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Weißer Ring Saarbrücken hilft Gewaltopfern

Saarbrücken. Die 88-jährige Ursula T. (Name geändert) ist rüstig und kann sich selbst versorgen. Trotzdem ist sie ins Altenheim gezogen. Denn seitdem sie zwei Jugendliche überfallen haben, hat die Rentnerin Angst, allein zu leben. „Es geht nicht um die 40 Euro in ihrer Handtasche. Das Schlimme daran ist, dass sich ihr Leben verändert hat“, sagt Gerhard Kallenborn, der seit 13 Jahren als ehrenamtlicher Helfer beim Weißen Ring arbeitet. Der Weiße Ring ist eine bundesweit tätige gemeinnützige Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien.

Etwa 300 Opfer von Gewaltdelikten betreuen die Helfer der Organisation im Saarland jährlich. Momentan gibt es etwa 60 ehrenamtliche Helfer und an die 1000 Mitglieder.

Auch finanzielle Soforthilfe

Ihre Hilfsangebote sind vielfältig: Sie vermitteln eine kostenlose Erstberatung beim Anwalt oder therapeutische Hilfen und begleiten die Opfer zu Gerichtsverhandlungen. Der Weiße Ring leistet aber auch finanzielle Soforthilfe. Zum Beispiel, indem er den Opfern häuslicher Gewalt Zuschüsse für eine eigene Wohnung gibt. Oder indem er die beim Überfall zerschlagene Brille ersetzt, falls die Versicherung nicht zahlt.

Zu den Helfern des Weißen Rings kommen viele Opfer von Gewaltdelikten: vergewaltigte Frauen, Menschen, die ausgeraubt, verfolgt, zusammengeschlagen wurden. Diese Arbeit ist für die Betreuer schwierig und kann belastend sein. Auch wenn die Helfer miteinander sprechen. Und natürlich bereiten sie sich mit Seminaren auf die Arbeit vor und bilden sich weiter. „Man wird nur mit Elend konfrontiert“, sagt der 58-jährige Kallenborn. Und fügt hinzu, dass sich Opfer in ihrer Verzweiflung oft an den Betreuer klammern.

Opfer von Straftaten in Deutschland ohne Lobby

Kallenborn arbeitet hauptberuflich als Kriminalbeamter und findet, dass die Straftaten das Leben der Opfer viel umwälzender verändern, als das der Täter: „Der Täter wird bestraft, aber das Opfer bekommt lebenslang.“ Opfer von Straftaten hätten in Deutschland keine Lobby, findet er: „Jeder kümmert sich nur um den Täter. Wir kämpfen darum, dass das Opfer anerkannt wird“, sagt Kallenborn. Den Weißen Ring gibt es seit 1976. Dass auch Opfer schwerer Straftaten einen Anwalt gestellt bekommen und Zeugen vor der Gerichtsverhandlung nicht mehr mit dem Täter zusammen im selben Raum warten müssen, zählt der Verein zu seinen Erfolgen.

Aussprechen ohne Vorwürfe

Ursula T. ist dankbar für die Unterstützung des Vereins: „Es hilft viel, wenn man sich aussprechen kann.“ Kallenborn vermisst dieses Verständnis im Umfeld der Opfer. Dort fielen Sätze wie: „Du hättest abends nicht joggen gehen sollen.“ Oder: „Du hättest woanders parken sollen.“ Vielen helfe deswegen schon ein gutes Gespräch: „Die Opfer sagen uns oft, dass sie sich bei uns zum ersten Mal richtig aussprechen konnten – und zwar ohne Vorwürfe zu hören“, sagt Kallenborn. Er betreut pro Jahr etwa drei Opfer. Meist weist die Polizei Verbrechensopfer auf den Weißen Ring hin. Kallenborn betont aber, dass der Verein auch Menschen helfe, die keine Anzeige erstattet haben.

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