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Was nach dem Alkohol übrig bleibt: Nationale Aktionswoche läuft noch bis Sonntag

In unserer Region beteiligen sich der Saarpfalz-Kreis und die Suchtberatung des Caritas-Zentrums Saarpfalz an der Aktionswoche gegen die Alkoholsucht . Man hat sich ein eigenes Motto ausgesucht: „Erfolgsgeschichte Abstinenz – Was nach dem Alkohol übrig bleibt“. Ein interessanter Ansatz, findet Kathrin Seebauer, die bei der Firma Bosch in Homburg erste Ansprechpartnerin für Suchtfragen ist. Als Betriebliche Sozialberatung unterstützt sie gemeinsam mit einer Kollegin rund 5500 Mitarbeiter, die Bosch im Saarland beschäftigt. Seebauer hat ein Beispiel zur Hand: die Erfolgsgeschichte von Volker K.

„Ich bin praktisch mit Alkohol beziehungsweise Bier aufgewachsen“, sagt Volker K. heute. „Schon im Kindesalter nahm mein Vater mich mit in die Eckkneipe, als Jugendlicher habe ich bereits dort ausgeholfen. Dass Alkohol lange die Hauptrolle in meinem Leben gespielt hat, das habe ich erst bei meinem zweiten stationären Aufenthalt begriffen. Erst da konnte ich mich endlich gegen Alkohol als Lebensmittelpunkt und für mich und mein Leben entscheiden.“

Doch bis es so weit war, ging Volker K. einen langen Weg – einen beschwerlichen, aber lohnenswerten. Als die Zustände zu Hause immer unerträglicher wurden – die schwere Erkrankung seiner Frau, die Trennung, das schwierige Verhältnis zu seinen Söhnen, die finanzielle Situation der Familie – und er immer häufiger, immer mehr trank, um sich nicht mit all der Schwere, der Ungewissheit auseinandersetzen zu müssen, vielleicht auch um wenigstens etwas Spaß mit seinen Freunden in der Kneipe zu empfinden, offenbarte er sich seinem Vorgesetzten.

„Irgendetwas musste passieren. Das spürte ich. Ich brauchte Hilfe und hatte keine Ahnung, an wen ich mich sonst hätte wenden können. Und so landete ich das erste Mal bei der Betrieblichen Sozialberatung meines Arbeitgebers.“ Das war im Jahr 2011. Mit Unterstützung der Sozialberatung , seiner Krankenkasse, aber auch seines Vorgesetzten trat Herr K. nur zwei Wochen nach diesem ersten Besuch seine erste Entwöhnungsbehandlung in einer Fachklinik an. Er blieb trocken. Ein ganzes Jahr.

Familiär hatte sich vieles getan, belastend blieb die Situation trotzdem. „Jeden Tag flatterten Briefe von Anwälten in mein Haus. Alle wollten nur Geld von mir. Das hielt ich nicht mehr aus und begann wieder zu trinken, mich zu Hause einzuschließen.“ Bis er unentschuldigt auf der Arbeit fehlte. Es folgten betrieblich die Einleitung der Betriebsvereinbarung Sucht und innerhalb dieser die erste Abmahnung sowie erneuter Kontakt zur betrieblichen Sozialberatung , die nun jedoch von einer neuen Beraterin ausgeführt wurde.

Der Warnschuss durch die Abmahnung half ihm erst dabei, seinen Konsum stark zu reduzieren, beizeiten auch ganz einzustellen. Angeregt durch die Beratungen baute er auch einige Kontakte zu ehemaligen „Leidensgenossen“ aus der Klinik wieder auf, besuchte eine Selbsthilfegruppe, begann seine Hobbys wieder, ging in Privatinsolvenz und arbeitete an der Beziehung zu den Söhnen.

Volker K. trank weiter – lange, wie er dachte, unbemerkt. Im März 2014 meldete sich der Vorgesetzte bei der Sozialberatung . Seit Jahren bemühe er sich nun um diesen Mitarbeiter, deckele immer wieder dessen Fehlverhalten. Und nun habe er gestern Herrn K. Bier trinkend und betrunken gesehen – zwar in dessen Freizeit –, aber jetzt habe er endgültig die Schnauze voll und das Gefühl, Herr K. führe ihn, nein, alle an der Nase herum. Das vehemente Eingreifen seitens des Vorgesetzten jedoch führte letztendlich dazu, dass Volker K. eine erneute Entwöhnungsbehandlung antrat und diesmal auch die ambulante Nachsorge beendete. „Und da hat es irgendwie ‚Klick‘ gemacht“, sagt Herr K. „Bei meiner ersten Reha war das Motto irgendwie noch ‚Ich und der Alkohol ‘, bei meinem zweiten Anlauf dachte ich nur so ‚Jetzt ICH!‘.“

Seit der zweiten Rehabilitationsmaßnahme hat Herr K. keinen Schluck Alkohol mehr angefasst. Er ist Opa geworden und sieht die Welt und sich in ihr jetzt anders, wie er sagt.

„Ich weiß noch, dass ich am Anfang dachte ‚Was will mein Vorgesetzter denn?! Ich trinke privat – mein gutes Recht!‘, heute denke ich, dass sein Handeln das beste war, das mir passieren konnte. Ohne Unterstützung – gerade seitens meiner Firma –, wer weiß, wo ich heute wäre. Ich weiß, dass da stets jemand für mich da ist.“
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