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Wie das größte Rockfestival des Saarlandes zu stemmen ist

Das Festival

Das Festival "Rocco del Schlacko" hat auch im letzten Jahr wieder tausende Besucher auf die Püttlinger Sauwasen gelockt. Die Fans vor der Bühne feiern Ihre Bands.

So kann es gehen. Da heuert Veranstalter Thilo Ziegler nach einem „ziemlichen Nervenkrieg“ eine Band für sein Festival an. Alles ist ausgehandelt, die Gage fast schon auf dem Weg – „und dann fällt dem Gitarristen ein, dass seine Schwester genau am Festivalwochenende heiratet“. Also doch kein Auftritt.

Thilo Ziegler kann das selbst heute noch nicht ganz fassen, Jahre später. Es ist eben „ein schwieriges Geschäft“, sagt er. Aber eine Faustregel ist für ihn schon mal die halbe Festival-Miete: „Genug Toiletten aufstellen und genug gutes Programm bieten.“ Ersteres ist eine schlichte Frage der Logistik, Letzteres schon schwieriger – egal ob bei Rocco del Schlacko oder bei Electro-Magnetic, den beiden saarländischen Musikfestivals, die Ziegler leitet. Von Stress will der 34-Jährige aus dem Köllertal kurz vor den Terminen nicht reden, nur von „viel Arbeit“. Denn das Schwierigste hat er hinter sich, sagt er: das Booking – das Verpflichten der Künstler, die Gagenverhandlungen. Und die werden immer schwieriger. Der Einbruch der CD-Verkäufe hat die Live-Szene massiv verändert, erklärt Ziegler. Bands verdienen durch CDs weit weniger als früher – umso wichtiger ist das Tourneegeschäft. Das lässt Gagenforderungen, Honorare, Ticketpreise und die Kosten steigen: Rocco 2014 hat einen Etat von knapp 2,5 Millionen Euro. „Das ‚Live-Produkt' ist so wichtig geworden, dass kaum noch eine Band einfach mit Gitarre und Schlagzeug anreist. Bei manchen Bands denkt man, da fährt die Fußballnationalmannschaft vor.“ Auch bei Zieglers Festivals: Die Band Seeed etwa reist zu Rocco mit vier Trucks und 55 Leuten an.

Bieterkriege sind der Alltag. „Manche Festivals zahlen einer Band das Fünffache, damit sie nur bei ihm auftritt.“ Und falls der Ex-„Rock am Ring“-Veranstalter Marek Lieberberg ein neues Festival als Konkurrent zum Nürburgring lanciert, prognostiziert Ziegler „ein Blutbad“ bei den Gagenverhandlungen der Kollegen.

Erzählt Ziegler von Blutbädern und Gagenexplosionen, da wirkt er, als wünschte er sich zurück zu den bescheidenen Anfängen seines Rocco del Schlacko: 1999 begann es als Punkrock-Konzerttag auf dem Gelände des Handballsportvereins Püttlingen. Heute ist es ein bundesweit angesehenes Festival auf dem Püttlinger „Sauwasen“, das im vergangenen Jahr 24 000 Besucher anzog. Bis 2006 lief das Ganze fast nebenher, Ziegler und ein paar Freunde organisierten das Festival während des Studiums. Im Falle von Ziegler das der Raum- und Umweltplanung in Kaiserslautern; in seinen Augen ideal für den Veranstalterberuf: „Umweltrecht, Citymarketing, Regionalentwicklung – da muss man sich als Festivalmacher auch auskennen.“ Doch allen war klar, dass man nach dem Studium vom Festival leben können muss. „Ganz nebenbei lässt sich das nicht machen. Entweder hauptberuflich oder gar nicht.“ Also gründete er seine Firma Presented for People, die heute mit einer Handvoll Festangestellter in Saarbrücken zu finden ist. Außer Rocco und Electro-Magnetic organisiert sie das „Bergfestival“ im österreichischen Saalbach-Hinterglemm, die Püttlinger Fastnacht und neuerdings Einzel-Konzerte im Saarland.

Beim Programm ist der Zeitgeist ein entscheidender Faktor – und ein launiger Geselle, „denn die Halbwertszeit der Bands wird immer kürzer“. Der große Act, den man heute einkauft, kann 2015 schon nur noch mittelgroß sein und weniger Karten verkaufen als gehofft. „Bad Religion etwa hört heute keiner mehr“, 2010 noch einer der Top-Acts bei Rocco.

Wie geht man damit um? Da helfen nur „ein Riecher und Glück“, sagt Ziegler, der bei Rocco früh Bands wie Mia (2004) und Sportfreunde Stiller (2003) anheuerte, als die gerade erst aufstiegen, „so etwas muss man jedes Jahr dabei haben“. Da das Festival seine Künstler immer peu à peu bekannt gibt, kann Ziegler anhand der Kartenverkäufe gut beobachten, wer zieht und wer weniger. Und da spielt auch der Geschmack des klassischen Rocco-Gängers mit, der dem Mainstream nicht völlig folgen möchte: Als die Sportfreunde Stiller 2007 nach vier Jahren wiederkamen, war ihre Fußball-Hymne „'54, '74, '90, 2006“ ein Nr. 1-Hit und wurde „im Radio zu Tode genudelt“. Die Kartenkäufer blieben kühl.

Hitzig dagegen reagierte Ziegler, als er die Band Chase and Status in London entdeckte, vom Fleck weg engagierte und die dann Monate später bei Rocco ganz anders klang: kein druckvoller Drum & Bass mehr, sondern „schlimmste Weltmusikgrütze. Die haben mir den Platz leergespielt.“ Ziegler, im Gespräch ein ruhiger, abwägender Zeitgenosse, hat die Band „dann in die Garderobe reingebrüllt“.

Mittlerweile ist er Mittdreißiger und Vater einer vierjährigen Tochter – da kann man schon mal den Bezug zur Rockmusik und dem verlieren, was die Jugend so hört. „Mit 21 war ich ein größerer Musikfan als heute“, sagt er und gibt zu, von aktuellen Strömungen nicht alles auf Anhieb zu verstehen. Mit dem HipHop von Kollegah, Alligatoah oder SDP etwa tat er sich anfangs schwer. „Aber dann rede ich mit jemandem, der es mir erklärt, und dann verstehe ich es auch.“ SDP ist jetzt bei Rocco dabei, und Kollegah bringt er im September nach Saarbrücken. Aber erst einmal kommen die beiden Festivals – und das Booking für Rocco 2015 hat auch schon begonnen.

Electro-Magnetic: 19. Juli im Weltkulturerbe Völklinger Hütte mit Fritz Kalkbrenner, Moguai, Felix Da Housecat und vielen anderen.

Rocco del Schlacko: 7. bis 10. August in Püttlingen-Köllerbach mit Casper, Seeed, Biffy Clyro, Jennifer Rostock, Jimmy Eat World und vielen mehr.

Info: www.electro-magnetic.de und www.rocco-del-schlacko.de

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