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Was wird aus den Landärzten?

Merzig. Es klang wie ein Versprechen für eine gute Zukunft mit genügend Landärzten im Saarland, das Friedhelm Ochs, der Landesgeschäftsführer fürs Saarland und Rheinland-Pfalz der Barmer GEK, am fortgeschrittenen Donnerstagabend in Merzigs Stadthalle abgab: „Das ist das Schöne im Saarland: Hier suchen alle nach Lösungen.“ Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hörte das sicher ebenso gerne, wie die etwa 120 Besucher – darunter viele Mediziner. Kein Wunder, schließlich hatte der FDP-Bundestagsabgeordnete und Landeschef Oliver Luksic eingeladen, über die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu diskutieren.

Die große Kontroverse blieb angesichts des Themas aus. Über die Diagnose herrschte in Merzig Einigkeit zwischen Politikern, Kassen-, Ärzte- und Krankenhausvertretern. Gunter Hauptmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes, erläuterte am Beispiel des Kreises Merzig, dass dort 2001 noch 68 Haus- und Kinderärzte ansässig gewesen seien, 2011 seien es 70 und 2019 werden es nach aktuellem Stand noch 44 sein. Es herrscht also Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs auf dem Land.

Das Stichwort für Gesundheitsminister Bahr, der mit etwas Verspätung zu der Runde stieß und zuerst einmal die Ziele des geplanten Versorgungsstrukturgesetzes (wir berichteten mehrfach) erläuterte. Ein zentrales Anliegen des Gesetzes: Mögliche Engpässe bei der Versorgung sollen gar nicht erst entstehen. Bahr setzt auf Anreize für Mediziner und die Möglichkeit regionaler, flexibler Planung. Unter anderem soll die Residenzpflicht in Zukunft entfallen und Praxen sollen auch von angestellten Ärzten geführt werden dürfen.

Bahr wehrte sich präventiv gegen den von der Opposition geprägten Begriff des Ärztebeglückungsgesetzes. Und lobte zugleich das „insgesamt sehr gute deutsche Gesundheitssystem“.
Der rollende Landarzt – eine der derzeit diskutierten Verbesserungen – stellte Hauptmann für das Saarland indes in Frage. Zu groß sei der Zeitverlust durch Anfahrt und Aufbau. Hauptmann regte stattdessen angesichts der vergleichsweise kurzen Wege im Land einen Bringservice für Patienten an. Der Mediziner will den Landkreistag ansprechen und sagte: „Im Saarland sitzen wir alle in einem Boot. Das kriegen wir hin.“

Zuversichtlich zeigte sich FDP-Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordneter Erwin Lotter, dass das geplante Gesetz Wirkung zeige, weil sich Ärzte beispielsweise auf Probe in Gemeinden niederlassen können, wenn ein Arztsitz etwa von einer Kassenärztlichen Vereinigung getragen werde. Kassenvertreter Ochs mahnte unterdessen an, bei aller Sorge um den Landarzt nicht die Ballungsräume und eine teilweise vorhandene Überversorgung aus den Augen zu lassen.

Klaus-Dieter Hielscher, Geschäftsführer am Städtischen Klinikum Neunkirchen, plädierte unter anderem dafür die Krankenhausplanung nicht zu vernachlässigen und sprach sich für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern aus. Kooperation – das Stichwort des Abends.
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