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Warteschlangen in der Saarbrücker Mensa

Saarbrücken. „Na klar, eine Warteschlange. Was sonst!“ Dieser Satz schwebt wie in einer riesigen Gedankenblase über den Köpfen hunderter Studenten der Saar-Universität, die wie jeden Mittag im Mensa-Gebäude stehen und etwas essen wollen. Normal ist derzeit auch, dass die Schlange schon um zwölf Uhr von den oberen Ausgaben-Theken, die Treppen hinunter, um die Ecke, fast bis zur Eingangstür reicht. Auch dass die Studenten die Zeit des Stehens und Wartens geduldig über sich ergehen lassen – und nicht weggehen –, ist nichts Ungewöhnliches. Ist das Etappenziel „Mensakasse“ dann erreicht, stehen sie mit vollem Tablett vor der zweiten Herausforderung: der Suche nach einem Sitzplatz.

Dieser Zustand ist derzeit Alltag in der Mensa. Seit Anfang des Semesters gehen durchschnittlich mehr als 650 Essen zusätzlich über die Theke. Vor wenigen Wochen verkaufte das Studentenwerk sogar 6500 Menüs an einem Tag, ein neuer Rekord. Das sind 2000 mehr als noch im Sommersemester, sagt Heike Savelkouls-Diener, Sprecherin des Studentenwerks Saarland. Grund sei die stark angestiegene Studentenzahl. Die ist in diesem Jahr mit 17 634 Studenten auf ein Zehn-Jahreshoch geklettert.

Nicht alle machen den Warteschlangen-Alltag mit, einer von ihnen ist Julian Scherer aus Saarbrücken. „Früher habe ich mich für ein Wunschessen 20 Minuten angestellt.“ Heute nimmt er einfach das Essen, bei dem die Schlange am kürzesten ist – oder eben keins. Die meisten Studenten sehen die Menschenmassen in der Mensa sehr gelassen: „Ich denke, das legt sich wieder“, sagt stellvertretend Daniel Breyer aus Saarbrücken. Das Küchenteam, das aus 80 Mitarbeitern besteht, stößt an seine Grenzen. „Momentan verkaufen wir mehr als 5000 Menüs täglich, die Mensa ist jedoch nur für 4500 ausgelegt”, erklärt Thomas Heib, Küchenchef der Mensa. Im Mensacafé, unten im Foyer des Mensa-Gebäudes, ist es ähnlich. Rund 150 Essen mehr bereitet das Team täglich zu. Am Ende einer jeden Tagesschicht, die von 7 bis 15.30 Uhr dauert, sei das Team „k.o.“, sagt Savelkous-Diener. Mit den längsten Wartezeiten müssen Studenten dienstags und donnerstags so gegen halb eins rechnen, erklärt Heib. Der Grund dafür sei, dass viele Vorlesungen und Seminare seit der Bologna-Reform zeitgleich enden. So komme es zu den Stoßzeiten. Bei einem solchen Andrang kann es schon mal passieren, dass ein Essen ausgeht. Grund zur Panik gibt es jedoch nicht: „Geht zum Beispiel das günstigste Tagesangebot aus, gibt es immer ein Ersatzessen“, erklärt Küchenchef Heib. Das wird selbstverständlich auch zum gleichen Preis angeboten.

Das Studentenwerk reagierte auf den Andrang. „Bereits zu Beginn des Semesters wurden drei neue Mitarbeiter eingestellt“, so Savelkouls-Diener. Damit aber nicht genug, zusätzlich musste das Werk zehn Tische samt Stühlen im Wert von rund 16 000 Euro kaufen. Die hohen Kosten entstünden hauptsächlich durch die silbrig-grau glänzenden Tische im Bauhaus-Stil. Sie mussten für 1100 Euro pro Stück speziell für die Saarbrücker Mensa angefertigt werden. Denn die Oberflächen der Tische müssen die bunten Steinkonstruktionen, die von der Decke in den Raum ragen, spiegeln, sagt eine Auflage des Landesamts für Denkmalschutz. Dieses hat das Gebäude und die Konstruktion Anfang der 80er Jahre unter Schutz gestellt. Streng genommen dürfte das Studentenwerk keine neuen Tische ins Gebäude stellen, da damit die Spiegel-ungen und somit das Gesamtkunstwerk verändert werden. „Das ist jetzt aber egal“, meint Savelkouls-Diener. „Jeder Student, der zu uns kommt, wird etwas zu essen bekommen.“

Wird im kommenden Jahr die Wehrpflicht ausgesetzt, könnten die Studentenzahlen erneut steigen: „Dann müssen wir spontan reagieren“, so Savelkouls-Diener. Aber viel mehr Studenten könne die Uni nicht mehr aufnehmen, da auch die Kapazitäten an Hörsälen und Laboren ebenfalls ausgeschöpft seien. Sie schlägt vor, „auch wenn es brutal ist, Vorlesungen auf Samstag zu legen“.

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