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Was Merkel und der Google-Chef auf dem IT-Gipfel über sich verraten

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Google-Konzernchef Sundar Pichai (zweiter von links) lassen sich zeigen, wie Schülerinnen und Schüler einen Roboter programmiert haben. Thorsten Leimbach (rechts) vom Fraunhofer-Institut erläutert das Projekt. Foto: Becker & Bredel</p>

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Google-Konzernchef Sundar Pichai (zweiter von links) lassen sich zeigen, wie Schülerinnen und Schüler einen Roboter programmiert haben. Thorsten Leimbach (rechts) vom Fraunhofer-Institut erläutert das Projekt. Foto: Becker & Bredel

In bester Laune präsentiert sich die Bundeskanzlerin auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung in Saarbrücken. Mitten in ihrem Auftritt erinnert die Atmosphäre in der Congresshalle plötzlich an die besten Zeiten von „Wetten, dass..?“ und Angela Merkel gibt den Gottschalk. Es wird aus dem Saal rausgeschaltet, wie damals bei der „Außenwette“. Draußen meldet sich die Klasse 7a der Gemeinschaftsschule Bellevue. Die Schule ist im Rahmen des Modellprojekts „Smart School“ bereits ein Aushängeschild für digitales Lernen und dient als Vorzeigeprojekt für ganz Deutschland.

Die Kinder warten mit ihrer Tutorin Sabine Käufling schon ganz gespannt auf das Gespräch mit „der Frau Bundeskanzlerin“. Die stellt munter eine Frage nach der anderen. Und die Kinder machen ebenso munter mit. Doch plötzlich werden die Schülerinnen und Schüler mutig. Die ganze Klasse wolle wissen, ob die Frau Bundeskanzlerin denn auch Smartphones und Tablets nutzt, sagt Magdalena neugierig. Erst lächelt Angela Merkel. Auch die Gäste im Saal warten gespannt auf ihre Antwort. Dann erzählt sie amüsiert, ihre IT-Experten im Bundeskanzleramt sagten ihr jeweils, welches Smartphone sie gerade nutzen darf. Wenn sie selbst an Informationen kommen will, dann schaue sie lieber auf ein „iPad-artiges Tablet“. Über diese spontane Formulierung amüsiert sie sich selbst. Sie wolle mit dieser Formulierung jeden Verdacht einer Schleichwerbung ausschließen. Dann gibt sie noch mehr von sich preis: „Ich versuche schon, mit den neuen Trends mitzukommen. Man muss neugierig bleiben. Und ein Leben ohne Smartphone kann ich mir auch nicht mehr vorstellen“, sagt die Kanzlerin zu den Schülerinnen und Schülern.

Die Gemeinschaftsschule Bellevue arbeitet schon einige Zeit mit neuesten digitalen Hilfsmitteln im Unterricht. Dazu gehören besonders gute Online-Verbindungen, W-Lan und Tablets, die die Schüler für den Unterricht ausleihen können. Zahlreiche IT-Unternehmen haben zur technischen Ausstattung der Schule beigetragen. Wie motivierend und zielführend der Einsatz modernster Informationstechnologie (IT) an Schulen sein kann, das zeigen der Kanzlerin in der Congresshalle Tatjana Pia Löffler (12) und Fabian Prinz (13) aus Saarbrücken. Auch sie kommen aus der Klasse 7a der Gemein schaftsschule Bellevue. Sie ärgern sich immer wieder darüber, dass Busse und Autos manchmal zu schnell an der Schule vorbeifahren. Deshalb haben sie mit Hilfe des Kleincomputers Ardolino eine Lichtschranke gebaut und selbst programmiert. Die Lichtschranke zeigt bei normalem Tempo die Botschaft „Herzlich Willkommen“ an, bei einer Geschwindigkeits-Überrschreitung dagegen „Achtung Kinder“.

Das beeindruckt die Kanzlerin genauso wie die Vorführung von Tilda Noller (9) aus Köln. Sie hat mit Hilfe des Kleincomputers Calliope, der ab 2017 ab der dritten Klasse im Saarland eingesetzt werden soll, einen Sensor konstruiert, den man in einen Blumentopf halten kann. Haben die Blumen noch genug Wasser, meldet sich ein Smiley. Man könnte allerdings auch weiter Blumen einfach so gießen, ohne Computerunterstützung. In manchem scheint die digitale Welt selbst der Kanzlerin zu weit zu gehen. So rät sie den Schülerinnen und Schülern, auch das ganz normale Leben nicht zu vergessen. Denn Tiere könne man sich zum Beispiel auch weiter im Zoo ansehen statt im Internet.

Einen Auftritt der besonderen Art erlebt während des IT-Gipfels der Bundesregierung auch Google-Konzernchef Sundar Pichai. Jener Mann, dessen weltweit meistgenutzte Suchmaschine im Internet täglich rund 3,5 Milliarden Suchanfragen bewältigen muss.

Pichai findet sich plötzlich inmitten eines Bergwerks wieder. Der Unterschied zwischen dieser Traditionsbranche und der Google-Welt der Neuzeit könnte auf den ersten Blick nicht größer sein. Doch modernste Google-Technik und 3-D-Brillen ermöglichen es inzwischen, das Erlebnisbergwerk Velsen so realistisch zu erleben, als würde man gerade selbst einfahren. Und so begibt sich Sundar Pichai spontan auf eine „Grubenfahrt“, begleitet von Volker Etgen, dem Vorsitzenden des Erlebnisbergwerks. Er erläutert, was man sich alles anschauen kann.

Auch der zehnjährige Niels findet das toll, weil das Ganze so einfach zu bedienen ist. Niels schaut sich gerade mit seinen Klassenkameraden des Kardinal-Frings-Gymnasiums aus Bonn das IT-Camp der saarländischen Landesregierung an, das begleitend zum Kongress läuft. Dort erlebt Sundar Pichai schon wieder die nächste Vorführung. Diesmal geht es um einen Roboter, den schon Kinder ab acht Jahre selbst programmieren können. Man braucht dazu die kostenlose Software Open Roberta, die im Internet läuft und einen Browser, erläutert Thorsten Leimbach vom Fraunhofer-Institut. „Das Programm ist kindgerecht aufgebaut und arbeitet auch mit grafischen Blöcken, die die Arbeitsschritte zeigen.“ Die Software stellt das Fraunhofer Institut bereit, das Projekt wird von Google bis 2019 gesponsert.

Auch der Google-Chef verrät so manch Persönliches über sich. So habe er in einem indischen Dorf mit zwölf Jahren zum ersten Mal ein Telefon in der Hand gehalten. Ein Gerät, auf das die Familie zuvor vier Jahre lang habe warten müssen. Plötzlich seien ständig auch Nachbarn gekommen, um zu telefonieren. „Ab diesem Moment wusste ich, dass diese neue Technologie mein ganzes Leben verändern wird.“ Und so, wie es aussieht, plant Google schon die nächste technische Revolution. Noch könne die Maschine bei Text-Übersetzungen nicht die Original-Qualität einer menschlichen Übersetzung erreichen. Das ändere sich gerade.

Vor allem dem Engagement des Saarlandes ist es zu verdanken, dass Pichai gekommen ist. Das Land kooperiert in Projekten mit Google . Umgekehrt ist der Weltkonzern Mitgesellschafter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. Am Ende lässt Pichai durchblicken, was er an Deutschland besonders schätzt: „Ich habe immer schon die Genauigkeit und Exzellenz deutscher Ingenieure bewundert.“

 

Meinung:

 

 

Jetzt geht die Arbeit erst los

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

 

Es hat lange gedauert, bis es gelungen ist, den IT-Gipfel der Bundesregierung ins Saarland zu holen. Und so ein Gipfel ist schon ein Stück weit auch ein berauschendes Erlebnis, wo sich viele gegenseitig auf die Schultern klopfen. Denn man freut sich über Erfolge, die es in der Informationstechnologie (IT) in Deutschland und auch hier im Saarland zweifellos gibt. Doch damit nach dem berauschenden Fest nicht Katerstimmung aufkommt, muss jetzt Nachhaltigkeit in den Ausbau der Digitalisierung kommen. Die Schulen müssen landesweit mit modernen digitalen Lernmitteln ausgestattet werden. Es muss zudem gelingen, noch mehr Forschungsprojekte im Bereich IT und Digitalisierung an die Saar zu holen. Das wird nicht leicht.

 
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