A1 Trier Richtung Saarbrücken Zwischen AS Illingen und Kreuz Saarbrücken Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (13.12.2017, 23:31)

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Vor rund 100 Tagen wurde der Baumwipfelpfad bei Orscholz eröffnet.

Der Baumwipfelpfad (hier noch als Modell).

Der Baumwipfelpfad (hier noch als Modell).

Nebelfetzen haben sich in den Baumkronen festgesetzt. Nur von ganz nah ist das Farbenspiel des Laubes zu erkennen, das sich von einem satten Grün bei der Eröffnung des Baumwipfelpfades im Juli mittlerweile in Braun, Gelb und Rot gewandelt hat. Unten auf dem Waldboden heilen ganz allmählich die Stellen in der Natur, die beim Bau der Konstruktion aus Stahl und Holz wundgeschlagen worden waren. Das hölzerne Eichhörnchen, jüngste Errungenschaft der Erlebnis-Akademie aus Bad Kötzting, die diesen Pfad geschaffen hat und betreibt, ist feucht von dem Nebel , ebenso der Stuhl, dessen Rückenlehne der lustige Nager bildet. Doch an diesem herbstlichen Morgen bei Temperaturen um die fünf Grad ist es zu ungemütlich, um sich zu setzen, den Blick schweifen zu lassen und Erinnerungsfotos zu schießen. Selbst der Spinne, die an dem Stumpf der rund 180 Jahre alten Buche ihre Fäden für Beute gezogen hat, ist es zu kalt, sie sucht Schutz in der knorrigen Rinde.

Der Buchenwald als Lebensraum ist ein Thema, über das eine Station informiert, eine weitere klärt über Quarzit auf, auch die Entstehung der Saarschleife und Totholz stehen im Mittelpunkt. Um die Mittagszeit versucht die Sonne, sich durch die milchige Suppe zu kämpfen, und drückt sie zu Tal, dorthin, wo der Fluss seine wunderschöne Schleife zieht. Vom Aussichtsturm, 42 Meter hoch, ist die Saarschleife nur zu erahnen – durch das Hupen eines Schiffs, das durch die herbstliche Landschaft fährt. Lachen von Spaziergängern auf dem Waldweg zu Füßen des Baumwipfelpfades dringt nach oben, ebenso der Lärm einer Baustelle.

„Wenn viel Betrieb ist, kriegt man das nicht mit“, verrät Martin Lorenz, der seit der Eröffnung des Baumwipfelpfades am 24. Juli als Pfadinformant unterwegs ist. Wie oft er seit knapp 100 Tagen die 1250 Meter hoch- und runtergelaufen ist, vermag er nicht genau zu sagen. „An Tagen, an denen der Besucherandrang stark ist, kommen zehn bis 15 Kilometer zusammen“, schätzt der Mettlacher. Als gelernter Schreiner (und Betriebswirt) hat er auch schon mal die eine oder andere Bodenleiste ausgetauscht, wie er verrät. „Wenn mir was bei Kontrollgängen auffällt, wird das sofort behoben“, sagt er.

Zwei Kollegen stehen ihm zur Seite – für Informationen über den Pfad, als Ansprechpartner und manches Mal auch für kleine Wehwehchen. Dazu zählt das Team drei Damen an den Kassen und vier in der Verwaltung – Standortleiterin Carina Becker einbegriffen.

Seine Erfahrung aus den drei Monaten: „Die Gäste sind relaxt und doch voller Spannung auf die Aussicht, die sich hier bietet.“ So manch einen, den Höhenangst plagt, hat Lorenz „sanft angeschubst, den Aussichtsturm doch zu besteigen“, wie er sagt. „In die Ferne schauen, nicht nach unten“, lautet sein Tipp. „Ich begleite die Leute, bislang hat noch niemand den Schritt bereut.“

Bei guter Fernsicht gibt die eine Seite des Turmes den Blick bis Saarbrücken frei, von der anderen Seite aus ist der Aussichtsturm des Schaumberges als schmaler, weißer Strich zu sehen. Doch an diesem Morgen hat Stefan Widuar Pech. Geduldig wartet der Mann aus der Nähe von Köln, den Fotoapparat in der Hand, dass die Sonne ihren Kampf mit dem Nebel gewinnt – vergebens. Dennoch macht er sich auf den Weg auf die höchste Spitze des Turmes. „Als ich das letzte Mal im Saarland war, wurde noch gebaut“, erzählt er. Den Anblick des Turms in der bislang unberührten Natur war für ihn, der die Saarschleife aus Kindertagen kennt, sehr gewöhnungsbedürftig, wie er es diplomatisch formuliert. Kritiker nannten ihn ein „Holzmonster, das vom Schiff aus wie ein überdimensionales Parkhaus aussieht“ – Ansichten, der Standortleiterin Carina Becker vehement widerspricht. Widuar wollte sich eines Besseren belehren lassen. Über die völlig neue Perspektive auf das saarländische Wahrzeichen und die Natur weit darüber hinaus, wie die Verantwortlichen der Erlebnis-Akademie werben, wollte sich Widuar ein Bild machen, wenn er wieder im Lande ist, von dem er nicht nur wegen seiner Sehenswürdigkeiten schwärmt. „Durch meine Großmutter habe ich auch verschiedene Spezialitäten kennen gelernt – einfach lecker.“

Derweil machen sich Ute Colmen mit ihrer Freundin auf den Weg – voller Hoffnung, dass die Sonne den Nebel vertreibt. „Wir wollten uns den Pfad einmal ansehen und die Aussicht genießen“, sagen die Saarlouiserinnen – ein guter Grund, die barrierefreie, 1,6 kilometerlange Route mit sechs Prozent Steigung zu nehmen. Mit dem Mittagsläuten trudeln sechs Norweger ein – ein Ehepaar mit vier Kindern, die in Kaiserslautern ein neues Zuhause gefunden haben. Neugierig schauen die kleinen Blondschöpfe zu, wie Ilona Balle, die an der Kasse ihren Dienst schiebt, ihrer Mama die Tickets rüber schiebt. Schmunzelnd schaut Balle zu, wie die temperamentvollen Racker hüpfend den ersten Teil der Route nehmen, während den Papa die Last des schweren Rucksacks mit Proviant drückt.

Weit mehr als 100 000 Besucher hat Standortleiterin Carina Becker bis Ende Oktober gezählt. „Als börsennotierte Aktiengesellschaft kommunizieren wir Besucherzahlen nur im Rahmen des Quartalsberichtes“, sagt sie. Einen Meilenstein nennt sie den 100 000. Besucher. Mit einem Blumenstrauß und einem Präsentkorb überraschte sie am Sonntag, 11. Oktober, Andreas Apel, seine Ehefrau Marion und deren Nachwuchs Nico und Leni, die aus Schoden im Landkreis Trier-Saarburg an die Cloef gekommen waren. „Wir sind mehr als zufrieden“, zieht sie nach fast 100 Tagen Bilanz. „Als Ziel haben wir uns 200 000 Besucher pro Jahr gesetzt. Mit 100 000 Besuchern in zweieinhalb Monaten sind wir auf einem sehr guten Weg, was uns in der Wahl des Standortes an der Saarschleife bestätigt.“ Für das Team sei dies sowohl Anerkennung als auch Motivation.

Neben Tagesausflüglern aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern kommt nach ihrem Bekunden der überwiegende Teil der Touristen aus Luxemburg, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. „Wir hatten aber auch schon Besucher aus Kanada, den USA, China, Korea, Australien und Tasmanien.“

Am kommenden Dienstag ändern sich dann die Öffnungszeiten – der dunklen Jahreszeit geschuldet. Vom 2. November bis 8. Januar ist nur von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. Carina Becker hofft auf eine gute Resonanz im Winter. Nur bei Gewitter, Eis, Hagel und Sturm ist der Pfad geschlossen – aus Sicherheitsgründen. Auch an diesem Tag spielt das Wetter leider nicht mit und die Sonne muss sich geschlagen geben – der Nebel löst sich nicht auf und verhüllt wie ein Schleier die Aussicht auf Saarschleife und Co.

 
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