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Warum eine Saarbrückerin in den USA nie ungeschminkt arbeiten ging

Farbenfroh: Jana Burnikel bei einer Kunstausstellung auf der US-Insel Governors Island. Foto: Julie Chu-Yu Hsieh</p>

Farbenfroh: Jana Burnikel bei einer Kunstausstellung auf der US-Insel Governors Island. Foto: Julie Chu-Yu Hsieh

Frau Burnikel, was macht eine nahezu ungeschminkte junge Frau bei einem New Yorker Start-Up, das eine Make-Up-App entwickelt hat?

Burnikel: In meinem Studiengang ist es Pflicht, sechs Monate im englischsprachigen Ausland zu verbringen. So kam es, dass mich irgendwann eine Informatikforscherin an der Uni, die selbst an der App aus den USA mitgewirkt hat, gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, dort mal ein Praktikum zu machen. Mich hat New York gereizt, das Start-Up-Leben und das ausgeklügelte System hinter der App.

Wie funktioniert die App denn genau?

Burnikel: Man macht ein Selfie, idealerweise ungeschminkt. Dann gibt man Daten ein wie Augenfarbe und Haarfarbe. Das System erfasst die Gesichtsform, Form der Augen und den Abstand der Augen zueinander. Anhand der Daten wird einem für jede Gesichtspartie schrittweise gezeigt, wie man einen bestimmten Look erreichen kann und das passende Produkt zum Kauf angeboten.

Was haben Sie dort gemacht?

Burnikel: Ich habe potenzielle Kooperationspartner kontaktiert, Präsentationen vorbereitet und die App in Meetings vorgestellt. Ich habe mit Leuten geredet, mit denen ich sonst nie in Kontakt gekommen wäre.

Zum Beispiel?

Burnikel: Mit den Chefs von großen Kosmetikunternehmen.

Wie sind Sie mit dieser Welt zurechtgekommen? Waren ihre Arbeitskollegen stark geschminkte Barbie-Püppchen?

Burnikel: (lacht) Es war wie im Film. Eine Welt für sich. Ich habe in einem Team von sechs bis acht Personen gearbeitet – und es waren tatsächlich überwiegend Frauen. Ich war erstaunt, wie unglaublich intensiv man sich mit Make-Up beschäftigen kann. Als ich da hinkam, hatte ich selbst nur Maskara benutzt. Ich erinnere mich an die Marketing-Expertin eines Kosmetik-Unternehmens, die immer so aussah, als sei sie gerade frisch aus der Maske gekommen und bereit für das Vogue-Cover. Ich war von Menschen umgeben, die nur auf das Oberflächliche ausgerichtet waren. Perfekte Roboter. Ich habe dann auch selbst angefangen, Make-Up aufzutragen. Trotzdem habe ich im Vergleich zu meinen Kollegen immer ausgesehen wie ein Mülleimer.

War Ihnen das nicht zu oberflächlich?

Burnikel: Das war schwer für mich. Auch privat hatte man das Gefühl, man kann nichts für bare Münze nehmen. Ein „Nice to meet you“ heißt dann so viel wie „Ich hab' dich gleich wieder vergessen“. Wenn ein Bekannter mit „Great“ auf etwas reagierte, konnte das auch heißen, dass er gelangweilt war. So etwas kannte ich von Deutschland nicht. Ich musste deshalb lernen, diese Kontakte nicht überzubewerten.

Wie war Ihr Arbeitsalltag?

Burnikel: Schön. Ich wurde nicht als Praktikantin wahrgenommen, durfte Verantwortung übernehmen, habe Ideen mitentwickelt. Dafür habe ich auch unbezahlt 60 bis 70 Stunden gearbeitet. Mit meiner Chefin war es manchmal schwierig.

Inwiefern? Gab es da einen besonders schlimmen Moment?

Burnikel: Ja, als mich meine Chefin eines Morgens bat, im Büro auf ihren anderthalb Jahre alten Sohn aufzupassen. Ich kam dann natürlich nicht top gestylt zur Arbeit und das Kind hat mich irgendwann vollgesabbert. Kurz nach 14 Uhr kam die Chefin dann hereingestürmt, um mir mitzuteilen, dass ich um 15 Uhr bei einem Meeting einspringen soll. Und das verbunden mit der Aufforderung: „Aber vorher gehst du dir anständige Klamotten und Schuhe kaufen, sonst nehme ich dich nicht mit!“ Ich habe mir nur gedacht: Das schaffst du niemals! Letztendlich bin ich dann mit hochhackigen Schuhen, die mir viel zu klein waren, und den Schlabberklamotten vom Babysitting im Arm in das Meeting gehetzt. Die Leute haben gedacht, ich sei bescheuert.

Haben Sie auch ein interessantes Praktikum im Ausland gemacht? Wenn ja, dann kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail an f.abbas@sz-sb.de.

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