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„Wer sagt, er hat nie Angst, der lügt.“

Saarlouis. Die Namen von Andreas Steinhaus (42) und Thomas Blank (45) werden sie im Bundestag und im Kanzleramt vermutlich nicht kennen. Dabei hängt von den beiden Familienvätern eine Menge ab. Die Politik wird langsam ungeduldig und will Fortschritte in Afghanistan sehen – und die beiden studierten Maschinenbauer sind die Männer, dies es richten sollen. Steinhaus ist Kommandeur der Fallschirmjäger in Zweibrücken, Blank in Lebach. In der nordafghanischen Provinz Kundus, aus der so viele schlechte Nachrichten kommen, sollen die beiden Oberstleutnante mit ihren Männern (und gut zwei Dutzend Frauen) 2011 die Wende zum Besseren einleiten.

Größter Auslandseinsatz in  52-jähriger Geschichte

Die Saarlandbrigade rüstet sich derzeit für den größten Auslandseinsatz in ihrer 52-jährigen Geschichte. Vermutlich wird es auch der gefährlichste, und das will bei dem Elite-Verband, der bislang bei fast allen Operationen der Bundeswehr – ob in Somalia, auf dem Balkan oder im Kongo – dabei war, etwas heißen. 640 Mann aus den Kasernen in Saarlouis, Lebach, Merzig und Zweibrücken werden im ersten Halbjahr am Hindukusch stationiert, darunter 540 in Kundus, der Rest im etwas ruhigeren Masar-i-Sharif.

Brigadegeneral Eberhard Zorn (50), der Kommandeur der Saarlandbrigade, spricht von einem „gefährlichen und riskanten Einsatz“. Sieben Soldaten seines Verbandes sind in Afghanistan seit 2008 gefallen, 40 verwundet worden. Die Sicherheitslage hat sich zuletzt weiter zugespitzt. Sprengfallen und Angriffe aus dem Hinterhalt sind an der Tagesordnung. „Es vergeht kein Tag, an dem unsere Truppe im Raum Kundus nicht in ein Gefecht verwickelt wird“, sagt Zorn.

Tod ist kein Tabu-Thema

Der Lebacher Kommandeur Blank wählt drastischere Worte: Als er vor 15 Jahren Kompaniechef in Lebach gewesen sei, sagt er, „haben wir Krieg gespielt. Heute machen wir ihn.“ Ob seine Soldaten die Mission wirklich als „Krieg“ empfinden? „Gegenfrage“, holt Blank aus: „Als was würden Sie das sonst bezeichnen: Unsere Leute werden beschossen, und sie schießen zurück.“

Etwa zehn Prozent der Fallschirmjäger werden als Militärausbilder eingesetzt, der Rest wird überwiegend zwei Gefechtsverbänden angehören, die mit der afghanischen Armee „kritische“ Distrikte für den zivilen Aufbau „freikämpfen“ sollen. Das bedeutet auch, dass die Bundeswehr den Aufständischen deutlich mehr Angriffsfläche bieten wird. Ein Oberst aus dem Hauptquartier der Isaf-Schutztruppe in Kabul verglich das Vorgehen gegen die Taliban in einer Sonntagszeitung jüngst mit einem „Stich ins Wespennest“.


Skrupellosen und unsichtbaren Gegner

In ihrem Einsatzgebiet haben es die Truppen mit einem skrupellosen und unsichtbaren Gegner zu tun. Im Schutz der Dunkelheit vergraben Taliban Sprengsätze an wichtigen Straßen. Zur undankbaren Aufgabe der Fallschirmjäger aus dem Saarland und aus Zweibrücken wird es deshalb auch gehören, jede einzelne Straße zunächst auf Minen zu überprüfen, bevor sie befahren wird. Und mitten in dem von Taliban beherrschten Distrikt Chahar Darreh werden sie eine Polizeistation und zwei Höhen verteidigen müssen.

Tod und Verwundung würden nicht tabuisiert, sagt General Zorn. Nach sieben Gefallenen aus der eigenen Kaserne will auch der Zweibrücker Kommandeur Steinhaus seinen Leuten nicht versprechen, dass alle wieder zurückkehren. Er sagt, Fallschirmjäger seien für gefährliche Einsätze ausgebildet. Aber: „Wer sagt, er hat nie Angst, der lügt.“

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