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Warum das Saarland von der Bundesliga meilenweit entfernt ist

Das Saarland ist derzeit kein erfolgreiches Fußball-Land. Der 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg sind sportlich aus der 3. Liga abgestiegen. Was ihnen bleibt, ist die Hoffnung, dass andere Vereine keine Lizenz bekommen. Ein Blick zum FC Homburg endet im Niemandsland der Regionalliga. Ein Abstecher zu Borussia Neunkirchen oder Röchling Völklingen in die Oberliga lohnt derzeit auch nicht.

Die Suche nach den Gründen ist mühsam, dennoch lohnenswert. Dabei sind es vor allem die üblichen Argumente, die derzeit zu lesen, zu sehen und zu hören sind: Hier fehle ein Sportdirektor, dort ein guter Trainer, den anderen fehlt ein Stürmer, die Abwehr war morbide und überhaupt: Wo ist die Fachkompetenz in den Clubs? Das übliche Gezeter also, das zwar berechtigt scheint, aber die echten Probleme des Saar-Fußballs meist nur im Ansatz streift.

Um sie zu erahnen, hilft ein Rückblick. 19. März 2006, 26. Spieltag der zweiten Bundesliga: Der 1. FC Saarbrücken schlägt den SC Freiburg mit 2:1. Das war nichts Ungewöhnliches, auch wenn der FCS am Ende der Saison abstieg. Heute wäre es eine Sensation. Diesen Vergleich könnte der geneigte Fan auch mit dem FSV Mainz 05 aufstellen, er käme zum gleichen Ergebnis: Der FCS stand oft vor den 05ern, hatte mehr Zuschauer, bis er nicht nur den Anschluss verpasste, sondern sich in die Untiefen des Fußballs verabschiedete. Da scheint ein Blick nach Mainz und Freiburg geeignet, um zu verstehen, warum der Saar-Fußball darbt.

Der erste Blick geht zum Führungs-Personal, das hinter den Freiburger und Mainzer Erfolgen stand und steht. In Mainz ist Präsident Harald Strutz seit 26 Jahren im Amt. Er engagierte Manager Christian Heidel, Trainer Thomas Tuchel, den ehemaligen Coach Jürgen Klopp. Solch eine Kontinuität gepaart mit Kompetenz gab es im Saarland selten bis nie. Auch in Freiburg war Trainer Volker Finke 16 Jahre lang im Amt. Das wirkt auch nach außen, schafft Vertrauen, Respekt in der Region. Mainz spielte zum Beispiel 1994 gegen den FCS 1:1 – vor 3600 Zuschauern im alten Bruchwegstadion. Wer heute Karten für ein Spiel in der Coface-Arena ergattern möchte, muss Beziehungen haben. Noch ein Treppenwitz: Die alten Tribünen des Bruchwegs will der FSV nun nach Saarbrücken verkaufen.

Spielt man den Vergleich weiter durch, stellt man Folgendes fest: Während Saarclubs oft vergeblich versuchten, mit teuren Spielern Aufstiege oder Nichtabstiege zu kaufen, investierten Freiburg und Mainz in Steine statt in Beine. Sie bauten sich Nachwuchsleistungszentren (NLZ) auf. Schule und Fußball sind in diesen NLZ vereint, der DFB unterstützt sie finanziell. Ein nahezu unschlagbares Argument, wenn Eltern sich entscheiden, ihrem Sohn den Weg zum Fußballprofi zu ebnen.

Der SC Freiburg war sogar der erste deutsche Proficlub, der sich Ende der 1990er Jahre explizit als Ausbildungsverein positionierte. Hochqualifiziert und nachhaltig: „Neben der erstklassigen Ausbildung in der Freiburger Fußballschule zählt die außergewöhnlich hohe Durchlässigkeit vom Nachwuchs- in den Profibereich zu den besonderen Qualitätsmerkmalen dieses Konzeptes“, heißt es auf der Internetseite des SC Freiburg. 2006, als der SCF gegen den FCS verlor, hatte Freiburg die jüngste Mannschaft im deutschen Profifußball auf dem Platz. 2009 stieg Freiburg mit dieser Truppe in Liga eins auf, gleichzeitig feierte auch der FCS eine Meisterschaft – in der Oberliga. 2012 spielten acht Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Erstligamannschaft des SC Freiburg. 2014 stehen drei Freiburger im Aufgebot der Nationalmannschaft. Spieler aus der Region spülen Zuschauer in die Stadien, schaffen Identität und auch Vertrauen in der regionalen Politik – ohne das Stadion-Neubauten nicht zu realisieren sind. Das bringt genauso Geld, wie der Verkauf eines Toptalents, das die Vereine mit NLZ bereits in der Jugend vertraglich an sich binden dürfen. Das Investment in den Nachwuchs hat sich für Freiburg und Mainz ausgezahlt. Sportlich – und wirtschaftlich.

Inzwischen gibt es 36 Leistungszentren in Deutschland. Im Saarland keines. Der FCS hatte in Zweitligazeiten mal eines, da es der DFB vorschreibt. Nach dem Abstieg sparte sich der Verein das NLZ, um es nun wieder eröffnen zu wollen. Es fehle noch eine Unterschrift, heißt es im Verein. Wobei Schatzmeister Dieter Weller auch sagte, es sei zu teuer. Auch wenn die SVE unter Präsident Dominik Holzer inzwischen löblich versucht, infrastrukturell nachzurüsten (Stadion und NLZ), haben diese Entwicklung alle Saarclubs jahrzehntelang verschlafen. Dabei gibt es im Saarland herausragende Talente (siehe Hintergrund), die der DFB in seinen Stützpunkten fördert. Ein Vereins-NLZ gibt es aber nicht. Vielleicht auch, weil die Vereine nicht zusammenarbeiten wollen. Zu schwer fällt es ihnen, den Traditionsmantel auszuziehen oder persönliche Befindlichkeiten abzulegen.

Die Vereine sind abhängig

Auch die Strukturen der Saarclubs versprühen nicht den Charme einer möglichen Bundesligatauglichkeit. Abgesehen von Marketingaktivitäten in Kinderschuhen und (noch) fehlenden zeitgemäßen, vermarktbaren Stadien, eint die Saarclubs vor allem eines: Sie hängen am Tropf eines großen Geldgebers. Der FCS wird von Hartmut Ostermann (Seniorenheime und Hotels) finanziert, in Elversberg stellt Familie Holzer (Pharma) das Geld und den Präsidenten. In Homburg ist Peter Theiss (Naturwaren) der große Mäzen. In Neunkirchen wiederum steht der finanzkräftige Abrissunternehmer Giuseppe Ferraro an der Spitze. Das kann erfolgreich sein. Meist aber nur bis zur Zweiten Liga.

Präsident und gleichzeitig alleiniger Geldgeber? Im Milliardengeschäft Bundesliga gibt es dies sehr selten. Das kann sich kaum einer leisten. Und will er es, schiebt ihm die 50+1-Regel oft einen Riegel vor. Diese Regel gilt für eine Fußball-GmbH, aber nicht für Vereine. In der Bundesliga schicken die Vereine ihre Mannschaften meist als ausgegliederte GmbHs auf den Rasen, unterstützt von mehreren finanzstarken Gesellschaftern.

 Im Saarland gibt es nur Vereine. Ohne Gesellschafter. Im Umkehrschluss heißt das: Im Saarland sind sie alle von jeweils einem Mäzen abhängig. Das führt zur Situation, dass nicht nur die Demokratie in den Vereinen leidet. Kritik könnte ja dazu führen, dass der Hauptsponsor den Verein verlässt. Und dann wäre noch nicht mal der Status quo zu halten. Das fördert den Verdruss bei Fans und Mitgliedern.

So bitter dies auch ist: Eine Lösung für den Saar-Fußball zu finden, die in den Profifußball mündet, ist in dieser Gemengelage nur schwer möglich. Ein Blick nach Freiburg oder Mainz könnte aber helfen. Hintergrund Patrick Herrmann (Gladbach), Philipp Wollscheid (Leverkusen), Mike Frantz (1. FC Nürnberg), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) und Jonas Hector (1. FC Köln) sind derzeit die großen saarländischen Namen in der Fußball-Bundesliga. Bis auf Trapp und Hector schnürten sie in der Jugend auch für den 1. FC Saarbrücken die Schuhe. Wollscheid war dem FCS nicht gut genug, wechselte über Nürnberg zu Leverkusen. Frantz entschied sich, nach dem Abstieg 2006 nach Nürnberg zu wechseln. Trapp ließ sich beim 1. FC Kaiserslautern ausbilden. Hector schaffte den Sprung ins Profigeschäft vom SV Auersmacher aus. Auch Erik Durm hat seine fußballerischen Wurzeln im Saarland. Der Pirmasenser spielte in B- und A-Jugend für den FCS, kam über Mainz zu Borussia Dortmund. Heute steht der Abwehrspieler im Aufgebot der Nationalmannschaft für die WM in Brasilien.
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