A6 Metz/Saarbrücken Richtung Kaiserslautern AS Rohrbach Bauarbeiten, Ausfahrt gesperrt, Einfahrt gesperrt bis 16.10.2017 06:00 Uhr (18.09.2017, 06:59)

A6

Priorität: Dringend

18°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
18°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Vor dem French Open: Tennis-Profi Benjamin Becker mit viel Selbstvertrauen

Im Redaktionsgespräch plaudert Tennisprofi Benjamin Becker über alte Traditionen und neues Selbstbewusstsein. Und er erinnert sich an imaginäre Siege gegen die Großen seines Sports.

Saarbrücken. Es ist nur ein kurzer Besuch im Saarland, dem Ort, den Benjamin Becker noch immer seine Heimat nennt. Seit etwas über acht Jahren lebt der Tennisprofi aus Orscholz nun im US-Bundesstaat Florida, seit knapp zwei Jahren in Fort Lauderdale. Und doch: Wenn er in Richtung Saarland aufbricht, dann fährt er „nach Hause“, wie er zugibt. „Das gibt immer Streit mit meiner Freundin, wenn ich das sage“, übertreibt der 28-Jährige und lächelt dabei. Wenn er dann im Saarland ist, läuft für „Benni“ alles sehr traditionell ab: „Meine Mutter kocht dann immer. Mittlerweile macht sie sogar Kuchen, das ist neu. Aber es gibt auch Freunde und Familie, die meinen, dass ich so dünn geworden sei. Vielleicht will sie dem entgegenwirken“, meint Becker und muss wieder lachen.

Dass es nur ein kurzer Besuch ist, liegt auch an der Tatsache, dass er auf dem sonst so ungeliebten Sand in dieser Saison recht passable Ergebnisse erzielt hat. „Mein Spiel war eigentlich noch nie für Sand gemacht. Ich habe mich schon früher auf den schnelleren Belägen wohler gefühlt“, erklärt der Hartplatz-Spezialist. Nicht so dieses Jahr. „Ich habe einfach mein Spiel verbessert, meine Rückhand ist jetzt offensiver und schwerer auszurechnen. Außerdem spiele ich insgesamt aggressiver. Diese Eigenschaft hatte ich ein wenig verloren“, sagt der Orscholzer. Das sei auch ein Verdienst seines Trainers Ulf Fischer gewesen. Daher bedauert Becker es sehr, dass die Zusammenarbeit seit kurzer Zeit beendet ist. „Er ist jetzt 25 Jahre auf der Tour und will nicht mehr reisen. Das muss ich akzeptieren.“ In den kommenden zwei Wochen will der Saarländer einen Nachfolger gefunden haben. Er hofft, dass es schon für die French Open in Paris (23. Mai bis 6. Juni) klappt.

„Mit einem Titel hätte ich beispielsweise nie gerechnet“

Eigene Rücktrittsgedanken hat der 28-Jährige noch nicht verspürt. „Ich bin zwar schon etwas älter, aber noch nicht so lange auf der Tour. Ich will schon so lange spielen, wie der Körper mitmacht und ich auf dem Niveau mithalten kann.“ Danach kann er sich sogar einen „normalen“ Job vorstellen. „So etwas kenne ich gar nicht. Ich bin ja nach dem Abitur sofort nach Amerika. Aber ich will diese Erfahrung mal gemacht haben“, sagt Becker, der an der Baylor University (Texas) Finanzwesen und internationale Wirtschaft studiert.
Nur dem Druck, Titel zu gewinnen oder etwas Spezielles noch erreichen zu müssen, will sich Becker nicht aussetzen. „Früher als Kind war das große Ziel, Tennisprofi zu werden“, erinnert er sich und kommt ins Plaudern. „Da habe ich bei meinen Matches gegen die Hauswand übrigens alle Großen geschlagen – wenn auch manchmal knapp.“ Becker lacht. „Als es dann soweit war und ich auf der Profitour spielte, habe ich mir keine weiteren Gedanken gemacht. Mit einem Titel hätte ich beispielsweise nie gerechnet.“ Lediglich auf Olympia 2012 in London schielt er ein wenig: „Das wäre ein Erlebnis, zumal das Turnier in Wimbledon auf Rasen stattfindet und Wimbledon mittlerweile zu dem Turnier geworden ist, das mich am meisten reizt.“

Ohnehin haben Becker die Auftritte mit der Nationalmannschaft im Davis Cup sehr viel gegeben. Zwei Mal, 2007 gegen Kroatien und zuletzt in Frankreich, war er schon nominiert, ein Einzelsieg sprang dabei jedoch noch nicht heraus. Aber das ist ihm egal: „Unabhängig vom Ergebnis ist das immer etwas Besonderes. Als ich zum ersten Mal spielen durfte, haben mir bei der Hymne die Knie geschlottert. Da war ich froh, dass ich mich bei den anderen abstützen konnte.“ Gegen Südafrika im September hofft er auf einen weiteren Einsatz. „Aber da muss man erst abwarten, auf welchem Belag gespielt wird.“ Natürlich würde er gerne seine Bilanz aufbessern. Doch selbst wenn das nicht klappen sollte, würde ihn das nicht stören. Auf den möglichen Vorwurf, im Davis Cup kein Spiel gewonnen zu haben, hat er eine klare Antwort parat: „Ich stehe lieber 0:4 als 0:0.“

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein