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Warum eine Saarbrücker Lehrerin ein Jahr lang auf Weltreise ging

Die einjährige Auszeit hat ihr gut getan: Uschi Warm vor ihrem Stammcafé in der neuseeländischen
Stadt Whangarei.

Die einjährige Auszeit hat ihr gut getan: Uschi Warm vor ihrem Stammcafé in der neuseeländischen Stadt Whangarei.

Jahrelang hat sie vor allem funktioniert. Da waren der Job, das Muttersein, das Ehefrausein. Viel Platz blieb da nicht. Erst als beide Kinder das Haus verlassen hatten, keimte langsam der Gedanke in ihr auf, dass sie ein paar Träume hat, die noch nicht gelebt sind. Und sie stellte sich eine Frage: Entspricht diese Uschi Warm, die in Saarbrücken lebt, als Lehrerin an der Montessori-Grundschule Rußhütte arbeitet, eigentlich auch tatsächlich dem Bild, das sie von sich selbst hat?

Als Beamtin hatte Uschi Warm die Möglichkeit, dieser Frage auf den Grund zu gehen: mit einem Sabbatjahr. Zwei Jahre lang hat sie nur zwei Drittel ihres eigentlichen Gehalts bekommen, dafür konnte sie im dritten Jahr ihre Arbeit als Lehrerin bei gleicher Bezahlung komplett ruhen lassen. Um dieses freie Jahr dann ganz zur Selbstfindung zu nutzen. 62 Lehrer haben vergangenes Jahr im Saarland so ein Sabbatjahr genommen. „Eines der größten Geschenke, die wir als Beamte haben“, sagt Warm.

Das klingt so einfach, so romantisch: abtauchen, um sich selbst zu finden. Dafür ist aber viel Kraft vonnöten und vor allem Mut, um loszulassen. Warm hat viel aufs Spiel gesetzt. Ihren Arbeitsplatz zum Beispiel. Zwar konnte sie nach dem Sabbatjahr nicht entlassen werden. Sie konnte sich aber nicht sicher sein, ob sie nach dem Jahr wieder an derselben Schule eingesetzt wird oder den Standort wechseln muss.

Ihr war aber klar, wenn sie sich selbst finden wollte, musste sie weg, raus aus den alten Mustern. Und sie war weg, lange weg. Fast das ganze Jahr war sie alleine auf Reisen, in Schottland, Amerika, Australien, Neuseeland, zwischendurch nur für ein paar Tage mal zu Hause in Saarbrücken .

In ihrer Studentenzeit hatte Warm in einer großen Wohngemeinschaft gelebt, und das wollte sie auch jetzt, während ihres Sabbatjahres, noch einmal erleben. Sie besuchte für mehrere Wochen zwei große „Communities“ in Schottland und Kalifornien, lebte und arbeitete in einer ganz anderen Art von Miteinander, als sie das von Deutschland kannte. Wenn in der Großküche etwa ein paar Kilo Zwiebeln geschnitten werden mussten, dann fand sich einfach einer, der das übernahm. Keiner musste über den anderen bestimmen. Warms Vater ist in Deutschland Großküchenchef, der hätte dazu gesagt: „Das funktioniert nicht, so kann man keine Küche leiten.“

Uschi Warm hat dieses Zusammenleben und -arbeiten gefallen. So sehr, dass sie, zurück in Deutschland, mit Freunden und Bekannten eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft gründen wollte. Nach und nach aber sprangen mehr und mehr Leute von dem Vorhaben ab, bis es ganz scheiterte. Das war nur ein Anzeichen dafür, dass die alten Muster, der alte Alltag sie schnell wieder einholten.

Nachdem sie ein Jahr lang sehr bewusst gelebt und auf sich selbst gehört hatte, musste sie feststellen, dass sich das nur schwer in den Alltag integrieren ließ. Dass sich wieder das Gefühl einschlich, einfach nur zu funktionieren – und der Wunsch, wieder auszusteigen. Dabei mag sie ihren Job, die Arbeit mit den Kindern. Auch das ist ihr während des Sabbatjahres klar geworden. „Ich bin Lehrerin“, sagt sie. „Aber eben nicht nur.“ Das ist die Lehre, die Warm aus ihrem Sabbatjahr gezogen hat. Sie ist Lehrerin. Ehefrau. Mutter. Und sie ist einfach Uschi Warm. Letzteres will sie auch nach der Auszeit verteidigen. Warm will jetzt ihre Tätigkeit an der Schule auf eine halbe Stelle herunterfahren – und hat für die dann freie Zeit auch schon eine Idee für ein eigenes Projekt, die sie aber noch nicht verraten will.

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