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Was wird aus Saarlands Bergbau-Flächen?

Die Zukunft vieler ehemaliger Grubengelände ist noch immer ungewiss.

Die Zukunft vieler ehemaliger Grubengelände ist noch immer ungewiss.

Saarbrücken. Und sie bewegt sich doch. Gemeint ist die RAG Deutsche Steinkohle AG beziehungsweise ihre Tochter-Gesellschaft, die RAG Montan Immobilien. Für das von Schließung bedrohte Erlebnisbergwerk Velsen zauberten die RAG-Verantwortlichen vergangene Woche eine Überlebens-Möglichkeit aus der seit über eineinhalb Jahren eisern verschlossenen Finanzschatulle. Der Trägerverein darf in Velsen für einen Euro pro Jahr nun als Pächter weitermachen. „Erstaunlich“ nennt das der zweite Vereinsvorsitzende Hermann Braun – und begrüßt das RAG-Konzept.

„Die RAG spielt auf Zeit“, hatte Brauns Kollege, Vereinschef Volker Etgen, erst wenige Tage zuvor mit Sorge festgestellt. Er beklagte eine Hinhalte-Taktik und befürchtete einen substanzbedrohenden Leerstand für den Lehrstollen, der Ende des Jahres geschlossen wird. Wie kam es, pünktlich zur heute anstehenden Podiumsdebatte, zur Zerschlagung des Gordischen Knotens? Wer hat wem welche Zugeständnisse gemacht?



Nicht nur in Velsen, überall im Land, läuft in Sachen Bergbauflächen-Folgenutzung ein zäher Poker. Teilnehmer: Kommunen, die nach Gewerbeflächen lechzen und sich gerne mit dem kulturellen Erbe, zum Beispiel Förderturm-Wahrzeichen, schmücken würden – ohne sie finanzieren zu wollen. Das Land, das segensreiche Fördertöpfe verwaltet, dessen Behörden – Denkmal- und Bergamt sowie Umweltschutz – aber auch unangenehme Auflagen machen können. Und die RAG.  Sie ist „Großgrundbesitzerin“ an der Saar, muss jedoch nach Mai 2012 2500 Hektar Industrie-und Wald-Flächen mit 808 Immobilien – davon sind 60 denkmalgeschützt – gefahrenfrei hinterlassen, sprich ohne Altlasten. Dafür wurden Rückstellungen gebildet. Millionen sind im Spiel. Das läuft angeblich nach Win-Win-Regeln: Es soll nur Sieger geben. Etwa dadurch, dass die Kommunen mitreden, wenn die RAG mit Investoren verhandelt. Oder bei Flächenumnutzungen blockieren.

Sorgenkinder sind die Denkmäler. Denn wie einen Förderturm kommerziell nutzen, und sei er noch so attraktiv wie der Camphauser Hammerkopf-Förderturm? Für ihn „kämpft“ die Quierschieder Bürgermeisterin Karin Lawall – indem sie an den Lenkungskreis Bergbauflächen und die RAG appelliert. Sie wie wohl alle ihre Bürgermeister-Kollegen ist offensichtlich nicht bereit, alle zehn Jahre 300 000 Euro in die Sanierung zu investieren.

Das Lied „Wer soll es bezahlen?“ wird überall angestimmt. Auch in Heinitz, wo ein Denkmal von nationalem Rang – die Gasmaschinenzentrale – seit 2007 ungenutzt vor sich hingammelt. Sanierungsbedarf: 3,5 Millionen Euro. Ein „Runder Tisch“ veranstaltet seit 2010 ein Schneckenrennen. Im Gespräch ist eine Pachtung durch den Landesbetrieb für Straßenbau. Streusalz soll eingelagert werden. Welch ein trauriges Schicksal für dieses Prunkstück. Gegenbeispiele gibt es aber auch: die Grube Warndt (Karlsbrunn) wandelt sich im Eiltempo zum Bio-Energie-Zentrum.  Auch der Energiepark Luisenthal kommt prima voran.



Bis 2025 wird es dauern, bis die letzte Fläche aus dem Bergrecht entlassen ist. Wenn es gut läuft, werden dann noch zwei oder drei Fördertürme stehen. Für mehr sei kein Geld da, das hat der Lenkungskreis-Vorsitzende, Staatssekretär Joachim Kiefaber (FDP), verkündet. Noch bevor seine Gutachter gesprochen haben. Die Evaluierung der 15 bedeutendsten Denkmal-Areale wird erst im Juni 2012 erwartet.

Das Gutachten wäre für das Erlebnisbergwerk zu spät gekommen. Es hat einen gewissen Charme, dass jetzt ausgerechnet eine Anlage Soforthilfe erfährt, die nicht unter Denkmalschutz steht: ein Über-Tage-Lehrstollen, der nie der Kohlegewinnung diente. Doch in unmittelbarer Nähe liegen Kaffeeküch', eine schmucke preußische Tagesanlage (1915), Fördergerüst und Dampffördermaschine (1916). Das bereits sanierte Schmuckstück, die Tagesanlage, gehört der RAG allerdings gar nicht mehr. Sie hat sie und andere Gebäude vor Jahren an den Illinger Abfall-Unternehmer Josef Paulus verkauft. Der wollte dort, in Steinwurfnähe des Abfallheizkraftwerkes Velsen, einen Recycling-Betrieb installieren. Und blieb dann stecken. Jetzt „bespielt“ die Hobbykünstler-Gruppe Art 58 die herrschaftlichen Räume. Und träumt von einem Kultur-Ort. Paulus hat da mitzureden. In zehn Kilometern Nähe liegt zudem das Bergbau-Museum Carreau-Wendel. Der Verein plant eine Kooperation, hier einig mit der Landesregierung. Die möchte aus einem ersten musealen Großregion-Projekt ganz konkret und ideell Kapital schlagen.  Damit sitzt ein weiterer Spieler am Tisch, der den Poker verschärfen könnte: Frankreich. Als wäre das Ganze nicht schon kompliziert genug.


Auf einen Blick

Unter dem Titel „Tradition bewahren – Zukunft der Industrieanlagen gestalten“ findet heute auf dem Alten Grubengelände in Velsen (Klarenthal) auf Einladung der Linken eine Podiumsrunde statt. Zugesagt hat unter anderem der Vorsitzende des Lenkungskreises Bergbauflächen, Staatssekretär Joachim Kiefaber (FDP). Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr mit einer Führung, ab 18.15 Uhr wird diskutiert. ce
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