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Wasserzähler: Abweichungen bei Messung zu hoch

Saarlouis. Im deutschen Eichgesetz, das den Verbraucher schützen soll, ist klar festgehalten: Der Wasserversorger „darf Fehlergrenzen nicht planmäßig zu seinem Vorteil ausnutzen.“ Ganz genau misst technisch bedingt kein Wasserzähler. Die Verkehrsfehlergrenzen dürfen maximal im unteren Belastungsbereich zehn Prozent mehr oder weniger betragen und im oberen Belastungsbereich vier Prozent – solange sich die Messfehler ausgleichen. Die Abweichungen von rund 15 Prozent, die Saarlouiser, Dillinger und Völklinger Wasserkunden gemessen haben, liegen eindeutig darüber.

Wie kann es dazu kommen? Der Einbau von Wasserzählern erfolgt bundesweit nach einer Empfehlung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), dem Dachverband der Wasserversorger. Deren Arbeitsblatt W 406 berechnet die Zählerbemessung nach einer Formel, die die Zahl der Wohneinheiten, die Zahl der Personen pro Wohneinheit und den Pro-Kopf-Verbrauch einbezieht. Danach wäre aber für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem mittleren Tagesverbrauch von 130 Litern ein Zähler der Größe Q3= 2,5 mehr als ausreichend. Geht man nach dieser Formel, kann der Haushalt maximal 1625 Liter Wasser pro Stunde verbrauchen. Das heißt: Wenn alle Wasserhähne voll aufgedreht sind. Der Zähler der Größe Q3= 2,5 kann aber pro Stunde sogar einen maximalen Wasserdurchlauf von 3125 Litern messen.



Das Arbeitsblatt rät ausdrücklich nicht von kleinen Zählern ab, sondern davon, diese pauschal einzusetzen.  Der dagegen häufig verbaute Zähler Q3=4 deckt eine Bandbreite ab, die vom Singlehaushalt bis zum Mehrfamilienhaus mit 50 Wohneinheiten reicht. Dass sich durch diese große Bandbreite die Fehlergrenze ausweitet, liegt auf der Hand. Denn wenn Wasserzähler außerhalb ihrer Belastungsbereiche arbeiten, können erhebliche Fehlmessungen auftreten.

Thomas Buchholz, Leiter des Produktmanagements der Firma Zenner, die in Saarbrücken Wasserzähler herstellt, bezweifelt die hohe Fehlerquote von 15 Prozent. Er geht davon aus, dass die Messwiegetechnik, wie sie in Fernsehbeiträgen und auch von saarländischen Wasserkunden angewendet wurde, nicht realistisch sei: „Eine literweise Entnahme ist eine unrealistische Verbrauchsmenge.“ Verbrauchsstatistiken widersprechen dieser Annahme. Zenner stellt auch die nächstkleineren Zähler der Größe Qn 1,5 beziehungsweise Größe Q3=2,5 her. In Deutschland werden diese aber nicht verwendet. Buchholz ist sich jedoch sicher: „Ein kleinerer Zähler würde dasselbe Ergebnis bringen.“ Im Zweifelsfall könnte die Wasserrechnung sogar bei manchem Kunden höher ausfallen, weil der kleinere Zähler genauer zählt.



Meinung

Abrechnung ist kein Ratespiel

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Jeder Verbraucher hat das Recht, genau das zu bezahlen, was er verbraucht hat. Jeder Versorger ist gesetzlich verpflichtet, diesen Verbrauch exakt nachzuweisen. Stattdessen werden pauschal Zähler einer Größe eingebaut. Abrechnung ist aber kein Ratespiel. Darüber zu streiten, ob kleinere Zähler genauer messen, ist müßig. Klarheit brächte eine Nacheichung in den Haushalten. Doch diesen Beweis scheuen die Versorger bislang. Und eine Frage bleibt offen: Wieso werden kleinere Zähler hergestellt und verkauft, aber nicht eingebaut? So jedenfalls wie derzeit gemessen wird, profitieren vielleicht die Wasserversorger, kaum aber die Kunden.
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