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Wie aus 25 Milchkartons eine Tasche wird

Saarbrücken. Was vor einiger Zeit noch für den Kaffee auf dem Frühstückstisch stand, baumelt nun an der Schulter beim Einkauf. Die Verpackung glänzt dunkelblau, bedruckt mit weißen Buchstaben und Zahlen. Ein abgeschnittenes „M“ ist zu lesen, neben „1 Liter“ und „3,5 %“: Was früher 25 Milchkartons waren, ist heute eine Einkaufstasche.

Die Tasche ist das Werk der Saarbrücker Designerin Elke Weingardt. Seit zehn Jahren stellt sie Alltagsgegenstände aus gebrauchten Tetra Pak-Kartons her – Einkaufstaschen, Dokumentenmappen, Wanduhren. Nicht nur Getränkekartons sind für Weingardt das ideale Recycling-Material. Verpackungsfolien verarbeitet sie zu Geldbörsen oder Schlüsselanhänger, alten Telefonbücher, Noten oder Seidenpapier zu Halsketten. „Reizvoll dabei ist, dass das ursprüngliche Produkt noch erkennbar ist, aber nicht mehr unbedingt auf den ersten Blick“, sagt die 41-Jährige, die im Saarland auf Kunsthandwerkermärkten vertreten ist. Für die Einkaufstaschen wäscht Weingardt die benutzen Getränkekartons aus, schneidet sie in zwei Zentimeter breite Streifen. Mit Tesafilm klebt sie die Streifen aneinander, flechtet sie wie auf einem Webrahmen. Am Schluss befestigt sie nur noch die Tragriemen. Für die Geldbörsen vernäht Weingardt Schokoladenpapier oder Kaffeeverpackungen mit einer Filzschicht, für die Halsketten schneidet sie Fantasie-Formen aus Papierresten aus, laminiert und locht sie, und fädelt sie auf eine Kette.

Der ökologische Aspekt ihrer Arbeiten ist der Designerin besonders wichtig. „Alle sprechen von der Ölkrise. Doch aus was werden die Verpackungen gemacht? Aus genau den Rohstoffen, die eigentlich knapp sind“, sagt Weingardt, die Mitglied im saarländischen Berufsverband für Handwerk, Kunst und Design ist. „Es ist einfach zu schade, dieses stabile Material nur einmal zu verwenden und dann wegzuwerfen“. Auch fasziniere sie die Farben- und Formenvielfalt der Getränkekartons, die beim Gang durch den Supermarkt immer wieder ins Auge springen. „Am Anfang habe ich teilweise die Getränke nach der Farbe der Verpackung gekauft“, erzählt Weingardt, die in Kursen die Flechttechnik weitergibt. „Bei pinkfarbenen Säften fand ich die Farbe einfach so toll, geschmeckt haben sie mir aber nicht besonders.“ Damit ist inzwischen Schluss. Schließlich widerspreche dies dem Recycling-Gedanken. Jedes ihrer handgefertigten Designerprodukte ist ein Unikat. Wenn man versuche, zwei gleiche Taschen herzustellen, sei das nicht möglich, so Weingardt. Selbst bei gleichem Verpackungsmaterial gebe es zumindest kleine Unterschiede. Für eine Einkaufstasche (65 Euro), sitzt Weingardt einen Tag in ihrem Atelier, für aufwändige Handtaschen (110 Euro) bis zu zwei Tage.

Das Verpackungsmaterial bekommt für Weingardt durch die Bearbeitung einen neuen Stellenwert im Alltag. Die Designerin: „Es kommt raus aus den Kühlschrank und hinein in den Blick- und Wohnbereich.“
 
Elke Weingardt bietet Kurse zum Flechten mit gebrauchten Getränkekartons an. Genauere Informationen unter Telefon: (0681) 3 24 28 oder im Internet unter :: www.kunst-stoff-kunst.de

Von  Barbara Litzlbeck
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