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Wie ein Pfarrer aus Saarbrücken zum Popstar wurde

»Die Natur ist mir sehr wichtig«: Andreas Schätzle.

»Die Natur ist mir sehr wichtig«: Andreas Schätzle.

Es ist nicht mal 4:30 Uhr, in Saarbrücken, im Jahr 1973. Doch Andreas Schätzle ist schon wach. Der Achtjährige zieht sich leise an, schleicht durchs Elternhaus hinaus zur Garage. Dort schnappt er sich das Rennrad seines großen Bruders Martin und fährt los durch die dunkle Nacht. Vorbei am Ahornbaum im Vorgarten, den Kieselpfad hinunter, weiter Richtung Innenstadt. Einzig der kalte Nachtwind ist da. Er peitscht dem Jungen ins Gesicht. „Was für eine mystische Stimmung“, denkt er und saugt die Eindrücke fest auf.

„Davon zehre ich auch heute noch“, sagt Schätzle. Denn heute, 2013, sind die ruhigen Momente in seinem Leben in Wien selten. „Aber ich werde mich sicher nicht beklagen”, sagt der inzwischen 48-Jährige. Warum sollte er auch, denn Schätzle hat's gepackt. Zumindest würde man das normalerweise über ihn sagen. Denn der Mann mit den grau-melierten Haaren hat mehrere Platten mit seiner Band „Die Priester“ veröffentlicht. Bei Universal, der größten Plattenfirma weltweit. Er spielt in ausverkauften Konzerthallen und tritt vor einem Millionen-Publikum im Fernsehen auf. Außerdem ist Schätzle bei Radio Maria in Österreich für das Programm verantwortlich und hat dort auch seine eigene tägliche Sendung: „Wort des Lebens“. Und da kann er eine Stunde lang das machen, was seine Berufung ist: „Den Menschen den christlichen Glauben näher bringen.“ Denn Schätzle ist vor allem eins: Priester. Und deshalb würde er nie über sich sagen: „Ich hab's geschafft“. Es sagt vielmehr: „Gott hat mich geführt.“

Aber wie kam der radelnde Junge aus Saarbrücken nach Wien und als Priester ins Showbusiness? Alles hat seinen Anfang in Saarbrücken. Und zwar in der Zeit, als der achtjährige Andreas seiner Mutter Lisl sagte: „Priester werden? Wie kann man nur.“ Als Junge wollte er lieber Sportler werden oder was mit Musik machen. Aber Theologe? „Nein, nicht wirklich. Ich war zwar Messdiener, aber das hatte damals noch keine tiefere Bedeutung für mich.“

Pfarrer Schätzle war vielmehr ein „verhaltenskreatives Kind”. Und damit meint er: „wirklich anstrengend“. Gerade in der Schulzeit am Saarbrücker Willi-Graf-Gymnasium. Das bekam meist seine Mutter zu hören. Sie war ja selbst Lehrerin an der Schule. „Das machte die Sache für uns beide nicht einfacher.“ Die strengen Regeln waren nichts für den „Freigeist“, der stets mit seinen Gedanken in den Wolken hing und über Musik nachdachte. „Ich schrieb schon ganz früh eigene Musik. Erst mit der Flöte, dann mit Klavier und Gitarre.“ Seine Vorbilder: Reinhard Mey, Queen und besonders Pink Floyd. „'The dark side of the moon': Dieses Album hat mich stark beeinflusst.“

„Und dann war da plötzlich dieser Moment.“ Schätzle war 16. Bei einem Jugendfestival in einem Kloster wurde Peter Janssens modern vertonte Messe gesungen. „Ich weinte plötzlich Sturzbäche, unter allen Leuten dort. Ein paar versuchten, mich zu trösten.“ Vergebens. Da wurde Schätzle langsam klar, dass er in seinem Leben doch etwas mit Religion machen wollte. Schätzle studierte zwei Jahre später Musik und eben Theologie, erst an der Saar-Universität, dann in Mainz und Wien. „Es war eine tolle Zeit.“ Als junger Mann durchlebte er natürlich auch „einige Beziehungen“. „Doch mir fehlte immer etwas. Ich fühlte mich nie ganz erfüllt in einer Beziehung.“

Es war die Berufung: Sie „kämpfte“ sich langsam durch, sagt Schätzle. Die Entscheidung für ein Leben mit Gott kam erst mit 26, also 1991. Der Saarbrücker studierte bereits in Wien, Musik. Eines Tages spazierte er mit einem guten Freund durch die Stadt. Der fragte ihn: „Andreas, was hindert dich eigentlich noch daran, Priester zu werden? Ich erzählte ihm von meinen Zweifeln, ob ich wirklich für ein Leben in Gottes Auftrag bestimmt sei – natürlich hatte ich auch eine gewisse Furcht vor dem Zölibat.“ Die Frage „Was hindert dich noch?“ ließ ihn aber nicht mehr los. Und nachts beschloss er: „Ich werde Priester.“

Wenige Monate später, im Januar 1992, trat Schätzle dann ins Priesterseminar in Wien ein. „Es war keine leichte Zeit.“ Die Kirche sei dort in Bewegung gewesen, es gab Verwerfungen an der Spitze. „Das spürten wir natürlich auch im Seminar.“ Auch eine gewisse Enge machte ihm durchaus zu schaffen. Dennoch: Vier Jahre später wurde Schätzle zum Priester geweiht. Fortan machte er Dienst „an der Basis“. Er arbeitete in verschiedenen Pfarreien der Wiener Diözese. „Es war eine schöne Zeit. Ich konnte mit vielen Menschen ganz nah zusammenarbeiten. Gerade mit Jugendlichen, aber eigentlich mit allen“, sagt Schätzle.

Deshalb begann er 2003 auch, für Radio Maria Österreich zu arbeiten. Einem damals noch jungen Sender, den es erst seit 1998 im Land gab. Mit Mikrofon und Aufnahmegerät bewaffnet zog der Pater durch Österreich, machte Live-Sendungen vom Weltjugendtag oder vom Papstbesuch. Das kam an, gerade bei den Verantwortlichen des katholischen Senders. Als sie einen Nachfolger für den scheidenden Programmdirektor, ebenfalls ein Priester, suchten, fiel die Wahl auf Schätzle. Das war 2005.

Nur: „Die Musik ließ mich nicht los.“ Es frustrierte ihn regelrecht, dass er nie mehr mit seinen Liedern gemacht hat, sie nie professionell aufgenommen hat. 2011 betete Schätzle deshalb zu Gott, so der Geistliche: „Herr, wenn du willst, dass es etwas mit mir und der Musik wird, dann musst du mir helfen.“ Tage später klingelte das Telefon und Pater Karl Wallner, ein guter Freund, war am Hörer. Er sagte: „Du, Andreas, dich wird da einer von Universal die Tage anrufen. Sie wollen dich für eine Band – die Priester.“ Die Plattenfirma rief tatsächlich an, nach ein paar Probeaufnahmen stand fest: Schätzle ist in der Band. Seitdem hat er fast täglich ein 16-Stunden-Programm, meist bis zwölf Uhr nachts. „Ein bewegtes, aber tolles Leben“, sagt Schätzle. Und an jedem Tag kommt der Moment, an dem der Geistliche auf sein Fahrrad steigt und durch die dunkle Stadt heimradelt, in seine kleine Wohnung am Wiener Stadtrand.
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