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Wald-Streit auf dem Winterberg

Für Anwohner Walter Geiger ist klar: Das „rigorose Wegrupfen“ der Bäume verschandelte diesen Hang an der Theodor-Heuss-Straße unweit des Klinikums. Revierleiter Rafael Greif von der städtischen Forstabteilung sagt, das sehe zwar wild aus, doch rege sich dort bereits neues Leben. Foto: Walter Geiger

Für Anwohner Walter Geiger ist klar: Das „rigorose Wegrupfen“ der Bäume verschandelte diesen Hang an der Theodor-Heuss-Straße unweit des Klinikums. Revierleiter Rafael Greif von der städtischen Forstabteilung sagt, das sehe zwar wild aus, doch rege sich dort bereits neues Leben. Foto: Walter Geiger

Äste, Zweige und Gestrüpp bedecken den Boden. Revierleiter Rafael Greif blickt über das unwegsame Gelände am Waldrand, das an die Hinterlassenschaften eines Wintersturmes erinnert. „Es sieht schon ein bisschen wild aus“, sagt der Mann von der Forstabteilung des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe. Am Fuße der Böschung liegt ein stattlicher Stamm. Und noch leuchten entlang der Theodor-Heuss-Straße Dutzende Stümpfe, wo sich bis kurz vor Jahresende Robinien in den Himmel reckten.

Hier, auf dem Winterberg, prallen die Einschätzungen des städtischen Forst-Experten und der Anwohner hart gegeneinander. Und eine Annäherung ist nicht in Sicht. Die Überbleibsel der Holzfällaktion zwischen den Jahren stoßen bei Anrainern auf erbitterte Kritik. Bei Nachbarn wie Walter Geiger. „Was soll diese sinnlose Verwüstung und Verschandelung der Gegend?“, fragt er sich und schildert, wie „riesige Bagger schöne Bäume rigoros wegrupften“. „So muss man das ausdrücken, da von einem sauberen Fällen nicht die Rede sein kann“, bemängelt Geiger. Und fährt fort: „Es wurden offenbar nur die Bäume entfernt, die auf Gemeindegrund standen, nicht die auf Privatgrund.“

Letzteres bestätigt Greif, um zum Anlass der umstrittenen Aktion zu kommen: Die Stadt habe handeln müssen, um, wie jeder andere Grundstückseigentümer auch, ihren Verkehrssicherungspflichten nachzukommen. Denn herabfallende Äste, ja ganze Bäume auf städtischem Gelände hatten auf dem Winterberg schon wiederholt erhebliche Schäden verursacht.

So am 5. Februar 2013, als eine umgekippte Robinie zwei geparkte Autos beschädigte. Am 20. Oktober 2014 fiel ein Baum auf ein Gartenhaus. Und im November 2014 landeten Äste auf einem Wohnhaus, ehe schließlich am 24. September 2015 ein auf ein Auto gestürzter Ast das Ende der bisherigen Schadenskette markierte.

Also entschied der Revierleiter, Bäume von städtischem Grund beseitigen zu lassen, die noch ähnlich gefährlich hätten werden können. Die von der Stadt beauftragte Firma entfernte mit starken Greifern die Stämme entlang der Fahrbahn. Sie habe etliche Bäume bewusst so weit oberhalb der Wurzel gekappt, dass aus dem einen oder anderen Stumpf wieder Leben sprießt. Außerdem sei jetzt genug Licht da für neues Wachstum am Waldboden.

Walter Geiger wäre ein behutsameres Vorgehen lieber gewesen. „Hätte man nicht eventuell vorhandene morsche Äste entfernen können?“, wollte er von Förster Greif wissen. Der sagt, es sei in diesem Bereich einfach zu unwirtschaftlich, ständig nach einzelnen kranken und damit riskanten Ästen zu suchen. Deswegen sei eine dauerhafte Lösung wegen der Verkehrssicherungspflicht der Stadt geboten.

Dass die Stadt, wie von Geiger moniert, mit den kranken auch gesunde Bäume fällen ließ, begründet Greif so: „Die Einzelbaum-Stabilität des verbleibenden gesunden Bestandes am Waldrand wäre durch die Freistellung gerade in dieser dem Wind ausgesetzten Lage nicht gewährleistet.“ Geld verdient habe die Stadt damit nicht, sondern für die Gesamtaktion 17 260 Euro bezahlt. Der Forstwirt sagt, das Ganze habe den Flächen aber gut getan. Er zeigt auf dem Gelände beim Klinikum, wie Jungbäume dem Licht entgegensprießen. „In vier Monaten ist hier alles grün. Und kommen Sie erst mal in einem Jahr wieder“, sagt der für 2100 Hektar Stadtwald verantwortliche Revierchef. Ihm zufolge geschieht auf dem Winterberg das Gleiche wie an anderen Waldrändern, die in Deutschland nach heutigen Standards zu gestalten sind. Hier oben sei jetzt der Weg frei für einen artenreichen, gesunden, abgestuften Waldsaum. „Naturnahe Waldwirtschaft, wie wir sie betreiben, arbeitet auf diese Randgestaltung hin.“

Revierleiter Greif weiß, dass Forstwirtschaft in der Stadt auf Widerspruch stößt und dass er hier in einem Spannungsfeld arbeitet. „Das macht meine Arbeit so interessant, aber auch schwierig. Wir versuchen Konflikte, wo möglich, zu lösen. Allerdings wird uns das nicht immer gelingen.“

Denn Kritiker wie Walter Geiger kommen weiter zu ganz anderen Einschätzungen.
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