A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis AS Saarlouis-Mitte Baustelle, Ausfahrt gesperrt bis 22.12.2017 16:00 Uhr (13.11.2017, 11:43)

A620

Priorität: Dringend

3°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
3°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Was geschah wirklich auf der Rußhütte in Saarbrücken?

Die Feuerwehr hat vor der auch für sie überraschenden Fischbachflutwelle am 3. Juli bewusst nicht gewarnt, damit Menschen sich nicht zum Ausräumen in ihre Keller - und damit in Lebensgefahr - begeben.

Malstatt. Irgendetwas stimmt da nicht, sagt Hans Eck. Die offizielle Version zu dem, was am vorvergangenen Freitag auf der Rußhütte passiert ist, sei ganz offensichtlich "nur die halbe Wahrheit". Dass ihm und anderen Bewohnern der Fischbachstraße und der angrenzenden Sträßchen die Keller voll Wasser gelaufen sind, habe sicher nicht nur am Regen gelegen. Ein normales Hochwasser sei das nicht gewesen.

Der Rentner Hans Eck, vielen bekannt als der Präsident der Karnevalsgesellschaft "Die Eule", wohnt seit Jahrzehnten in der Straße Am Grund. Der Fischbach läuft mitten durch seinen Garten. "Ich kenne den Bach", sagt Eck. Und er weiß, wie das mit dem Hochwasser ist. Eck hat sogar über die Jahre notiert, wann der Fischbach innerhalb welcher Zeit wie hoch gestiegen ist.

"Bei Hochwasser steigt der Bach kontinuierlich um etwa zehn Zentimeter je Stunde", erklärt er. "Am besagten 3. Juli stieg der Bach aber zwischen 17 und 21 Uhr um circa 160 Zentimeter", hat Eck notiert. Und nicht nur das. "Ab 17 Uhr transportierte der Bach nur tiefschwarze, stinkende Brühe."

Der Verdacht: Im Quierschieder Kraftwerk Weiher könnte der Damm eines Löschteichs gebrochen sein. "Der Löschteich war nicht übergelaufen", teilt Katja Lander, die Sprecherin des Kraftwerkbetreibers Evonik, auf SZ-Anfrage mit. Aber durch das Unwetter waren "Teile des Standortes bis zu 30 Zentimeter überflutet", sagt Lander.  "Von der Kohlehalde, die etwa 30 Meter höher liegt als das Kraftwerk, sind unter anderem auf Grund des starken Regens Kohlebestandteile mit Wasser vermischt in den nahe liegenden Kohlbach geflossen.

Der Regen in Quierschied, womöglich vermischt mit Kohle, nicht der Regen über der Rußhütte sei das Problem gewesen, sagt Josef Schun, der stellvertretende Leiter der Saarbrücker Berufsfeuerwehr.

"Wenn die Feuerwehr das gewusst hat, warum hat sie dann nicht die Anwohner auf der Rußhütte gewarnt? Wenn wir gewusst hätten, dass da mehr kommt als das, was wir von Hochwassern gewohnt sind, dann hätten wir nicht wie sonst Sandsäcke geschleppt, sondern hätten unsere Keller ausgeräumt", sagt Hans Eck.

Die Berufsfeuerwehr habe, als klar wurde, was dort los war, Kundschafter nach Quierschied geschickt, sagt Schun. "Das Wasser stieg aber so schnell, dass man nicht ernsthaft warnen konnte. Zumal wir ja keine Abwasserexperten sind. Wo das Wasser hinfließt, war schwer zu sagen", erklärt er.

Als es klar war, habe die Feuerwehr bewusst nicht vor der Kellerüberflutungsgefahr gewarnt. Schun: "Wenn Wasser so schnell steigt, dann wollen wir nicht, dass noch jemand in den Keller geht." In Baden-Württemberg seien zwei Menschen in überfluteten Kellern durch Stromschläge getötet worden. Auch die Gefahr, dass wie in Friedrichsthal Menschen in ihren überfluteten Kellern eingeschlossen werden, sei groß.

Es sei um "Schadensbegrenzung" gegangen. Und das heißt: Menschenleben retten ist wichtiger, als - womöglich - Sachschaden zu verringern.

Apropos Sachschaden: Seit Dienstag hat der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE0) auf der Rußhütte rund 40 Tonnen Sperrmüll, sechs Tonnen Schrott und etwa 40 Kühlschränke und -truhen kostenlos abgeholt.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein