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Wenn die Steuererklärung nur noch zu einer Frage von Minuten wird

Lernen mit Tablet und Internet soll für saarländische Schüler mit Hilfe der Digitalisierung schon bald ganz selbstverständlich sein. Foto: dpa</p>

Lernen mit Tablet und Internet soll für saarländische Schüler mit Hilfe der Digitalisierung schon bald ganz selbstverständlich sein. Foto: dpa

Offenbar soll hier wirklich jeder Saarländer für die aktive Mitwirkung an der Idee mobilisiert werden. Sogar zwei Gebärdendolmetscher übersetzten gestern live ins Internet die erste öffentliche Diskussion in der Staatskanzlei zur Frage „Wie wird das Saarland zum Digitalisierungsgewinner?“

Erst kürzlich hat Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ) hierzu ein Expertengremium ins Leben gerufen, den Digitalisierungsrat. Ihm gehören unter anderen Fachleute von Google , T-Systems , RWE und ZF an. Sie sollen Vorschläge machen, wie man die neuen Möglichkeiten der Informationstechnologie (IT) möglichst gewinnbringend für die Bürger im Saarland einsetzen kann. Gestern ging es nun erstmals ans Eingemachte. Was soll dabei herauskommen? Hier mag alleine schon erstaunen, was Kramp-Karrenbauer als Ziel formulierte: Das Saarland wolle in der Digitalisierung in möglichst vielen Lebensbereichen zum schnellen Beiboot des Tankers Deutschland werden. Was das heißt und welch immens große Herausforderung das wird, lässt sich an Beispielen erahnen, die der deutsche Botschafter in Estland, Christoph Eichhorn, von dort berichtete.

Estland mit seinen rund 1,3 Millionen Einwohnern, also in etwa dem Saarland vergleichbar, arbeitet schon rund 16 Jahre konsequent an der Umsetzung einer solchen Digitalisierungsstrategie. Demnach betreiben heute völlig selbstverständlich schon 99 Prozent der Esten Online-Banking: von der Oma bis zum Enkel. Für die Online-Steuererklärung benötigt der Este im Schnitt drei Minuten. Die Bearbeitung dauere rund zehn Tage, nach weiteren zehn Tagen sei die Rückerstattung auf dem Konto. Den Kauf eines Mopeds könne man vom Wohnzimmer aus inklusive Lieferung und Zulassung in fünf Minuten erledigen. Praktische Anwendungen reichten bis ins letzte Dorf hinein und auch in die Schulsäle. So sei es für Gymnasiasten völlig normal, im Unterricht schon mit 3-D-Druckern zu arbeiten. Eichhorn mahnte Deutschland und das Saarland zur Eile. „Sonst hängen uns andere ab.“ Doch es lohne sich, konsequent auf Digitalisierung zu setzen, denn „man kann sich viel nerviges Zeug und viele unnötige Gänge ersparen“.

Die Ministerpräsidentin sieht für den Anfang der konsequenten Digitalisierung an der Saar zwei ideale Bereiche: eine bürgernähere Verwaltung und die Schule, um Kindern schon frühzeitig einen verantwortungsvollen Umgang mit Informationstechnologien (IT) zu vermitteln.

Sabine Frank, Leiterin für Regulierung und Verbraucherschutz bei Google Deutschland, sieht hier noch viele Hausaufgaben zu erledigen. Sie regte an, schon an saarländischen Grundschulen verpflichtend den Umgang mit IT einzuführen. Dafür brauche man aber auch mehr gut ausgebildete Lehrer, die Ahnung von diesen Technologien haben, und mehr Freiräume in Lehrplänen für praktische Themen. Nach Ansicht von Frank muss man auch die Frage stellen, ob ein Handy-Verbot an Schulen wirklich Sinn macht, da man doch gerade über dieses Medium alle Schüler erreichen kann, auch für praktische Übungen und Vorführungen im Unterricht. „Gerade an der Schule werden doch die ersten digitalen Erfahrungen gesammelt.“

Die Beschäftigung mit Inhalten aller Art und ihren Möglichkeiten müsse künftig das A und O sein, weniger die Frage, über welche Geräte sie kommen, mahnte der Unternehmer und IT-Experte August Wilhelm Scheer . Die wichtigste Voraussetzung zur Digitalisierung an der Saar aus seiner Sicht: „Bildung, Bildung und noch mal Bildung“. Sehr gut ausgebildete Menschen und solche, die einfache Tätigkeiten ausüben, sieht Scheer nicht als Verlierer der Digitalisierung . Diese versetze mit etwas Einarbeitung auch Menschen, die einfache Tätigkeiten gewohnt sind, in die Lage, kompliziertere Maschinen zu bedienen. Auch Bernd Stockmann, ZF Divisionsleiter für Antriebstechnik in 22 Werken, sieht die Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil, wenn es gelingt, das Beste für die Produktions- und Arbeitsbedingungen herauszuholen, sagte er. Bei aller Euphorie blieb eine Frage gestern ungeklärt: Wie lange dauert es noch, bis der Breitbandausbau landesweit zufrieden stellend abgeschlossen ist? Denn was nutzt eine Digitalisierung im Schneckentempo?

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