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Wie ein Bauprojekt Bürger auf die Barrikaden und eine Pfarrei in Schwierigkeiten bringt

Ob der Erzengel Michael in Pfarrer Eugen Vogts Gebeten eine Rolle spielt, ist nicht bekannt. Gebrauchen könnte der Leiter der Großpfarrei St. Johann ihn in diesen Tagen allerdings schon, den himmlischen Beistand, den Katholiken seit 1621 in einem Kirchenlied bitten: „Beschütz mit Deinem Schild und Schwert, St. Michael, die Kirch, den Hirten und die Herd.“

Ein Beschluss des Verwaltungsrats der Pfarrei hat Vogt und seine Gemeinde unter Druck gebracht. Der kircheneigene Hang zwischen Pfarrhaus St. Michael und der Schumannstraße soll verkauft werden. Der Saarbrücker Architekt Markus Kollmann will dort ein Haus mit voraussichtlich 22 Wohnungen bauen. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative formiert.



„Grüne Schumannstraße“ nennt sie sich. Und Siegfried Achterberg, einer ihrer Sprecher, droht der Pfarrei ganz offen: Sollte es dazu kommen, dass Bäume gefällt werden, damit, wie die Initiative sagt, „ Luxuswohnungen “ gebaut werden können, dann werde das nicht nur dem Image der Pfarrei vor Ort schaden. Durch so was könne die Kirche schnell „bundesweit“ mies rüberkommen.

Die Bürgerinitiative sieht nicht nur die Tiere in Gefahr, die in den Bäumen und in den alten Bunkern unter dem Hang leben. Auch für das „Stadtklima“ und die „Luftreinhaltung“ sei der „Pfarrgarten“ wichtig. Und dann sei da ja noch die Frage nach dem Denkmalschutz zu beantworten. Auch diese Frage hat die Initiative fett auf ihr Flugblatt gedruckt: „Wird danach der Echelmeyer-Park bebaut?“

Was die Frage nach dem Echelmeyer-Park soll, verstehen weder die Verantwortlichen der Pfarrei noch die im Rathaus. Der Park ist öffentliches Gelände. Niemand denke auch nur im Entferntesten daran, ihn zu bebauen, heißt es im Rathaus.
 

Verfahren am Anfang

Was das Kirchengelände am Hang angeht, hat man bei der Bauaufsicht allerdings erst mal keine Bedenken. Bei dem Vorhaben handelt es sich um „ein privates Projekt auf privatem Gelände“, betont Stadtpressesprecher Thomas Blug. Für das Vorhaben ist bei der Unteren Bauaufsicht eine Bauvoranfrage gestellt worden. „Dabei wurde die grundsätzliche planungsrechtliche Zulässigkeit einer Bebauung in der vorgesehenen Form überprüft. Das Ergebnis war positiv“, teilt Blug auf Anfrage mit – und erklärt: „Eine positiv beschiedene Bauvoranfrage ist noch keine Baugenehmigung.“

Um die zu bekommen, müsse der Bauherr erst mal einen Bauantrag einreichen. Eine Genehmigung werde erteilt, „wenn alle Detailfragen geklärt sind“. „Wir befinden uns demnach am Beginn des Genehmigungsverfahrens“, sagt Blug.

Pfarrer Eugen Vogt und sein Verwaltungsrat sind schon etwas länger mit dem Thema befasst. Als Markus Kollmann auf die Pfarrei zugekommen ist mit seiner Bauidee, habe man erst nicht viel auf deren Verwirklichung gegeben. Man sei immer davon ausgegangen, dass das Gelände am Hang unbebaubar sei, sagt Vogt. Die Gemeinde habe es auch in den vergangenen etwa 50 Jahren nicht genutzt.

Von einem „Pfarrgarten“ zu sprechen, sei also falsch. Es handle sich um ein verwildertes Gelände, in dem vermutlich ein paar Spritzen rumliegen, die Drogenabhängige dort zurückgelassen haben. Aber auch wegen der Gefahr herabfallender Äste bitte man Kinder und Jugendliche, die aufs Gelände wollen, darum, besser wegzubleiben, sagt Vogt.

Er könne ja verstehen, dass Menschen, wie er ja bis jetzt auch vom Pfarrhaus aus, lieber auf eine „grüne Wand“ schauen als auf ein Haus. Und der Baulärm werde sicher nicht angenehm. Aber dass an den Häusern gegenüber der Kirche nun Stofftransparente hängen, auf denen „Kettensägen-Massaker“, „Gott liebt Natur, Kirche Geld “ steht, trifft ihn. Es gehe der Gemeinde nicht ums Geld – auch wenn sie das für die geplante Sanierung und Erweiterung ihres Kindergartens gut gebrauchen könne. Die Pfarrei stelle der Schule weiter einen Garten zur Verfügung, ebenso Flächen für die Urban-Gardening-Initiative. Es gehe nun darum, etwas Neues zu ermöglichen und sich von einem Stück Land zu trennen, das bisher nur Arbeit gemacht hat. Das Wohnhaus werde das Umfeld der Kirche aufwerten, sagt Vogt.

Das sagt auch Architekt Kollmann. Er sei nicht der Handlanger „irgendeines Bauträgers“, sagt er. Er plane ein Gebäude, das in die Straße passt. Er knüpfe dabei an das an, was der Architekt Hans Herkommer, der St. Michael und die Treppe gebaut hat, vor gut 90 Jahren begonnen hat.

Wenn man es als Luxus empfinde, barrierefreie Wohnungen in guter Lage zu haben, die fast komplett mit Sonnenenergie versorgt werden, dann könne man von Luxuswohnungen reden, sagt er. Er plane zwar vier Penthousewohnungen im Komplex, aber der große Teil des Hauses soll für Familien und ältere Menschen sein. Vor dem Haus werde es Bäume und einen Garten geben.
 

Heute Versammlung

Die Initiative will stattdessen eine „Biosphäre Pfarrgarten“. Zusammen mit dem Naturschutzbund arbeite man an einem Konzept, wie das Gelände für Naturerlebnisse nutzbar gemacht werden kann. Weil das Bistum Trier den Vertrag zwischen Pfarrei und Architekt noch nicht abgesegnet hat, lohne es sich, „mit allen Mitteln“ zu kämpfen, sagt Siegfried Achterberg. Es ist nicht bekannt, ob die Mitglieder der Initiative in ihren Gebeten den Drachentöter Michael um Hilfe bitten.

Heute um 19.30 Uhr lädt die Bürgerinitiative zu einer Versammlung im Café Kostbar, Nauwieser Straße 19, ein.


 
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