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War das Englisch-Abitur zu schwierig?

Probleme mit dem indischen Akzent eines Sprechers hatten 2013 einige Abiturienten. Foto: dpa

Probleme mit dem indischen Akzent eines Sprechers hatten 2013 einige Abiturienten. Foto: dpa

Störgeräusche wie Bahnhofslärm, Sprecher mit indischem Akzent und für Schüler abwegige Themen wie Alzheimer – das Englisch-Abitur im Bereich Hörverstehen für die Erweiterungskurse ist laut Landeselternvertretung Gymnasium (LEV Gym) in den letzten Jahren „mehrfach durch besonders schwierige Bedingungen“ aufgefallen. Die Folge: Verwirrung und Verzweiflung – nicht nur bei den Schülern. Der Verdacht der LEV: Das Niveau war zu hoch. In einem Brief hat sie sich nun an Bildungsminister Ulrich Commerçon ( SPD ) gewandt, auch um solche Probleme künftig zu vermeiden.

Der Lehrplan schreibt vor, dass Abiturienten im E-Kurs das Niveau B 2 erreicht haben sollen. Geht es darum, sprachliche Äußerungen zu verstehen, könne auch das Niveau C 1 erwartet werden. „Wie wir uns von einem Fachmann der Universität Siegen bestätigen ließen, sind kleinere Erschwernisse wie Störgeräusche, (gewohnte) Akzente oder herausfordernde Schwierigkeiten zwar im Einzelnen im Rahmen von C 1 denkbar, ihre Kombination geht allerdings bereits über das C 2-Niveau hinaus“, heißt es in dem Brief. „Wir wollen natürlich eine gute Sprachausbildung. Aber ein schnell sprechender Inder plus Hintergrundgeräusche schießen über das Ziel hinaus“, sagt die LEV-Vorsitzende Nicola-Anna Rödder. Darüber hinaus geben die Elternvertreter zu bedenken, dass die Hörbeispiele für C 1-Prüfungen für das Cambridge-Zertifikat sowie das Zertifikat des Goethe-Instituts „durchweg störgeräuschfrei, hochsprachliche und deutlich akzentuierte Beiträge zu Alltagsthemen“ seien.

Das Bildungsministerium ist anderer Auffassung. So hätten alle Hörverstehensprüfungen seit 2010 dem Niveau B 2/C 1 entsprochen. 2013 habe es im Englisch E-Kurs jedoch eine komplexe Aufgabenstellung gegeben („You are going to hear a radio report about a recent conference on ‚Alzheimer's Disease' in Vancouver (…)“), die viele Schüler vor Schwierigkeiten gestellt habe. Daher habe die Korrektorenkonferenz sich für eine Bewertung entschieden, durch die den Schülern keine Nachteile entstanden seien. Seitdem werde eine solche Aufgabe nicht mehr verwendet und es seien keine nennenswerten Probleme mehr aufgetaucht. Der „Bahnhofslärm“ als Störgeräusch entspreche exakt den Niveaubeschreibungen für die Stufe C 1. Das Thema Alzheimer sei dem Lehrplanthema „Science“ zuzuordnen und daher prüfungsrelevant. Auch „nicht vertraute Akzente“ seien Teil des Niveaus C 1. Ein indischer Akzent sei keine Ausnahmeerscheinung, es gebe sehr viel mehr indische Sprecher als britische oder amerikanische Sprecher des Englischen. „Durch die hohe Präsenz indischer Sprecher in Call Centern ist eine Begegnung mit dieser Varietät des Englischen sehr wahrscheinlich“, heißt es. Das Ministerium verweist auf Standards der Kultusministerkonferenz, die von authentischen Hörmaterialien ausgingen. Hier seien Geräusche wie etwa bei Telefonaten in Kauf zu nehmen. Studioaufnahmen entsprächen nicht dem Alltag, auf den die Schüler vorbereitet werden.

Elternvertretung und Ministerium berufen sich beide auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen, der die Unterschiede zwischen den Niveaus festschreibt. Das Ministerium betont, dass die Definitionen in den Bereichen „Gespräche zwischen Muttersprachlern verstehen“ und „Radiosendungen und Tonaufnahmen verstehen“ bei C 1 und C 2 identisch seien. „Dies bedeutet, dass in den Hörverstehensbereichen keine sinnvolle Unterscheidung zwischen C 1 und C 2 vorgenommen werden kann und soll“, folgert es.

Unterschiede gibt es im Bereich „Allgemeines Hörverstehen“. Hier heißt es zu C 1: „Kann genug verstehen, um längeren Redebeiträgen über nicht vertraute, abstrakte und komplexe Themen zu folgen, wenn auch gelegentlich Details bestätigt werden müssen, insbesondere bei fremden Akzenten.“ Dazu gehörten auch Tonaufnahmen und Radiosendungen jenseits der Standardsprache.

In Abgrenzung hierzu definiert C 2 ein annährend muttersprachliches Niveau. Hier habe der Prüfling „keinerlei Schwierigkeiten, alle Arten gesprochener Sprache zu verstehen, sei dies live oder in den Medien“, auch wenn schnell oder von Muttersprachlern gesprochen werde. Um seine Sprachkompetenz selbst in dem Niveau-Raster einzuordnen, heißt es bei C 2 außerdem: „Ich brauche nur etwas Zeit, mich an einen besonderen Akzent zu gewöhnen.“ Diese Zeit gebe es in einer Prüfung nicht, sagt Rödder. Nachfragen wie für C 1 definiert, seien ebenfalls nicht möglich. Das Ministerium hingegegen erklärt, beim Hörverstehen müssten Schüler die Texte nicht in allen Details erfassen, um die Aufgabe zu lösen. Am Montag soll mit der Landeselternvertretung Gymnasium im Ministerium ein klärendes Gespräch über die Differenzen geführt werden.
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