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Wegen Gesundheitspolitik: Saarlands Hausärzte streiken - Treffen in DIllingen

Die Hausärzte sind stocksauer auf die Bundesregierung. Sie fürchten, dass mangelnde Attraktivität ihres Berufes in einigen Jahren die medizinische Versorgung gefährdet. Etliche Praxen blieben gestern dicht.

Von SZ-Redakteur Daniel Kirch

Dillingen.
An einem normalen Arbeitstag würde Klaus-Peter Dausend jetzt die Lunge eines Patienten abhören oder ein Rezept für einen Blutdrucksenker ausstellen. Vielleicht würde sich der 63-Jährige in seiner Hausarztpraxis in Freisen-Oberkirchen auch um den ganzen Papierkram kümmern, der von ihm verlangt wird. Aber an diesem Mittwoch hat Dausend seinen Arztkittel aufgehängt, seine Praxis geschlossen und sich auf den Weg zu einer Protestveranstaltung der Hausärzte in Dillingen gemacht. Jede dritte Praxis, so sagt der Hausärzteverband, sei geschlossen geblieben.

Dausend und seine Kollegen sind stocksauer auf die Bundesregierung, vor allem auf Gesundheitsminister Philipp Rösler, in den sie so viele Hoffnungen gesetzt hatten. Dausend sagt, er arbeite 80 Stunden die Woche, davon gehe rund die Hälfte für Bürokratie drauf. Sein Stundenlohn liege nach allen Abzügen „auf dem Niveau eines Leiharbeiters“. „Wenn wir Dienst nach Vorschrift machen würden, wäre das System schon längst zusammengebrochen.“ Eigentlich wollte Dausend mit 60 aufhören, doch einen Nachfolger für seine Praxis findet er nicht. Die Belastung als Hausarzt, sagt er, „kann man keinem mehr zumuten“.

Nach einer Statistik des Hausärzteverbandes ist die Hälfte der rund 700 Hausärzte im Saarland älter 56 Jahre. Nur zwei Mediziner seien unter 35 Jahren und nur 19 jünger als 40.

„Wer jetzt sagt, wir haben kein Problem im Saarland, verschließt die Augen vor der Realität“, klagt der Vorsitzende des Saarländischen Hausärzteverbandes, Dr. Joachim Meiser. Abhilfe sollten da genannte Hausarztverträge (siehe Infokasten) schaffen, die Hausärzten als „Lotsen“ im Gesundheitssystem deutlich höhere Honorare bringen und den Beruf damit attraktiver machen. Doch diese Honorarzuwächse die schwarz-gelbe Koalition nun einschränken, bevor die verträge vielerorts, auch im Saarland, unterschrieben sind.

Das nehmen die Hausärzte Rösler übel, sie fühlen sich von ihm, dem Mediziner, der ihre Sorgen doch eigentlich kennen müsste, verraten. Für seine Partei, die FDP, hatten viele Hausärzte, auch in den Praxen, vor der Bundestagswahl 2009 geworben. Auch Dausend, „wenn mich Patienten darauf angesprochen haben“. Bei den nächsten Wahlen, glaubt er, werde die FDP auch wegen ihrer Gesundheitspolitik „in der Versenkung verschwinden“.

Offiziell hat der Hausärzteverband an diesem Mittwoch zu einer „Mitgliederversammlung“ nach Dillingen eingeladen. Aber eine Tagesordnung gibt es nicht, stattdessen machen die gut 100 anwesenden Ärzte und Arztelferinnen an drei langen Tischreihen in der Stadthalle ihrem Ärger über Rösler Luft.

Es ist eine Art Streik, auch wenn niemand der Ärzte-Funktionäre dieses Wort gerne in den Mund nimmt. Von einer „Protestaktion mit Vernunft, die keinem Patienten irgendwelche Nachteile bringt“, spricht Meiser lieber. Einigen Hausärzten ist das viel zu brav. Als ein Mediziner ans Mikrofon tritt und vorschlägt, die Praxen im Land „ein paar Wochen dicht zu machen“, applaudiert gut die Hälfte des Saales. „Die Leute müssen das spüren!“, ruft er hinterher. Er sei zwar „absolut dafür, die Waffen zu schärfen“, entgegnet Hausärzte-Chef Meiser, aber mit solch radikalen Aktionen stehe man als Arzt doch schon „mit einem Bein im Gefängnis“.

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