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Waffenschein-Flut im St. Wendeler Land

Frau nimmt eine Schreckschusspistole in die Hand. Sonst greift das schwache Geschlecht oft zum Pfefferspray. Foto: Boris Roessler/dpa

Frau nimmt eine Schreckschusspistole in die Hand. Sonst greift das schwache Geschlecht oft zum Pfefferspray. Foto: Boris Roessler/dpa

13. November 2015: Menschen in einem Pariser Konzertsaal und in umliegenden Cafés werden erschossen. 14. Juli 2016 – Nationalfeiertag in Frankreich: Ein Mann rast mit einem Laster in Nizza in die Besucher eines Feuerwerks. Im selben Monat verletzt ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt Menschen in einer Würzburger Regionalbahn, wenige Tage später sprengt sich ein Syrer in Ansbach in die Luft. Der Terror ist nah. Das alltägliche Leben erscheint von einem Moment auf den nächsten gefährlich. So auch in der Silvesternacht in Köln, als hunderte Frauen sexuell belästigt wurden.

 

Plötzlich ist sie da, die Verunsicherung und die Angst. Was tun, um sich zu schützen? Eine Waffe zulegen? Personen ab 18 Jahren können so genannte Schreckschusswaffen frei im Handel kaufen. „Zum Erwerb braucht man keinen Waffenschein“, erklärt Karl-Dieter Weisgerber, der mit seinem Vater Dieter Weisgerber ein Waffengeschäft in St. Wendel betreibt. Erst, wenn jemand die Waffe bei sich tragen möchte, braucht er den kleinen Waffenschein (siehe „Hintergrund“). „Wir sind verpflichtet, unsere Kunden darauf hinzuweisen.“

 

Der Antrag auf einen solchen Waffenschein wird beim Kreisordnungsamt gestellt. Haben die Beamten nach den Anschlägen plötzlich deutlich mehr Formulare auf dem Tisch als zuvor? Eine SZ-Nachfrage beim Landkreis St. Wendel liefert folgende Zahlen. Im gesamten Jahr 2014 wurden 13 kleine Waffenscheine erteilt, 2015 waren es 45 und in den Monaten Januar bis Juli im aktuellen Jahr bereits 183. Ein deutlicher Anstieg. Und das sind lediglich die Zahlen jener Anträge, die genehmigt wurden.

 

„Im Januar und Februar kamen die Leute verstärkt und haben nachgefragt: Was dürfen wir kaufen, um uns zu schützen?“, berichtet Karl-Dieter Weisgerber. Elektroschockgeräte, vor allem aber Schreckschusswaffen und Pfeffersprays waren heiß begehrt. So begehrt, dass es laut Weisgerber zu Lieferengpässen gekommen sei. „Und das wegen einer Nacht in Köln“, sagt Weisgerber Senior nachdenklich und schüttelt den Kopf. Gerade Frauen reagierten auf die Übergriffe in Köln. „Es haben plötzlich auch Frauen Waffen gekauft“, erinnert sich Karl-Dieter Weisgerber. Das sei sonst eher selten. Nach den aktuellen Anschlägen haben die Weisgerbers keinen Kundenzuwachs verzeichnet.

 

Schreckschusswaffen funktionieren ohne Geschoss. „Es entsteht ein Knall“, sagt Weisgerber. Dieser Effekt könnte durch das Einlegen einer Gaspatrone verstärkt werden. „Dann kommt zusätzlich zu dem Knall noch eine Gaswolke aus der Waffe.“ Ähnlich wie beim Pfefferspray. In Gesprächen mit den Kunden würden meist die Angst vor Einbrüchen beim Kauf der Schreckschusswaffen angeführt. Frauen, die alleine mit dem Hund Gassi oder zum Joggen gehen, fühlten sich häufig mit Pfeffersprays sicherer. „Wir beraten unsere Kunden, was zum Schutz gekauft werden darf.“


 

Aufrüsten ist die schlechteste Variante

Polizeichef rät: Bei gefühlter Bedrohung immer Beamte verständigen


In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat sich die Zahl der erteilten kleinen Waffenscheine im Landkreis St. Wendel gegenüber der Vorjahreszahl vervierfacht. Mit diesen Zahlen hat die SZ Martin Walter, Leiter der Polizeiinspektion St. Wendel , konfrontiert. Registrieren Polizisten bei Einsätzen verstärkt solche Schreckschusswaffen? „Eine signifikante Häufung ist uns nicht aufgefallen“, sagt Walter. Er gehe davon aus, dass die meisten jener Waffen, für die ein Schein beantragt wurde, zuhause aufbewahrt werden. Als Schutz vor Dieben. Wobei im Kreis aktuell die Zahl der Einbrüche stagniert (wir berichteten).

 

Was die Sicherheit im Allgemeinen betrifft, sagt Walter: „Objektiv betrachtet hat sich an der Gefahrenlage seit 2001 nichts geändert.“ Gefühlt sei der Eindruck der Menschen wohl ein anderer. Generell rät der St. Wendeler Polizeichef den Menschen, wachsam zu sein und bei Auffälligkeiten, die Beamten zu verständigen. Wer zu Veranstaltungen geht, könne sich im Vorfeld in Sachen Sicherheit informieren oder in Begleitung ausgehen, um sich sicherer zu fühlen.

 

„Das Mitführen einer Schreckschusswaffe ist die schlechteste Variante“, betont Walter. Denn Gefahr ginge auch von vermeintlich harmlosen Waffen aus. Durch Schreckschusswaffen könnten Knalltraumata ausgelöst werden, auch Verbrennungen seien möglich. Ein aufgesetzter Schuss an entsprechender Körperstelle kann sogar tödlich sein.

 

Zum Thema:

 

Hintergrund Kleiner Waffenschein: Der Inhaber dieses Waffenscheins, ist berechtigt, Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen bei sich zu tragen. Beantragt werden muss er beim Kreisordnungsamt des Landkreises St. Wendel . Eine Voraussetzung: Der Antragsteller muss 18 Jahre alt sein. Außerdem darf er weder alkohol- noch drogenabhängig sein. Auf dem Formular des Landkreises wird außerdem nach psychischen und anderen Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen oder Nachtblindheit gefragt. Des Weiteren darf der Antragsteller weder vorbestraft noch Mitglied einer verfassungswidrigen Partei sein. Auch der Verwahrungsort der Waffe muss angegeben werden. Reizstoffsprühgeräte (wie Pfeffersprays) dürfen bereits Personen ab 14 Jahren bei sich tragen – und das ohne Waffenschein. evy
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