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Was so besser 2015 nicht in der Zeitung stand

Wie verbringen Menschen ihre Zeit zwischen den Jahren? Oder vielmehr: Wo sind sie anzutreffen? Informationen darüber lassen Kollegen in der SZ-Redaktion jedes Mal aufs Neue erschaudern. Mit verlässlicher Regelmäßigkeit steht nämlich folgende gesalbte Passage in vielen Berichten und Pressetexten: „Familien verbringen Heiligabend gemeinsam unter dem brennenden Weihnachtsbaum.“ Fragt sich bloß: Warum setzen sie sich nur dieser brandgefährlichen Situation aus? Wer klemmt sich mit Mutter, Vater, Kind und Kegel, ja womöglich noch mit mehr Personen aus der Verwandtschaft unter die fackelnde Tanne? Sollten sich lieber auf der Couch fläzen und den sicherheitshalber mit einer Lichterkette umspannten Christbaum betrachten.

Aber wollen wir nicht kleinlich sein. Denn die Leser schützten wir 2015 vor dieser Formulierung. Ebenso vor folgender missglückten Nachricht über einen neuen Betrieb: Ein Abschleppdienst kann „nach eigenen Angaben alle Pkw-Typen sowie Kleinbusse bis zu drei Kilogramm abschleppen“. Welche Marktlücke will dieser Unternehmer eigentlich besetzen? Auf welche Kleinstwagen setzt er?

Auf zwölf Monate befristete Entscheidungen traf offensichtlich ein Ortsrat. Hier vermeldete nämlich der Kollege aus der Sitzung über die Ortsvorsteherwahl, dass er mit „fünf Jahr-Stimmen bei Drei Enthaltungen“ gewählt wurde.

Unterdessen erhielten wir auf elektronischem Wege Post, eine E-Mail, die gemailt wurde – Neudeutsch für per Computer verschickte Daten. Allerdings nahm der Autor den Spruch „Schreib, wie man es spricht“ allzu wörtlich und fügte an „Text zu gemähltem Dokument.“

Nicht nur in diesem sprachlichen Bereich hat die Moderne Einzug gehalten. Auch was die emanzipierte Wortwahl betrifft, die Gleichstellung von Mann und Frau insbesondere. So wandte sich der Vorstand in einem Vereinsschreiben zu einer Jahreshauptversammlung folgendermaßen an seine Getreuen: „Hierzu sind alle Mitgliederinnen und Mitglieder (…) herzlich eingeladen.“ Bleibt zu hoffen, dass ihnen während der Tagung auch genug Hockerinnen und Hocker bereitstanden.

Dieser textliche Ausrutscher hatte hingegen so gar nichts mit Gleichberechtigung am Hut. So bot eine Institution an: „’Gewalt gegen Frauen’ ruft zu einer Mitmachaktion auf.“ Wie bitte? Frauen schlagen leicht gemacht? Das ist ja wohl die Höhe!

Gibt es nichts Wichtigeres als Frauen und Männer? Klar doch! Dafür gab es sogar Geld von Landeseite, für „die Verschönerung einer Bunkeranlage“, wie es dazu in einem ministeriellen Pressetext hieß, der ebenfalls 2015 in der Redaktion eintrudelte. Grund dafür: „Der erste Eindruck zählt“ am Ortseingang. Stimmt. Was kann’s Schöneres geben, als einen hübsch zurechtgemachten Bunker am Ortseingang?

Nicht nur darum kümmerten sich Politiker in der Region. Sie setzen auch auf den Nachwuchs. Nur warum sie ihm dabei im übertragenen Sinn die Pest an den Hals wünschen, blieb das Geheimnis des Autors, der von „der Schaffung von Kindergrippen“ zu berichten wusste. Wären die Kleinen doch besser in Krippen aufgehoben, wenn sie schon erkältet sind.

Bevor es aber soweit kommt, müssen Babys auf die Welt kommen. Versteht sich von selbst. Dazu bot eine Behörde Hilfestellung. Ein Schulungsangebot sozusagen. Mit dem vielversprechenden Titel „Kurs für gelingende Elternschaft“. Trotz investigativen Einsatzes der SZ-Journalisten ist nicht klar, was gezeigt wurde, welche Hilfe Paaren angedient wurde.

Hilfsbereiter zeigte sich indes ein Ortsvorsteher, der einen verlorenen Gegenstand für seinen Besitzer aufbewahrte. Doch fragt sich der geneigte Leser, worum es sich nun tatsächlich gehandelt hat: Hieß es zu Beginn der Mitteilung „Eine Brille wurde (…) gefunden“, informierte der Verfasser wenig später: „Der Verlierer kann die Schüssel beim Ortsvorsteher (…) abholen.“ Es kann sich also nur um ein Klo gehandelt haben.
 
 
 
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