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Werden die Noten bis zur 6. Klasse abgeschafft?

Saarbrücken. In einem guten Monat werden die Schüler im Saarland wieder Halbjahreszeugnisse bekommen. Für viele wird es ein Moment der Selbstbestätigung sein, für andere der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind. Ginge es nach der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), würden Ziffernnoten mindestens bis zur Klassenstufe 6 abgeschafft.

Sind Noten demotivierend?
Das geschäftsführende GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann rät, Leistungsbeurteilungen stattdessen „kompetenzorientiert“ vorzunehmen, sodass sie „den individuellen Lernfortschritt der Schüler widerspiegeln“. Sie begründet dies damit, dass Ziffernnoten „für Kinder mit Lernproblemen und sozialen Benachteiligungen eine immer wiederkehrende Quelle von Kränkung und Demotivation“ seien.

Ziffernnoten könnten zudem schon deshalb „nicht objektiv“ sein, weil sie davon abhängig seien, wie gut der Unterricht war. Wenn sie nämlich im Durchschnitt sehr gut ausfielen, gerieten Lehrer unter Verdacht, zu schönfärberische Noten zu vergeben, so Hoffmann.

Außerdem basierten Ziffernnoten auf der Idee der „Konkurrenz“. Sie gründeten gerade nicht auf „kooperativem Lernen“, bei dem gute Schüler schwächeren den Stoff erklären, damit diese leistungsmäßig zu den guten aufschließen. Montessori- und Waldorf-Schulen vergäben keine Ziffernnoten in den ersten Schuljahren. Auch in den skandinavischen Ländern setzten Ziffernnoten sehr spät ein, in Finnland erst ab dem achten Schuljahr.

Das sieht Bildungsminister Klaus Kessler ganz anders.  Grundsätzlich, so Kessler, könnten Noten den Schülern „helfen, Stärken und Schwächen wahrzunehmen“ und hätten eine „Rückmeldefunktion für die Eltern“. Schlechte Noten könnten demotivieren. Lehrer sollten daher bei der Notenvergabe „pädagogisch verantwortungsvoll“ vorgehen. So sollten sie bei der Versetzungsentscheidung stets auch die Gesamtpersönlichkeit der Schüler würdigen und Leistungen „nicht rein rechnerisch schematisch ermitteln“.

Bildungsminister: Noten rechtlich "unverzichtbar"
Kessler befürwortet „insbesondere im Grundschulbereich“ die ergänzende Verwendung von Verbalurteilen, also beschreibenden Leistungsbeurteilungen, die auf Noten verzichten. Eine Abschaffung der Ziffernnoten plant er aber nicht. Schließlich seien diese „mit ansteigenden Klassenstufen zunehmend akzeptiert“, sowohl von den Eltern als auch von den „Abnehmern“ der Schule: Hochschulen und Ausbildungsbetrieben. Auch in rechtlicher Hinsicht seien Noten wegen der Anerkennung der Abschlüsse unverzichtbar.

Die Chefin der Gesamtlandeselternvertretung (GLEV), Waltraud Andruet, meint, es sollte mehr Verbalbeurteilungen geben. Sie sagt: „Wir fangen derzeit zu früh an zu selektieren und in gute und schlechte Schüler zu unterteilen.“ Der Sprecher der Landeselterninitiative für Bildung, Bernhard Strube, fordert „differenziertere Instrumente als Zensuren“ Er verweist auf Beispiele von Schulen, die zeigten, wie Kinder ohne Noten und Selektion sehr gute Leistungen erreichen. Etwa die Preisträger des Deutschen Schulpreises oder die über 100 Schulen, die sich zum reformpädagogischen Verbund „Blick über den Zaun“ zusammengeschlossen hätten.

Hintergrund
In der Grundschule gibt es im Saarland im ersten Schuljahr keine Noten, sondern einen Bericht über die Lernfortschritte der Schüler, und die Eltern werden zum Halbjahr und zum Schuljahresende zum Beratungsgespräch geladen. In Klasse 2 werden im Halbjahreszeugnis zusätzlich zum Bericht Noten in den Fächern Deutsch, Sachkunde und Mathematik gegeben. Im Jahreszeugnis der Klassenstufe 2 gibt es ferner einen Bericht in freier Form, zusätzlich aber Zeugnisnoten in allen Fächern. In den Klassenstufen 3 und 4 werden Zensuren in allen Fächern gegeben. nof


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