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Wenige Schulabbrecher im Saarland

Bis Ende Juli haben es auch die letzten der bundesweit elf Millionen Schüler in Deutschland geschafft: Ferien! Dann beginnen für die meisten von ihnen die schönsten sechs Wochen des Jahres. Im Saarland ist es schon heute soweit. Allerdings dürfte einigen beim Gedanken an die dritte Schulstunde der kalte Schweiß ausbrechen. Dann gibt es die Zeugnisse. Und dann steht für sie schwarz auf weiß fest, dass sie nicht versetzt werden. Oder noch schlimmer: die Schule ohne Abschluss verlassen müssen.

Den Bildungspolitikern Deutschlands düfte das Sitzenbleiben noch weniger Kopfzerbechen bereiten. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamts fiel allein im Saarland die Wiederholer-Quote seit 2003 von 3,3 auf 1,9 Prozent im Jahr 2013. Bundesweit war der Rückgang von 2,5 auf 2,3 Prozent etwas geringer. Dramatischer fällt die Bilanz bei den Schulabbrechern aus. Und zwar deutschlandweit. 5,7 Prozent blieben 2013 ohne Abschluss – und damit viel mehr, als die Politik vor sieben Jahren beim Dresdner Spitzentreffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten angenommen hatte. Die Quote sollte bis heute von acht auf vier Prozent halbiert werden. Warum ist das nicht gelungen? „Wir müssen da sehr viel Geduld haben“, erklärt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Brunhild Kurth. Die sächsische CDU-Politikerin findet, dass der Fehler prinzipiell im System liegt. Förder- oder Sonderschulen seien in den neuen Ländern noch weit verbreitet. Deren Zahl will sie senken, „und diese Schüler dort integrieren, wo es Sinn macht“, also in Regelschulen. Wie im Westen sollen Schüler mit Handicaps und „sonderpädagogischem Förderbedarf“ künftig verstärkt in Regelklassen untergebracht werden.

Im Großen und Ganzen, meint Kurth, habe sich aber bundesweit inzwischen ein Schlüsselprinzip durchgesetzt: individuelle Förderung. Seit 2008 hätten alle 16 Länder dabei sinnvolle Programme entwickelt, um gegen Sitzenbleiben und insbesondere Schulabbrechen effektiver vorzugehen. Angesichts des deutschen Bildungsförderalismus fallen die Maßnahmen und deren Bilanzen ganz unterschiedlich aus.

„Im Ländervergleich stehen wir auf einem guten sechsten Platz“, freut sich zumindest Bildungsminister Ulrich Commerçon ( SPD ) über eine seit 2008 stetig gefallene Schulabbrecher-Quote – von 6,7 auf 5,2 Prozent. Das zeige, dass die Maßnahmen des Landes greifen. So würden an weiterführenden allgemeinbildenen Schulen Jugendliche, die wahrscheinlich keinen Abschluss schaffen, gezielt beim Einstieg ins Berufsleben begleitet. Bei einem Berufsorientierungsprogramm könnten Schüler der 8. Klasse zusätzlich bei Werkstatt-Tagen zwei Wochen lang in ihre Wunschberufe reinschnuppern. An Gemeinschaftsschulen sei unter anderem das Fach „Lernen lernen“ und Lernpatenschaften eingeführt worden. Ausländische Jugendliche würden zudem im Fach Deutsch gefördert. Der Maßnahmen-Katalog im Hause Commerçon, um „schulmüde Schüler “ zu motivieren, ist lang. Die Quote von 5,2 Prozent – oder eben 5,7 Prozent in Deutschland – zeigt jedoch auch: Es ist noch viel zu tun. Der renommierte Essener Bildungsforscher Klaus Klemm spricht sich deshalb gegen das Sonderschulsystem aus. Er plädiert dafür, „dass Kinder und Jugendliche nicht länger in Förderschulen separiert, sondern gemeinsam mit allen Schülern in den allgemeinen Schulen unterrichtet werden, also inklusiv“. Seine Begründung: „Wenn ich Kinder in Lernmilieus schicke, in denen es kaum leistungsstärkere Schüler gibt, dann fördere ich sie schlechter. Deswegen ist es gut, dass viele Länder auf dem Weg zum inklusiven Unterricht Fortschritte machen, dass sich etwas bewegt, auch weil Eltern darauf drängen.“ Auch Commerçon glaubt, dass künftig „mehr Kinder mit Förderbedarf einen höheren Schulabschluss“ schaffen werden.

Klemm warnt zugleich davor, von Inklusion zu viele Wunderdinge zu erwarten. „Eines muss man klar sagen: Schüler , die keinen Schulabschluss erreichen, wird es immer geben, egal, wie gut die pädagogische Arbeit ist.“

Auf diesem Weg hat die 2008 von Merkel ausgerufene „Bildungsrepublik Deutschland“ erst die halbe Strecke hinter sich. Sicher sei aber, Deutschland müsse den Weg gehen, findet Klemm: „Auch angesichts der demografischen Entwicklung kann es sich Deutschland nicht leisten, viele Jugendliche ohne Schul- und Berufsbildung zu lassen. Wir brauchen alle, um die Arbeitsplätze von morgen gut zu besetzen.“
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