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Wenn die Opfer im Regen stehen

Opfer von Straftaten müssen gegen die Mühlen der Bürokratie kämpfen. Der „Weisse Ring“ kritisiert, dass im Saarland viel seltener Opfer vom Staat entschädigt werden als im Bundesdurchschnitt.

Saarbrücken. „Das ist ungehöriges Verhalten. Gewaltopfer sind keine Bittsteller. Sie haben Rechte.“ Mit dieser scharfen Kritik zielt Gerhard Kallenborn, Sprecher der Opferhilfeorganisation „Weisser Ring“ im Saarland, auf das Landesversorgungsamt. Diese Behörde ist zuständig für Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG). Demnach haben Kriminalitätsopfer etwa Ansprüche auf Übernahme von Heilbehandlungen oder gar auf Renten.

Der „Weisse Ring“ hat diesen Sonntag bundesweit zum „Tag des Kriminalitätsopfers“ ausgerufen. In diesem Zusammenhang prangert Kallenborn, stellvertretender Landesvorsitzender, die „äußerst restriktive und kleinliche Abwicklung“ von Entschädigungsanträgen im Land an: Im Jahr 2006 wurden von 388 Anträgen gerade 27 Prozent anerkannt. Bundesweit waren es immerhin 37 Prozent. 2007 wurden von 354 Anträgen nur 25 Prozent akzeptiert (Bund: 36 Prozent). 2008 wurden nach Angaben des Sozialministeriums von 355 Anträgen nur 56 genehmigt, was 15,8 Prozent entspricht. Kallenborn: „Das Saarland liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt. Hier muss sich etwas ändern.

Es drängt sich der Eindruck auf, der Staat lässt die Opfer im Regen stehen.“ Für die Betroffenen sei es zudem eine Zumutung, wenn nach dem Strafprozess der komplette Fall wieder von der Behörde aufgerollt werde. Deshalb fordere der „Weisse Ring“, dass sämtliche Feststellungen des Gerichtes und der Gutachter bei dem OEG-Verfahren übernommen werden sollen. Auf die Opferentschädigung und den formlosen Antrag sollte, so eine weitere Forderung, schon bei der Strafanzeige durch die Polizei hingewiesen werden. Denn: 90 Prozent der Opfer von Gewalttaten stellen bisher gar keinen Antrag. Insgesamt 180 Opfer von Straftaten hat der „Weisse Ring“ an der Saar, der 950 Mitglieder zählt, im Jahr 2008 unterstützt.

Derzeit werden beispielsweise Hinterbliebene des Rodener Familiendramas betreut. Auch die junge Frau, deren ungeborenes Kind 2008 von ihrem Ex-Freund mit Fußtritten im Mutterleib getötet wurde, stand in der Obhut des „Weissen Ringes“. Die Hilfe reicht von menschlichem Beistand über Begleitung bei Behördengängen und Gerichtsterminen bis hin zur finanziellen Unterstützung in Notlagen sowie der Rechtsberatung. Kontakt: Weisser Ring, Landesbüro Saarland, Halbergstraße 44, 66121 Saarbrücken, Telefon: (0681) 67319
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