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Warum Saarbrückens Jobcenter Kunden an die Tafel verweisen



Saarbrücken. Gerade in den Wintermonaten steigt die Nachfrage bei den Tafeln im Saarland. Die Einrichtungen nennen Heizkosten und eine höhere Arbeitslosigkeit als Gründe. Vor allem die Zahl der bedürftigen Rentner nehme im Saarland zu: „Allerdings kommen die Älteren erst, wenn es nicht mehr anders geht. Dann haben viele schon ihre Ersparnisse für die Beerdigung verbraucht“, erklärt der Vorsitzende der Tafel Saarbrücken, Uwe Bußmann. „Es kommen sehr viele alte Menschen, vor allem Witwen“, stellt auch Rosi Klos, ehrenamtliche Managerin der Tafel St. Wendel, fest. Hinzu kommt, dass auch die Jobcenter in bestimmten Fällen meist jüngere Kunden an die Tafel verweisen.

„Das kommt in Saarbrücken in letzter Zeit häufiger vor“, sagt Bußmann. Die Tafeln in St. Wendel und Neunkirchen bestätigen ebenfalls einzelne Fälle. „Viele kommen mit der Einstellung: Das steht uns zu. Wir sind aber nicht dazu da, der Politik Aufgaben abzunehmen“, sagt Bußmann weiter. Auch Gerd Thewes, Fachbereichsleiter Familienhilfe vom Caritas-Verband Saar-Hochwald, findet, dass die Tafeln keine staatlichen Leistungen ersetzen dürfen: „Ich kenne zwar nur vereinzelte Fälle, dennoch sollte man das kritisch im Auge behalten.“

Der Caritas-Verband Saar-Hochwald ist verantwortlich für die Tafeln in Dillingen, Wadern, zusammen mit der Diakonie auch für Saarlouis und Lebach. Die Jobcenter in Saarbrücken und Neunkirchen erklärten auf SZ-Anfrage, wann sie Kunden raten, die Tafel zu nutzen: „Das passiert nur im Notfall“, sagt Horst-Rigo Knapp, Bereichsleiter beim Jobcenter in Saarbrücken. „Nicht etwa, wenn es bei Zahlungen zu Verspätungen kommt. Dann vergeben wir Bargutscheine.“ Notfälle seien eher, wenn ein Kunde das Geld verloren habe oder es ihm gestohlen worden sei. „Manche kommen aber auch am 15. des Monats und haben kein Geld mehr.“

Zwar gebe es Lebensmittelgutscheine für solche Fälle. „Allerdings wollen viele damit nicht an der Kasse bezahlen und sich outen“, sagt Knapp. Die „Menschenwürde“ werde bei der Tafel eher gewahrt. Viele Hartz-IV-Empfänger kämen mit dem Regelsatz nicht zurecht, erklärt die Geschäftsführerin des Neunkircher Jobcenters, Katja Sauerbrey. Das sei kein Vorwurf: „Der Satz ist wirklich niedrig. Man muss schon sehr gut wirtschaften können, um davon zu leben.“ Bei manchen reiche das Geld nie aus: „Dann empfehlen wir die Tafel, um die letzte Woche im Monat zu überbrücken.“ Ein anderer Fall seien Jugendliche, die die Zusammenarbeit verweigerten, zum Beispiel keine Vorstellungsgespräche wahrnähmen, und deshalb sanktioniert würden: „Dann werden die Leistungen gekürzt“, so Sauerbrey. Die elf Tafeln im Saarland versorgen etwa 9000 Menschen, schätzt der Homburger Tafel-Chef Roland Best.

Vor allem in der Landeshauptstadt werden es immer mehr: Bußmann spricht von fünf bis zehn Neuanmeldungen pro Woche. Neben den Rentnern kommen meist Dazuverdiener oder Arbeitslose. „Immer öfter auch Mütter mit ihren Kindern, obwohl der Vater arbeitet“, fügt Jörg Panter von der Neunkircher Tafel hinzu – Leiharbeiter, deren Gehalt nicht ausreiche. Panter sieht die Entwicklung kritisch: „Es gibt schon Sozialkaufhäuser. Wann gibt es die ersten Sozialkrankenhäuser? Mit Hilfspflegern aus anderen Ländern, die einen grundmedizinischem Dienst abdecken.“ Vor zehn Jahren seien Tafeln noch etwas Besonderes gewesen. Heute herrsche Anspruchsdenken vor: „Ich bekam vor kurzem einen Brief eines Bedürftigen, der sich beschwert hat, dass die Tafel Neunkirchen kein Fleisch ausgibt.“ Er habe darauf nicht geantwortet. „Die Menschen haben keinen Anspruch auf unsere Hilfe. Wir machen das immer noch freiwillig.“
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