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Warum hartes Training die Immunabwehr schwächt

Homburg. Regelmäßige sportliche Betätigung stärkt nicht nur das Herz-Kreislaufsystem und das Muskel-Skelett-System, sondern auch die Immunabwehr. Unser Immunsystem hat die Aufgabe, den Körper vor schädlichen Eindringlingen wie Bakterien, Viren, Parasiten und Schmutzpartikeln zu schützen. Da könnte man meinen, dass besonders viel Sport die Immunabwehr besonders gut trainiert.

„Das ist aber ein Irrglaube“, sagt Dr. Dominik Schammne. Er hat an der Universität in Jena die Reaktionen des Immunsystems bei sportlicher Betätigung untersucht und leitet heute die „Praxis für Sportwissenschaften“ in Oberthal. „Wer ständig intensiv trainiert und harte, lange Trainingseinheiten absolviert, kann dadurch seine Immunabwehr dermaßen schwächen, dass Infekte viel leichter ausbrechen.“ Das betrifft keineswegs nur Leistungssportler. „Ein großer Teil der Freizeitsportler belastet sich im Training zu hoch“, betont Leistungsdiagnostiker Schammne. „Anfänger und Wiedereinsteiger in den Sport machen häufig den Fehler, schon gleich zu Beginn zu intensiv zu trainieren.“
Bei hartem körperlichem Training wird das Immunsystem besonders stark beansprucht. Im Blut finden sich dann vermehrt Botenstoffe, die Entzündungen auslösen können, wodurch schädliche Eindringlinge niedergerungen werden sollen. Einer dieser Botenstoffe ist das gut erforschte Interleukin-6 (IL-6). Dieser hormonähnliche Botenstoff wird bei starker körperlicher Belastung vor allem dann in großen Mengen ausgeschüttet, wenn im Muskel zu wenige Kohlenhydrate (Zucker) als Brennstoff zur Verfügung stehen. „Das IL-6 bewirkt unter anderem, dass die Leber ihren gespeicherten Zucker als schnellen Energieschub freisetzt“, erklärt Dominik Schammne. Über die Blutbahn erreicht dieser Zucker dann wieder die Muskeln.

Wenn der Körper auf seine Vorratsspeicher zurückgreifen muss, bedeutet das jedoch großen Stress. Darauf reagiert die Leber, indem sie auch vermehrt das C-reaktive Protein (CRP) ausschüttet. Eine erhöhte Konzentration dieses Proteins (Eiweißes) im Blut ist ein klarer Hinweis auf Entzündungen im Körper. „Nach einem harten Training ist der CRP-Spiegel im Blut bis zu 48 Stunden lang erhöht“, sagt Schammne. Das Immunsystem arbeitet also auf Hochtouren, um vermeintliche Eindringlinge zu bekämpfen. „Doch die Gefahr droht in der Regel nicht von übermäßigen Entzündungsreaktionen, sondern von einer darauf folgenden Schwächung des Immunsystems“, sagt Dominik Schammne. Ursache dafür sind Stresshormone, die der Körper bei intensiver sportlicher Beanspruchung freisetzt. Unter anderem werden von den Nebennieren Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet. Diese Hormone verhelfen dem Organismus zu Hochleistungen. Sie bringen den Stoffwechsel auf Trab, steigern den Energieumsatz der Muskeln, schärfen das Nervensystem und mindern das Schmerzempfinden.

Doch das Kortisol schränkt auch die Wirksamkeit der Botenstoffe ein, die das Immunsystem ankurbeln. Das bremst die Immunzellen und schwächt die Immunabwehr, weil die körpereigenen Immunzellen hilflos im Blut schwimmen und im Körper nicht mehr dorthin gelangen können, wo sie wirklich gebraucht werden. „Die Gefahr geht also von einer zu starken Entzündungshemmung aus. Die Zellen der Immunabwehr verhalten sich dann wie eine Armee ohne Führung: viele Soldaten, die aber nicht wissen, wo sie kämpfen sollen und deswegen heillos durcheinander laufen“, erläutert Dominik Schammne. „In dieser Phase reichen dann schon relativ harmlose Erreger aus, um im Körper einen Infekt hervorzurufen.“ Die Medizin weiß schon seit Längerem, dass vor allem wenige Stunden nach Ende einer intensiven körperlichen Belastung ein sogenanntes offenes Fenster für Infekte existiert. Die Aktivität der Abwehrzellen ist verringert, Erreger wie Viren und Bakterien finden leichten Eingang.

„Die Eindringlinge gelangen häufig über die Schleimhäute im Hals-Rachen-Bereich in den Körper“, sagt Schammne. Spitzensportler und ambitionierte Freizeitsportler sind aus den genannten Gründen ausgerechnet dann am stärksten von Infekt-Erkrankungen bedroht, wenn sie vor wichtigen Wettkämpfen und Turnieren besonders intensiv und lange trainieren.

Die Trainingswissenschaft konnte eindeutig nachweisen, dass es gar nicht erforderlich ist, ständig intensiv zu trainieren, um die Ausdauerleistung kontinuierlich zu steigern. „Anfänger, Gesundheits- und Freizeitsportler erreichen ihr Ziel am ehesten, wenn sie zwei Drittel bis drei Viertel des Trainings langsam trainieren. Nur der kleine Rest sollte aus intensiven Einheiten bestehen“, macht der Sportwissenschaftler klar. „Und besonders wichtig sind ausreichende Pausen, damit sich der Organismus erholen kann.“ Bei einem moderaten Ausdauertraining, das drei Einheiten pro Woche von jeweils 45 Minuten Dauer umfassen sollte, passt sich das Immunsystem am besten an. Es wird ausreichend, jedoch nicht zu stark beansprucht, sodass es seine Schutzfunktion ohne Komplikationen verbessert. Bei untrainierten Menschen können bereits Spaziergänge den erwünschten Effekt hervorrufen.
 

Niemals Sport treiben bei einer Infekt-Erkrankung Vermeintlich banale Krankheiten wie Grippe und Magen-Darm-Infektionen können den Herzmuskel in Mitleidenschaft ziehen
 
Wer unter einer Infekt-Erkrankung leidet, selbst wenn sie harmlos erscheint, sollte keinen Sport treiben. Denn er gefährdet dadurch sein Herz. Die noch immer verbreitete Ansicht, dass man einen Infekt durch Sport „herausschwitzen“ soll, kann sogar zum plötzlichen Herztod führen.

Homburg. Ein Grundsatz gilt für Sportler jeglicher Leistungsstufe: Bei Entzündungen, worauf zum Beispiel Halsschmerzen, Gelenk- und Gliederschmerzen und starker Schnupfen eindeutig hinweisen, ist Sport tabu. „Man sollte dann mit dem Sport aussetzen, bis man sich wieder fit fühlt und dann noch zwei Tage warten, ehe man wieder einsteigt“, sagt der Sportwissenschaftler Dr. Dominik Schammne. Wenn lediglich die Nase leicht läuft und ansonsten keine Beschwerden vorliegen, kann man trainieren. „Man sollte jedoch langsam machen“, rät Schammne. „Wer normalerweise 60 Minuten läuft, sollte schon nach 30 Minuten wieder aufhören.“

Wer allerdings trotz einer Infekt-Erkrankung trainiert, schwächt sein Immunsystem, das ja schon auf Hochtouren läuft, in einem solchen Maße, dass selbst harmlose Erreger den gesamten Organismus überschwemmen und Organe schädigen können. Besonders bedrohlich ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis). „Auch bei vermeintlich banalen Erkrankungen wie einer Grippe oder einer Magen-Darm-Infektion kann der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden“, sagt Professor Dr. Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III an der Uniklinik Homburg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Bei körperlicher Anstrengung steigt der Blutdruck, und das Herz muss schneller und kräftiger schlagen. Sind Herzmuskelzellen durch die Myokarditis bereits vorgeschädigt, führt die Belastung vermehrt zu ihrem Untergang.

Oft bemerkt der Betroffene die Herzmuskelentzündung überhaupt nicht. „Doch körperliche Belastung ist dann Gift fürs Herz“, warnt Böhm. Die Folge könne eine massive Herzschwäche sein, schlimmstenfalls drohe der plötzliche Herztod.
Michael Böhm rät: „Wer eine Grippe oder eine andere Infektion mit Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit hat, gehört ins Bett. Denn in jedem Fall könnte der Herzmuskel beteiligt sein.“ Vor allem bei älteren Menschen gelte das auch für Infekte, bei denen kein oder nur geringes Fieber auftrete. „Wer sich in dieser Phase körperlich belastet, riskiert sein Leben.“ Man darf sich dann keineswegs sportlich betätigen und muss auch andere körperliche Belastungen, etwa im Beruf oder Haushalt, meiden, bis alle Begleitsymptome wie zum Beispiel Gelenk- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber abgeklungen sind und man sich wieder wohlfühlt. Eine Herzmuskelentzündung, die am häufigsten durch Viren, etwa bei einer Grippe oder Magen-Darm-Infektion, ausgelöst wird, ist nicht in jedem Fall zu spüren. Es gibt jedoch Symptome, die darauf hinweisen: Abgeschlagenheit und allgemeine Schwäche, Herzrhythmusstörungen wie beispielsweise Herzstolpern, Luftnot oder Schmerzen in der Brust, wie sie auch bei einem Herzinfarkt auftreten können. „Eine spezielle Gefahr geht von den Rhythmusstörungen aus“, erläutert Böhm, „weil sie abrupt in Kammerflimmern übergehen können. Es kommt zum Herzstillstand, der zum Tod führt, wenn nicht sofort eine Reanimation unter Einsatz eines Defibrillators erfolgt.“ An einem einzelnen Symptom ist nicht festzumachen, dass der Herzmuskel entzündet ist. „Der Verdacht auf eine Myokarditis besteht, wenn die genannten Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer Virus-Infektion auftreten“, sagt der Herzspezialist.

Wurde eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, sind drei Monate konsequente Schonung erforderlich: viel Ruhe, keine körperliche Belastung – auch nicht im Beruf –, keinerlei Sport und sogar Fahrstuhl statt Treppe. Eine direkte Behandlung der Ursachen (Viren) einer Herzmuskelentzündung ist noch nicht möglich. Neben Schonung werden entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente eingesetzt sowie ACE-Hemmer (blutdruckregulierende Medikamente) und Betablocker (Medikamente, die die Herzfrequenz herabsetzen) gegen eine eventuell bestehende Herzschwäche. „Hat sich die Herzfunktion nach einer Entzündung wieder komplett erholt, muss man noch drei Monaten warten und darf erst nach einer erneuten Untersuchung ohne Befund wieder Sport treiben“, sagt Michael Böhm. np

 
In erkälteten Familien kursieren verschiedene Erreger oft wochenlang Mainz. Wissenschaftler der Universitätsklinik Mainz haben einen Winter lang 50 Familien untersucht und ihnen immer wieder Abstriche aus Rachen und Nase entnommen. Es zeigte sich, dass in den Familien oft mehrere verschiedene Viren gleichzeitig kursieren und zwar mehr als erwartet. Hat ein Kind drei Wochen lang Husten und Schnupfen, zieht sich die Erkältung meist nicht etwas länger hin, sondern das Kind macht in dieser Zeit mehrere verschiedene Infekte hintereinander durch.
Andere Familienmitglieder werden oft durch neue Erreger wieder angesteckt. Selbst wenn Mutter und Vater aufgrund einer früheren Infektion gegen einen der Erreger immun sind, kann ein anderer sie sehr wohl erwischen. Die Studie belegt auch, dass einige der häufigeren Atemwegs-Infektionen nicht zu einer bleibenden Immunität führen. Das Immungedächtnis gegen den jeweiligen Erreger sinke oft schon nach ein paar Monaten drastisch ab, berichten die Forscher. Deshalb können die gleichen Keime erneut zuschlagen.
Beim Niesen und Husten sollte man die Hand vor den Mund halten, damit die Erreger nicht in der gesamten Raumluft verteilt werden. Und es wäre gut, sich anschließend noch die Hände zu waschen, raten die Experten. np

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