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Vor 30 Jahren: Soldatenmord

 1969 passierte das blutigste Gewaltverbrechen in der Ge-schichte des Saarlandes: Vier junge Soldaten wurden bei ihrem Wachdienst ermordet.

Lebach/Landau.
Durch einen blutigen Überfall auf fünf schlafende Soldaten rückte die saarländische Kleinstadt Lebach vor 30 Jahren mit einem Schlag in die Schlagzeilen der Weltpresse. Am Montag morgen, 20. Januar 1969, hatten gegen 7.30 Uhr drei Soldaten ihre Kameraden vom Wachdienst in einem Munitionsdepot am Stadtrand von Lebach tot aufgefunden. In der Wach-stube des Munitionsdepots fanden sie die Leichen des Unteroffiziers Erwin Poh (21, verheiratet, ein Kind) aus Nalbach, des Obergefreiten Arno Bales (28, verheiratet, ein Kind) aus Lebach und des Gefreiten Dieter Horn (21, ledig) aus Steinbach bei Gießen. Lebensgefährlich verletzt lagen in der Unterkunft der Gefreite Reinhard Schulz (21, ledig) aus Dortmund und der Gefreite Ewald Marx (21, ledig) aus dem fränkischen Petersgmünd. Marx starb wenig später, am 5. März 1969, in einer Klinik an seinen schweren Verletzungen.

Reinhard Schulz überlebte als einziger von der fünfköpfigen Wachmannschaft die schreckliche Bluttat von Lebach. 106 Tage fahndete die Polizei fieberhaft nach den Mördern von Lebach. In der Stadt hatten zeitweise über 100 Reporter der größten Medien ihre Zelte aufgeschlagen, um aktuell und hautnah berichten zu können. Die Polizei bekam eine Menge Hinweise aus der Bevölkerung, nicht zuletzt auch aufgrund der 60 000 Mark Belohnung, die zur Ergreifung der Täter ausgesetzt wurden. Dabei hatte sich gezeigt, daß die wenigen Aussagen, die der lebensgefährlich verletzte Reinhard Schulz machen konnte, zu einer treffenden Phantomzeichnung führten, die sehr viel Ähnlichkeit mit einem der Täter hatte, wie sich später bei der Festnahme herausstellte.

Die Ermordung der Soldaten von Lebach wurde in den Medien schon gleich als eines der schwersten Gewaltverbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte eingestuft. Auf politischer Seite wurde dem Fall höchste Priorität eingeräumt. Der damalige Bundesverteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU) und Generalbundesanwalt Siegfried Buback kamen sofort nach Lebach, um von hier aus die mit Hochdruck anlaufende Fahndung nach den Gewaltverbrechern zu koordinieren. Buback wurde Leiter der zur Aufklärung des Lebacher Raubüberfalls eingesetzten Sonderkommission der Bundesregierung.
Einige der über 1 000 Hinweise aus dem In- und Ausland ließen erkennen, daß sich zumindest einer der Täter bei der Bundeswehr in Lebach gut auskannte. Die Täter hatten bei dem Überfall auch die Schlüssel in dem Wachhaus entwendet und damit den Munitionsbunker aufgeschlossen. Dort wurden Munition und Waffen entwendet. Gerade durch die gestohlenen Waffen und die bei der Tat benutzte Munition gab es erste Hinweise auf die Täter. Im Mai 1969, knapp vier Monate nach dem Überfall, verdichteten sich die Hinweise gegen drei junge Männer aus Rheinland-Pfalz, die vermutlich das grausame Blutbad in dem Munitionsdepot von Lebach angerichtet hatten.

Die Spur führte nach Landau: Dort wurden ein 26jähriger Bankangestellter und ein ebenfalls 26jähriger Justizsekretär festgenommen. Der Bankkaufmann hatte in Lebach seine Wehrdienstzeit abgeleistet. Beide Männer hatten nach ihrer wenig später unter der Last der erdrückenden Beweise den blutigen Überfall in der Nacht zum 20. Januar auf die Lebacher Soldaten gestanden. Als Helfer der beiden wurde ein 24jähriger Zahntechniker verhaftet. Ebenfalls in Landau wurde auch eine Pistole des Kalibers 6,25, eine "Schmeißer" , gefunden, die gleiche Waffe, mit der die Lebacher Soldaten ermordet wurden. Wie sich herausstellte, war diese Waffe im Besitz des 26jährigen Justizsekretärs gewesen. Wichtig für die Suche der Kriminalpolizei nach den Mördern von Lebach war eine simple Büro-Schreibmaschine, die im Amtsgericht Landau gefunden wurde. Auf ihr waren ganz eindeutig die Erpresser-Briefe, die anschließend auftauchten, geschrieben worden.  

Genau 564 Tage nach dem Überfall rückte die Bluttat von Lebach noch einmal in das Bewußtsein der Bevölkerung, als im Sommer 1970 in der Saarbrücker Kongreßhalle die drei Tatbeteiligten vor Gericht standen. Das Saarbrücker Schwurgericht verurteilte damals den Bankkaufmann und den Justizangestellten zu lebenslanger Haft. Ihr Helfer, der Zahntechniker, kam dagegen mit einer sechsjährigen Freiheitsstrafe davon. Beide Haupttäter haben mittlerweile ihre Strafe verbüßt, einer von ihnen befinden sich wieder auf freiem Fuß.
Der Mittäter, der Zahntechniker, war wegen Beihilfe zu allen Taten lediglich zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Vor Gericht hatten die Angeklagten ausgesagt, sie wollten sich bei dem blutigen Überfall auf die Lebacher Soldaten Waffen und Munition besorgen. Die Tatbeteiligten hatten bei den Vernehmungen über das Motiv und die Tatausführung ausgesagt: Der Überfall solle als Druckmittel für spätere Erpressungen dienen. Da sich die Gesellschaft erlaube, Kriege zu führen, sei es auch dem einzelnen erlaubt, zur Durchsetzung seiner Ziele zu töten., wurde bei der Gerichtsverhandlung im Sommer 1970 bekannt.





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