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Wer übernimmt ab 2016 das Busliniennetz im St. Wendeler Land?

Den Lohndumping-Hai, der Gehälter auffrisst, brachte die Gewerkschaft Verdi ins St. Wendeler Busdepot.

Den Lohndumping-Hai, der Gehälter auffrisst, brachte die Gewerkschaft Verdi ins St. Wendeler Busdepot.

Weniger das Einsparpotenzial für die Staatskasse als soziale Standards standen am Montag im Vordergrund der Kreistagssitzung. Thema: Wer übernimmt ab 2016 das Busliniennetz im St. Wendeler Land?

Hier liegt ein für Landratsamt sowie Kommunen lukratives Angebot seitens der Weiskircher Firma Behles auf dem Tisch, die auf die bisher jährlichen Subventionen von 1,2 Millionen Euro pro Jahr verzichten will, indem sie das Netz umkrempelt. Während viele Politiker zuerst auf die Sparsumme schielten, rückte jetzt die soziale Komponente ins Zentrum: Wie wird ein möglicher Anbieterwechsel von der Bahn-Tochter Saar-Pfalz-Bus-Gesellschaft zu Behles für Fahrer ausgehen? Verlieren sie ihren Job? Welcher Tarif gilt? Deshalb waren über 100 Betroffene zur Sitzung erschienen und füllten den ansonsten sich nicht durch Zuschauermassen auszeichnenden Saal rings um die Kreisräte.

Irgendwie war es ein Tag für die SPD-Opposition. Ihren Fraktionsvorsitzenden Magnus Jung unterbrachen die Zuhörer gleich sechsmal während seiner Rede mit heftigem Beifall, wobei Applaus während der Sitzung eines politischen Gremiums von Zuschauerrängen aus prinzipiell unüblich ist. Dabei sagte Jung inhaltlich nichts anderes als Landrat Udo Recktenwald (CDU), der zuvor schon eine „verbindliche Zusage“ über Sozialstandards (Tariftreue) zur Bedingung für die Zustimmung des Kreistages zum Behles- Angebot gemacht hatte.

Ähnliches gelte für Subunternehmer und Übernahme von einstigen Saar-Pfalz-Bus-Fahrern. CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Spaniol mahnte die „Verantwortung für die sozialen Fragen“ an. Die Busfahrer im Saal lauschten. Aufmerksam. Während Jung vor einer „Rolle rückwärts“ warnte, von Behles sprach, der „nicht als besonders guter Arbeitgeber angesehen“ sei, und forderte, „Wir bestimmen die Bedingungen“, brandete mehrfach lautstark Zustimmung auf. Mike Martin (parteilos) sprach von einem „vergifteten Angebot“. Abermals Publikumsgeklatsche für markige Worte.

Hermann Zarth, Chef des gleichnamigen Waderner Busunternehmens, welches im Auftrag von Saar-Pfalz-Bus fährt, warnte vor alten Bussen, mit denen Mitbewerber Behles unterwegs sei. Doch da war unlängst klar: Dem Kreistag stellten sich zu viele Fragen, um eine Empfehlung Pro oder Kontra Behles abzugeben. Das soll in einem Monat nachgeholt werden. Die Landesregierung hatte im Vorfeld die Frist verlängert, bis zu deren Ende sich Gemeinden und Kreistag zu dem Angebot erklären müssen, bevor auf Landesebene entschieden wird.

Weiter Kontroverse zum geplanten Busplan im St. Wendeler Land

St.Wendel. Gegen ein reduziertes Angebot beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat sich die Linke im Landkreis St. Wendel ausgesprochen.

„Arztbesuche und Einkäufe, Botengänge und persönliche Aktivitäten dürfen nicht durch ein mangelndes Angebot beim ÖPNV beeinträchtigt werden,“ teilte Parteichefin Heike Kugler mit. Insbesondere in ländlichen Regionen sei eingeschränkter Personennahverkehr unverantwortlich. „Denn schon heute ziehen Familien mit Kindern häufig in Städte.“ Linken-Spitzenkandidat für den Kreistag, Christof Falkenhorst, sieht nicht ein, dass ein Privatunternehmer rentable Strecken abgreift, „während zu weniger nachgefragten Zeiten die Verbindungen eingespart werden“.

Auf die Nachtbusse am Wochenende zielt die Junge Union (JU) ab. Deren Kreischef Dennis Meisberger sieht diese ungefährdet, weil sie nicht im Ausschreibungspaket für das Liniennetz enthalten seien.

Vielmehr gebe es Chancen für einen Ausbau. An Mindeststandards bei Schulbussicherheit appelliert Marc André Müller, Chef der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) in der Kreis- SPD. Heute bereits seien Busse oft überfüllt. Hier müsse der Landkreis Druck ausüben. hgn

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