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Werden Saarlands Bergbau-Denkmäler zum Streitfall?

Symbolfoto

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Als der saarländische Wirtschaftsminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag das Bergbaudenkmäler-Gutachten vorstellte, sprach er zwar von einem „Debattenprozess“, der in Gang kommen soll. Andererseits vermittelte er den Eindruck eines Fait accompli. Schließlich hatte das Kabinett bereits darüber befunden, nur vier RAG-Gruben – die Premium-Orte des Gutachtens – mit Landesmitteln zu fördern: Itzenplitz, Velsen, Luisenthal und Camphausen. Nun warnt der oberste Denkmalschutzbeauftragte im Land, Josef Baulig, davor, das Höhmann-Gutachten, das RAG und Wirtschaftsministerium beauftragt hatten, überzubewerten und es als Dogma zu betrachten: „Ich bin überzeugt, dass sich die Landesregierung nicht sklavisch daran halten wird. Zunächst ist dies nur eine Absichtserklärung“, sagte er der Saarbrücker Zeitung.

Baulig hatte 2006 selbst 38 RAG-Denkmäler aus rein denkmalpflegerischer Sicht qualifiziert und 15 davon als bedeutend erachtet. Er weist darauf hin, dass die neuen Gutachter bei der Bewertung von 14 RAG-Standorten gehalten waren, die Ökonomie mitzudenken, unter dem Hauptaugenmerk: Wo lohnen sich Investitionen? Aber: „Die zehn nicht-prioritären Standorte können wir in ihrer Not nicht einfach dem Markt überlassen.“ Baulig nennt als besondere Sorgenkinder Heinitz und den Delbrückschacht (Saarbrücken) und moniert, dass beispielsweise die Siedlungen in Maybach oder in von der Heydt gar nicht untersucht wurden. Baulig hebt hervor, ein Land habe nicht nur ökonomische, sondern auch andere, kulturelle Werte und Interessen zu vertreten.  Ist das eine Kampfaufforderung an den eigenen Dienstherren, Kulturminister Ulrich Commercon (SPD)? Bekanntlich wurde das Landesdenkmalamt mit Regierungsantritt der Großen Koalition vom Umweltministerium ins Kulturministerium zurückverlegt, der oberste Denkmalschützer im Land heißt also Commercon. Ressort-Egoismus gehört zum Minister-Geschäft – Konflikte mit dem „Ökonomen“ Maas und dessen Haus sind nicht nur vorstellbar, sondern wahrscheinlich. Das könnte bei Heinitz passieren – für Baulig eines der herausragenden Monumente; das Gutachten sortiert die Gasmaschinenzentrale anders ein. Sie soll keine Landes-Hilfe bekommen. Das Gutachten nennt Sanierungskosten von 11,5 Millionen Euro für Heinitz, dem gegenüber stehen 2,2 Millionen Euro, die für eine erste Grundsicherung an den vier Premiumstandorten genügen sollen.

Letzteres hält der Vorsitzende des Landesdenkmalrates Henning Freese für unrealistisch. „Wäre dies die Finanzausstattung, dann wäre sie mehr als dünn, ja illusorisch.“ Das Gutachten wird dem Landesdenkmalrat erst am 16. September vorgestellt, Freese will sich davor nur vorläufig äußern. Seine Einschätzung: „Es handelt sich hier eindeutig nicht um ein Denkmal-, sondern um ein Standort-Gutachten.“ Freese hält die Herangehensweise für problematisch. Sie führe dazu, die eher starken Standorte zu stützen: „Öffentliche Mittel sollten aber dort investiert werden, wo es Denkmäler aus eigener Kraft nicht schaffen.“ Freese schlussfolgert: „Wir Denkmalschützer müssen uns nun vordringlich um die zehn Denkmäler kümmern, die es nicht in die Fördergruppe geschafft haben.“ Enttäuscht äußert er sich zu Heinitz. Es sei nicht nachvollziehbar, dass sich das Land verabschiede. „Heinitz steht für Manufaktur-Arbeit, die man sich heute überhaupt nicht mehr leisten kann. Solche Qualitäten sollten wir nicht aufgeben, sondern unseren Enkeln zeigen können. Wenn wir Heinitz abreißen, kommt da eine Blechhalle hin.“

Zum „Problemfall“ Heinitz will sich der bekannteste Industriekultur-Kenner und -Autor des Landes, Delf Slotta, nicht äußern. Slotta – Referatsleiter Lenkungskreis Bergbauflächen im Wirtschaftsministerium und deshalb nicht frei in seinen Äußerungen – betont gegenüber der SZ, das Gutachten sei nun mal kein reines Denkmal-Gutachten, „weil es Denkmalwert und Folgenutzung miteinander verzahnt“. Doch auch „als Denkmalschützer kann ich mit den Ergebnissen leben“, so Slotta, „wir müssen vom Gießkannensystem weg.“
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