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Wie Architekt Stengel Saarbrücken rücksichtslos umbaute



Saarbrücken. Die Landeshauptstadt und der Regionalverband feiern das Jahr 2012 als Stengeljahr. Bisher konnte man sich in diversen Vorträgen und Führungen über die Werke des bedeutenden Baumeisters informieren. Nun präsentiert das Stadtarchiv eine Ausstellung zum Thema Stengel. Gibt es denn noch Neues zu entdecken? Ja, unbedingt! Denn die Ausstellung, die von der Kunsthistorikerin Ruth Bauer fachmännisch konzipiert wurde, beleuchtet nicht die Werke Stengels zur Entstehungszeit, sondern den Umgang mit den Bauwerken durch die Jahrhunderte. Die erste große Überraschung der Ausstellung ist, dass der Baumeister Friedrich Joachim Stengel selbst keinerlei Rücksicht auf das gewachsene, mittelalterliche Stadtbild nahm, sondern es komplett nach barocken und symmetrischen Gesichtspunkten umformte.

Dass er dafür einiges abreißen lassen musste, ist im Vergleich zweier Pläne aus den Jahren 1600 und 1780 zu sehen. Überhaupt ist die Ausstellung sehr abwechslungsreich aufgebaut, neben Karten, Büchern, Zeitungsartikeln und Texten sind es vor allem alte, zum Teil stark vergrösserte Postkarten mit Ansichten aus dem 19. Jahrhundert, die ausgestellt werden. Darauf ist dann zu erkennen, dass im 19. Jahrundert die Bauweise Stengels recht wenig geschätzt wurde, denn selbst der Ludwigsplatz wurde mit Bäumen bepflanzt. Auch Ansichten des St. Johanner Marktes, des Schlosses und der Basilika St. Johann verblüffen, hatten sie doch allesamt im späten 19. Jahrhundert weniger barockes Aussehen als heute.

Der größte Teil der Ausstellung beschäftigt sich jedoch mit der Rekonstruktion des Inneren der Ludwigskirche. Hier kann man anhand von Zeitungsartikeln den Glaubenskampf um die Frage „Kirche oder Museum?“ nachvollziehen. Und man bekommt einen Eindruck, wie die Kirche innen hätte aussehen können. Denn vier Modelle, die die Jahrzehnte auf dem Turm der Ludwigskirche überlebt haben, zeigen die Entwürfe von modernen Innenraumgestaltungen. Heute ist man in Saarbrücken stolz auf die Rekonstruktion des barocken Inneren der Kirche. Zum Abschluss wirft die Ausstellung dann aber eine brisante Frage auf: Wieso ist die Ludwigskirche nicht auch von außen wieder barock hergestellt, mit ihrer ursprünglich farbigen Fassung, wie auf dem gezeigten Modell von 1968?

Reste dieser farbigen Fassung, die gerade zum ersten Mal wissenschaftlich fundiert im Labor untersucht wurden, sind auch in der Ausstellung zu sehen.  Die Ausstellung „Von höfischer Kunst und Heimatidyll - Stengels Saarbrücker Werk im Wandel“ ist bis zum 15. März 2013 geöffnet – Dienstag und Mittwoch von 9 Uhr bis 17 Uhr, Donnerstag von 9 Uhr bis 18 Uhr und Freitag von 9 Uhr bis 13 Uhr, im Stadtarchiv Saarbrücken, Deutschherrnstraße 1, 66117 Saarbrücken.


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