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Warum Singvögel im Topf landen

Der Goldregenpfeifer gehört zu den seltenen Zugvögelarten. Er brütet in Skandinavien und überwintert in Nordafrika. Fliegt er über Lothringen, darf er abgeschossen werden. Foto: dpa</p>

Der Goldregenpfeifer gehört zu den seltenen Zugvögelarten. Er brütet in Skandinavien und überwintert in Nordafrika. Fliegt er über Lothringen, darf er abgeschossen werden. Foto: dpa

Im saarländischen Biringen stehen viele Singvögel auf der Liste geschützter Arten. Ein paar Hundert Meter weiter im lothringischen Waldwisse dürfen Menschen diese Vögel ganz legal jagen. Der Ortsvorsteher von Biringen sieht das als eine Zumutung für seinen Ortsteil und klagte gegenüber unserer Zeitung über mangelnde Kooperation aus Lothringen (wir berichteten). Dass sich aber nach der Beschwerde aus dem Saarland wenig geändert habe, bedeute nicht, dass ihm das Problem egal sei, entgegnete gestern Jean-Guy Magard, Bürgermeister aus Waldwisse , im Gespräch mit der SZ: „Ich habe mit dem Kirchholz-Verein, der dieses Revier gepachtet hat, gesprochen. Ich habe auch die Jagdvereinigung gebeten zu kontrollieren, ob keine Vögel abgeschossen werden, die auf einer Artenschutzliste stehen.“ Dies sei auch geschehen und bei jeder der unangekündigten Überprüfung seien keine geschützten Tiere in den Jagdtaschen gefunden worden. „Ich bin selbst persönlich kein glühender Jagdanhänger, aber die Jagd auf Drossel, Amsel und Waldtaube ist in Frankreich erlaubt, die Jäger machen nichts Illegales“, so Magard. Die Pächter wohnten überwiegend in Luxemburg und hätten das Revier für neun Jahre gepachtet. „Die Regeln der Verpachtung sind im Elsass und im Département Moselle die gleichen wie in Deutschland, nur welche Arten gejagt werden dürfen, ist von Land zu Land unterschiedlich“, erklärt der Bürgermeister.

Auch die Sicherheit ist bei den saarländischen Nachbarn ein Thema. Dass ein Unfall passieren kann, zeigte kürzlich ein Fall in Luxemburg, als im vergangenen September eine Frau von einer Kugel im Gesicht getroffen wurde, die einem Wildschwein gegolten hatte. „Ein Null-Risiko gibt es nie, aber es sind keine Cowboys hier unterwegs, sondern Profis“, relativiert Magard. Die Bürger aus Biringen seien aber nicht die einzigen, die sich daran stören würden. „Wenn an mehreren Tagen nacheinander gejagt wird, beklagen sich bei mir auch Menschen aus Waldwisse .“ Doch innerhalb der von der Präfektur ausgerufenen Jagdsaison dürfen über den ganzen Tag Tiere geschossen werden, daran könne der Bürgermeister nichts ändern. Er kann privaten Pächtern keine legale Aktivität verbieten. „Die einzige Möglichkeit, die Lage auf beiden Seiten der Grenze anzugleichen, wäre ein europäisches Gesetz, das dies regelt“, meint Magard.

Ein solches Gesetz gibt es schon – und zwar in Form der Vogelschutzrichtlinie von 1979. Sie verbietet zwar die Jagd auf Singvögel mittels Fallen, Netzen und Waffen, lässt jedoch Ausnahmen zu, sollte es „keine andere zufrieden stellende Lösung“ geben. „Dass in Frankreich mehr Arten von Singvögeln gejagt werden dürfen als in Deutschland, hängt damit zusammen, dass Frankreich (und andere Länder) dies extra 2009 bei Europäischen Kommission beantragt haben“, erklärt der französische Nationalverband der Jäger. Insgesamt handele es sich dabei um 58 Vogelarten.

Wenn es nach der Saar-CDU geht, muss sich das ändern. „Vögel, die bei uns geschützt sind, dürfen nicht wenige Meter weiter hinter der Landesgrenze einfach abgeschossen werden. Dieser Vorgang muss und wird ein parlamentarisches Nachspiel haben“, so der CDU-Landtagsabgeordnete Günter Heinrich . Er hat beantragt, das Thema auf die Tagesordnung des Umweltausschusses zu setzen. Auch der Interregionale Parlamentarierrat IPR solle sich damit befassen. In nächster Zeit dürfte es aber um das Jagdrevier in Waldwisse ohnehin still werden. „Wegen der Kälte hat die Präfektur ein Vogeljagdverbot verhängt“, berichtet Jean-Guy Magard. Dieses würde für die ganze Woche gelten. Und am 1. Februar endet die offizielle Singvögel-Jagdsaison.

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