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Werden junge Saar-Lehrer zu schlecht bezahlt?

Saarbrücken. Die Schuldenbremse hinterlässt jetzt offenbar deutliche Spuren an saarländischen Schulen. Junge Lehrer wandern wegen der bedeutend besseren Verdienstmöglichkeiten vermehrt in andere Bundesländer ab, wie die SZ vom Vorsitzenden der Bundesdirektorenkonferenz Rainer Stein-Bastuck erfuhr. „Wenn sie das addieren, haben wir allein am Neunkircher Krebsberggymnasium und am Homburger Saarpfalz-Gymnasium sechs Leute, die gegangen sind, nach Hessen, Bayern und vor allem nach Rheinland-Pfalz“, sagte Stein-Bastuck, der Leiter des Krebsberggymnasiums und Chef der Vereinigung der Oberstudiendirektoren der Gymnasien im Saarland (VOS) ist. „Eine Kollegin für Mathematik und Sport, der das Bildungsministerium eine auf ein Jahr befristete Stelle an unserem Gymnasium angeboten hatte, sagte mir einen Tag vor den Sommerferien, dass sie in Trier einen Beamtenvertrag unterschrieben hat. Ich habe ihr gratuliert“, erklärte Stein-Bastuck. Aufgrund der im Saarland abgesenkten Eingangsbesoldung für Junglehrer um bis zu 350 Euro summiert sich der Einkommensunterschied binnen zwei Jahren auf 8400 Euro zu anderen Bundesländern. In Bayern kommen noch Urlaubs-, Weihnachtsgeld sowie die nicht gekürzte Beihilfe im Krankheitsfall hinzu, so dass ein Junglehrer in zwei Jahren bis zu 20?000 Euro mehr auf dem Konto hat als sein Kollege im Saarland.



"Lehrerwechsel, Lehrerwechsel, Lehrerwechsel"

„Die Interessen der Schüler nach einer Kontinuität werden nicht gewahrt“, kritisierte Stein-Bastuck. „Jetzt habe ich vier Referendare, die 26 Stunden unterrichten, und drei Aushilfskräfte mit lediglich erstem Staatsexamen ohne praktische Erfahrungen, die 13 Stunden in der Woche allein unterrichten,“ beschrieb Stein-Bastuck die Realität.

Die drei Aushilfskräfte hätten nur befristete Verträge bis 31. Januar 2012. „Die Stellen müssen danach neu besetzt werden. Das bedeutet für die Schüler Lehrerwechsel, Lehrerwechsel, Lehrerwechsel,“ sagte der Neunkircher Oberstudiendirektor. „Ich bewundere die jungen Leute. Sie werden ins kalte Wasser geworfen und helfen uns in der Not“, erklärte er. „Wenn jedoch Bayern oder Baden-Württemberg, wo das Schuljahr erst Mitte September wieder beginnt, denen noch Referendariatsstellen anbieten, sind auch diese Kräfte weg.“ Für die Fächer Evangelische Religion, Französisch und Politik gebe keine Vertretungskräfte im Saarland, so Stein-Bastuck. „De facto gibt es keine Lehrerfeuerwehr mehr im Saarland“, so der VOS-Chef.

„Der eine oder andere Lehrer verschwindet einfach still und heimlich, der eigentlich zu uns kommen sollte“, sagte der Elternsprecher am Krebsberggymnasium Peter Rosar. Er will das Thema bei der Landeselternvertretung debattieren.

Absenkung der Besoldung

„Die Regierung versagt“, sagte der Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums in Saarbrücken Wolfgang Müller-Wind. Er wisse nicht, warum Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) noch abwarten wolle. Dramatisch sei die Lage im Fach Evangelische Religionslehre, wo jetzt eine Referendarin seiner Schule nach Niedersachsen abgewandert sei, da sie dort eine Beamtenstelle erhalten habe. „Im Januar geht der letzte evangelische Religionslehrer bei uns in Pension. Es gibt nur noch einen Referendar für das Fach im Saarland“, so Müller-Wind. Auch sein Kollege Jürgen Helwig vom Saarpfalz-Gymnasium Homburg macht die Absenkung der Besoldung für Junglehrer für den Exodus in andere Bundesländer verantwortlich.

Wenn die Zustandsbeschreibungen der Praktiker stimmen, steht auch die feste Zusage der Jamaika-Regierung an die Linkspartei auf dem Spiel, mit der die Zustimmung zur Verfassungsänderung für die Gemeinschaftsschule erkauft wurde. Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine hatte die Stimmen-Hilfe davon abhängig gemacht, dass Lehrermangel und Unterrichtsausfall abgestellt werden. Die linke Bildungsexpertin Barbara Spaniol kündigte an, im Bildungsausschuss des Saar-Landtags am nächsten Donnerstag Auskunft von der Landesregierung zu verlangen. Das könnte gelingen, denn das Bildungsministerium teilte der SZ mit, Zahlen über abgewanderte Lehrer und die Folgen für die Schulen Anfang nächster Woche liefern zu wollen.

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