Vereinbarung von Familie und Beruf schwierig sei. Familie und Freizeit rückten bei jungen Berufstätigen heute generell wieder stärker in den Vordergrund. Eine eigene Praxis sei oft zu viel Arbeit. „Der Beruf wird nicht mehr so wichtig genommen“, findet Joachim Zahn. „Die heutige Generation will eben um acht Uhr morgens anfangen und um vier wieder zu Hause sein.“

Dass der Ärztemangel auf dem Land problematisch wird, hat aber auch andere Gründe, sagt Andrea Dietl. Die 20-Jährige ist Medizinstudentin in Mainz und findet, dass die Arbeitszeiten für Mediziner, vor allem in Gemeinschaftspraxen, „praktisch und arbeitstechnisch besser mit der Familie kombinierbar sind“ als die in einem Krankenhaus. Das Problem liege eher darin, dass man in ländlichen Regionen über weniger Annehmlichkeiten verfüge als in der Stadt. Für Landarztpraxen gebe es zwar finanzielle Förderungen vom Staat, doch die seien „nicht verhältnismäßig, betrachtet man die vielen Dinge, auf die man verzichten müsste“.

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