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Wenig Hoffnung für Enrotherm-Belegschaft

Die Enrotherm-Geschäftsführer Rüdiger Thies (Mitte) und Werner Ewen (r.) entschuldigten sich gestern bei den Mitarbeitern. Links: Thies' Anwalt Peter Haas.

Die Enrotherm-Geschäftsführer Rüdiger Thies (Mitte) und Werner Ewen (r.) entschuldigten sich gestern bei den Mitarbeitern. Links: Thies' Anwalt Peter Haas.

St. Ingbert/Saarbrücken. Der St. Ingberter Spezialglas-Hersteller Enrotherm wird in der Insolvenz weitergeführt. Einen entsprechenden Beschluss fasste gestern das Amtsgericht Saarbrücken. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Saarbrücker Rechtsanwalt Günter Staab bestellt. Damit wird der bisher ungeordnete Enrotherm-Zusammenbruch „in geregelte Bahnen gelenkt“, wie Staab gestern auf einer Betriebsversammlung sagte.

Das Drama begann am Aschermittwoch, 13. Februar, als die rund 40 Mitarbeiter nach den Fastnachtsferien ihre betriebsbedingte Kündigung erhielten. Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Rüdiger Thies und Werner Ewen hatten das Unternehmen an eine „Diskothek HöllStein GmbH“ verkauft, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Die Beschäftigten standen vor verschlossenen Türen, ihr Januar-Gehalt war noch nicht ausgezahlt worden (wir berichteten).
Staab machte den Mitarbeitern allerdings wenig Hoffnung, dass der Betrieb weitergeführt werden kann. Die Fertigung sei bereits eingestellt. Außerdem müsse jemand da sein, der die Firma übernehmen und ernsthaft weiterführen will. Und es müsse Geld vorhanden sein. All das sei nicht der Fall. Darüber hinaus seien in der vergangenen Woche die Buchführungs-Unterlagen in Containern abtransportiert worden, was die Fortführung der Firma ebenfalls erschwere. Ein Trost: Die Mitarbeiter haben für Januar, Februar und März Anspruch auf drei Monate Insolvenzausfallgeld, das ihnen von der Arbeitsagentur bezahlt wird.

Die beiden ehemaligen Geschäftsführer Thies und Ewen entschuldigten sich gestern bei Belegschaft dafür, „dass ihr soviel Ärger wegen uns habt“. Sie seien in ihrer Not „jemandem auf den Leim gegangen, der uns viel versprochen hat“ – unter anderem, dass man die Firma wieder sanieren könne. Auch sie seien finanziell am Ende, da sie die Enrotherm-Verluste seit Jahren aus ihrem Privatvermögen beglichen hätten. In den vergangenen Jahren wurde in der Enrotherm-Bilanz stets ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ ausgewiesen. Wie aus dem elektronischen Bundesanzeiger hervorgeht, lag diese Summe allein für das Jahr 2011 bei mehr als 177?000 Euro – bei null Euro gezeichnetem Eigenkapital.

Mit einer Entschuldigung ist es für die beiden Geschäftsführer nicht getan. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen beide wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Bankrotts. Peter Haas, Anwalt von Ex-Geschäftsführer Theis, geht davon aus, dass der Enrotherm-Verkauf an die „Diskothek HöllStein GmbH“ nichtig ist.

Tricks der Firmenbestatter

Offenbar ist die Enrotherm-Geschäftsführung auf einen „Firmenbestatter“ reingefallen. Diese bieten insolvenzbedrohten Unternehmen an, alle Verbindlichkeiten zu übernehmen, so dass die Alteigentümer in ein schuldenfreies Leben starten können. Zusätzlich wird ein neuer Geschäftsführer bestellt, der den Firmensitz verlegt und die Gesellschaft geräuschlos liquidiert. Als Vermittlerhonorar fließen häufig fünfstellige Beträge. Außerdem versuchen die neuen Inhaber, noch offene Forderungen einzutreiben, wie das bei Enrotherm vermutlich geschah. Wem die Firma allerdings noch Geld schuldet, der schaut in die Röhre. Die Schäden aus diesen Machenschaften gehen in die Millionen. Juristen halten solche Verträge für „schlicht sittenwidrig“. Daher bleiben die Alteigentümer in der Haftung, so die jüngere Rechtsprechung. Die GmbH-Entsorgung sei unwirksam.




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