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Warum Merkel Peter Altmaier vertrauen kann

Berlin. Vor seiner Berufung zum Minister hat Peter Altmaier umweltpolitisch schon Akzente gesetzt: Angela Merkels enger Vertrauter verzichtet seit einigen Tagen häufiger auf den Dienstwagen und fährt mit dem Fahrrad durch das Berliner Regierungsviertel. Ansonsten aber ist Altmaier in seinem künftigen Geschäftsbereich wahrlich noch nicht auffällig geworden. Aufs Fahrrad ist auch schon sein Vorgänger gestiegen. Norbert Röttgen radelte im Mai des vergangenen Jahres ins Kanzleramt, als dort über den Atomausstieg debattiert wurde. Und nach 13 Stunden Verhandlungen fuhr er auf dem Drahtesel wieder hinaus. Das gab schöne Bilder.

Für solche Scherze ist der schwergewichtige Altmaier nicht zu haben. Der Jurist, katholisch, ledig, seit 1994 im Bundestag und früher einmal Staatssekretär im Innenministerium, geht dahin, wo es weh tut. Weil es die Bundeskanzlerin so will. Aber auch, weil Peter Altmaier kein Mann für halbe Sachen ist. Deswegen arbeitet er in Merkels Maschinenraum, nicht auf ihrem Sonnendeck. Vergeigt die Union wieder eine Landtagswahl, ist Altmaier der erste, der Interviews gibt. Das macht ihm inzwischen sogar Spaß. Und muss ein von Affären geplagter Bundespräsident Christian Wulff verteidigt werden, ist Altmaier pflichtbewusst zur Stelle. Aber nur so lange, wie die eigenen Prinzipien nicht vollends unter die Räder geraten.

Der 53-Jährige macht immer alles mit Engagement und Volldampf. Altmaier setzt ungern auf Konfrontation, lieber auf Einsicht. Stets beteuert er, wie sehr er abweichende Meinungen respektiere. Das klingt dann sanft und sachte. Aber es passt nicht immer zum politischen Alltag seines bisherigen Amtes, dem des parlamentarischen Geschäftsführers. Das ist Kärrnerarbeit. Ein eigenständiger Kopf ist er allemal. Das hat er auch früher schon gezeigt: Der CDU-Mann profilierte sich zeitig als einer der „jungen Wilden“ und forderte 1998 Helmut Kohl sogar zum Rücktritt als Bundeskanzler auf.

Auch schmiedete er mit Röttgen und anderen die „Pizza Connection“, eine informelle Gesprächsrunde mit Grünen-Politikern, die die erste Annäherung der Union an die Ökopaxe bedeutete. Dazu passt, dass der Saarländer heute einer der ganz wenigen in seiner Partei ist, der keine Scheu vor der Piraten-Partei hat. Mehr noch, Altmaier pflegt den regen Austausch mit den politischen Neulingen. Dahinter steckt auch die Überlegung, es besser zu machen als mit den Grünen, die Türen zu den Piraten also nicht über Jahre oder Jahrzehnte zuzuschlagen. Twittern gehört daher inzwischen zu Altmaiers Leidenschaften.

Dass Merkel den Saarländer zum neuen Umweltminister gemacht hat, hat weniger etwas mit fachlicher Kompetenz zu tun. Auf den CDU-Parteifreund ist schlichtweg Verlass. Altmaier war es, der monatelang als 1. Parlamentarischer Geschäftsführer auf allen Sendern den Euro-Kurs der Bundesregierung erklärte und verteidigte. Er gab sogar innerhalb der schwarz-gelben Koalition ab und an klar die Richtung vor. Dabei half ihm, dass er nicht nur überzeugter Parlamentarier, sondern auch überzeugter Europäer ist. Jetzt benötigt Kanzlerin Merkel wieder einen, der diesmal ihr wichtigstes innenpolitisches Thema anpackt und vorantreibt: die Energiewende.

Da hapert es an allen Ecken und Enden. Viele in der Union halten den Atomausstieg für überstürzt, sogar für falsch. Die Wirtschaft meutert, und die Ministerpräsidenten hadern mit der Umsetzung der Energiewende. Es geht jetzt um der Widerspenstigen Zähmung. Dafür könnte Altmaier genau der Richtige sein. Und wenn es heikel wird, stellt Altmaier sich auch schon einmal in die Küche. Dann versucht der Wohlbeleibte, die Einsichten bei dem einen oder anderen mit einer Einladung zu einem guten Essen zu befördern. Ob ihm das jetzt auch als Umweltminister helfen wird?


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