L365 Nonnweiler Richtung Weiskirchen Zwischen Wadrill und Steinberg Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (totes Tier) (10:44)

Priorität: Sehr dringend

20°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
20°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Wie aus der alten Bergwerks-Direktion ein Shoppingcenter wird

Saarbrücken. Kilometerweise roher Bauzaun. Er schützt eine Krater-Kulisse von unahnbarer apokalyptischer Wucht zwischen dem von außen unbeschädigt wirkenden Nord-Flügel der ehemaligen Saargalerie am Bahnhof und der Bergwerksdirektion in der Triererstraße. Diese beiden Gebäude-Giganten sollen miteinander verschmelzen, dafür werden sie großteils zuerst mal niedergewalzt. So wuchs seit Mai 2008 eine bewachte, blickgeschützte Trümmer-Stadt in der Stadt, ein Saarbrücker Ground Zero.

Das Gekreisch von Presslufthämmern, das Gestöhn nachgebender Betonmassen hat nachgelassen. Die Zerstörungsphase, der „Rückbau“, ist zu Ende. Die Neunkircher Abbruchfirma F & R hat das Mammut-Werk vollbracht, ein gespenstisches Ruinen-Szenario hinterlassen: Schuttberge, Stahl-Skelette, Fensterhöhlen, Mauerlöcher. Vom Denkmal Bergwerksdirektion stehen nur noch die Außen-Mauern. 2200 Kubikmeter Stützmaterial wurden in den Boden gepumpt, um sie in Position zu halten. Dafür musste man sogar an das ran, was stehen bleiben soll: den Südflügel der Saargalerie. Ein Abbruchhaufen auch er; man wird ihn wieder hochziehen.

„Endlich ist diese destruktive Phase zu Ende. Endlich können wir gestalten“, sagt Markus H. Bischoff (44), Projektleiter für die „Erweiterung der Saargalerie“. Seit drei Jahren arbeitet er vor Ort. Sein Arbeitgeber, der Hamburger Shoppingcenter-Betreiber ECE, hat 1000 Quadratmeter Bürofläche angemietet. Die Steuerungszentrale liegt fußläufig zum Tatort, in der Triererstraße 8. Zeitweise arbeiten hier bis zu 60 Mitarbeiter: Klimatechniker, Elektriker, Architekten. Die Statik betreut das saarländische Büro MCS. Verdient wird also auch hier zu Lande an der wohl spektakulärsten Großbaustelle, die von jetzt 40 auf bis zu 600 Handwerker anschwellen wird. Die Eckdaten: 25 000 Quadratmeter Kommerzfläche, 120 Shops, 1100 Kundenparkplätze für 120 Millionen Euro. 90 Prozent der Flächen seien bereits vermietet, sagt Bischoff: „Wir können die Nachfrage nicht befriedigen.“ Nachprüfen lässt sich das nicht. Die Belegung hütet ECE bis kurz vor der Eröffnung wie den Schatz von Fort Knox.

Verraten wird nur das Vorhersehbare: McDonald's kehrt zurück, das Restaurant Amadeus auch, zusätzlich soll ein bekannter „hochwertiger“ Restaurant-Betreiber einziehen. Wohl in die Schatztruhe des Centers, den historischen Festsaal. Er liegt im Obergeschoss des früheren Direktions-Eingangsgebäudes. Ohne Schlüssel und Begleitung kommt niemand rein in den Martin-Gropius-Bau von 1880, ein rares Prunkstück der preußisch-bürgerlichen Epoche an der Saar. Bürgerproteste und ein zähes Ringen der Denkmalpflege retteten nur noch den gusseisernen Treppenaufgang, die über 100 Jahre alten Villeroy&Boch-Fußboden-Fliesen, die bleiverglasten Fenster, die Säulenreihen, die Dachkonstruktion, den Festsaal. Im Mega-Raum-Volumen der neuen Shopping-Meile kaum mehr als „Peanuts“ – und zugleich die arbeits- und kostenintensivsten Teile.

„Locker eine Verdoppelung“ des Aufwands bringe deren Erhalt mit sich, stellt Bischoff fest. „Die denkmalpflegerischen Auflagen fordern uns fachlich immens und bringen menschlich einen Heidenspaß“, sagt der gelernte Architekt. Er freut sich auf den neuen Stadtraum, einen Innenhof, den ein schwebendes Glasdach überspannt. Erstmals hat man dort den Blick frei auf die bislang verborgene Bergwerks-Rückfront. Der Landesdenkmalrat hat diese Art von „Fassaden-Architektur“, hergestellt durch die „Verstümmelung“ eines intakten historischen Bauwerks, scharf kritisiert. Doch mit den wenigen als schützenswert deklarierten Resten geht ECE dem Augenschein nach vorbildlich sorgsam um. Durch experimentelle Statik/Hydraulik testete man beispielsweise die Belastbarkeit der „guten alten Dame“: Lasten weit über der Norm hält die Treppe aus. Sie trägt einen merkwürdigen Kokon, wurde komplett in Holz verpackt. Die Bleiglas-Fenster hat man ausgebaut und eingelagert. Mit Bohrungen und Skalpellen arbeiteten sich Spezialisten an die zugekleisterte Wandbemalung heran.

„Es wird historischer als es je war“, prophezeit Bischoff. Der Vergleich dürfte schwer fallen. Denn bislang war das Denkmal Privat-Gebiet. Umso stolzer ist Bischoff darauf, dass ECE Cathrin Elss-Seringhaus 
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein