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Wie ein Saarbrücker am jüngsten „Star Trek“-Film mittrickste

So schnell kann es manchmal gehen: Eben noch im E-Werk auf den Saarbrücker Saarterrassen und schon in Los Angeles in einem Büro, in Sichtweite einen Chef, der nahezu legendär ist: J.J. Abrams, Schöpfer der TV-Serie „Lost“, Regisseur von „Mission: Impossible 3“, zwei „Star Trek“-Filmen und der mit Spannung erwarteten „Star Wars“-Weiterführung.

So kam das Ganze: Im März 2013 ist der Saarbrücker Thorsten Hary (36), Inhaber einer Filmproduktionsfirma, beim internationalen Computerkunstfestival „Revision“ im E-Werk; dort zeigt er ein Musikvideo der saarländischen Band „The Satellite Year“, das er „am Feierabend und mehr als Hobby“ gedreht hat – mit den Musikern im Besprechungszimmer seiner Saarbrücker Firma. Dank Computertricks sieht man die Band allerdings auf dem Dach eines Hochhauses, im Lichtermeer einer Großstadt. Der fertige Clip, von Hary gefilmt, geschnitten und getrickst, gefällt im E-Werk einem Mann aus Los Angeles besonders – er ist ein Produzent bei „Bad Robot“, der Firma von J.J. Abrams. Die sucht gerade für die aufwendige Postproduktion des 3D-Films „Star Trek – Into Darkness“ einen Effektspezialisten und lädt den Saarbrücker nach Los Angeles ein. Hary hält das erst für einen Streich – bis ihm ein Flugticket (5207,27 Euro, Business Class) ins Haus flattert. „Das war ein bisschen surreal, wie ein kleines Märchen“, sagt Hary heute. Er wird engagiert, arbeitet „bei der schnellen Eingreiftruppe“ an Computer-Animationen, darunter am Titelvorspann („in 3D nicht ganz einfach“) und unterstützt gar die Mimik: Einem der Darsteller, Hary nennt den Namen galanterweise nicht, lässt er eine Träne aus dem Computer über die Wange laufen, da der Darsteller sich mit dem realen Weinen schwer tut.

In der Schlussphase der Produktion mit ihren 1600 Trick-Szenen wird die Nacht zum Tag, die Kollegen übernachten im Büro, auch Hary; ein hektischer, aber lohnender Monat in Abrams Firmensitz, einer Kreativwerkstatt mit dezenter Alternativ-Atmosphäre, betont flachen Hierarchien und interessanten Besuchern: Tom Cruise schaut vorbei, weil die Firma an der DVD von „Mission: Impossible 4“ arbeitet, und auch Alfonso Cuaron, der Regisseur von „Gravity“ schlendert über die Sonnenterrasse, um sich neueste Kameras anzuschauen. „Ich wusste erst gar nicht, wer das ist“, sagt Hary, „Abrams nannte ihn die ganze Zeit nur Alfonso.“

Fertig wird „Into Darkness“ auf den letzten Drücker. „Während der Anfang des Films schon bei einer Pressevorführung lief, haben wir noch am Ende gearbeitet“, erzählt Hary – in den Zeiten herkömmlicher Filmkopien schlicht unmöglich, hier aber zu machen, da der Film in digitalen Päckchen ans Kino gemailt wird. Als der Film startet und für einen Spezialeffekte- Oscar nominiert wird, ist Hary wieder in Saarbrücken , in Los Angeles leben will er nicht. „Das ist nichts für mich, ich lebe gerne hier, da bin ich zu sehr Saarländer.“ Doch für die Firma „Bad Robot“, die gerade den nächsten „Star Wars“ auf den Weg bringt, arbeitet er weiter projektbezogen von der Heimat an der Saar aus, „ein seltenes Privileg“. Auch ein lukratives? „Über Budgets reden wir nicht öffentlich.“

Harys Kerngeschäft bleibt seine junge Firma bildpiloten, mit der er Werbespots und Imagefilme dreht. Die Firma arbeitet international, weshalb Hary sein Team zügig vergrößern will – was im Saarland nicht ganz einfach ist. „Es gibt hier keine vernünftige Film- und Medienausbildung für das, was Firmen wie wir machen“, sagt er. „Vielleicht ist der Anspruch einfach nicht da.“ Zudem seien externe Experten nicht leicht ins Land zu holen: Fachkräfte aus dem „Reich“ verlangten oft, sagt Hary, beim Gehalt „eine Art Schmerzensgeld dafür, dass sie hier und eben nicht in Hamburg arbeiten“. Hary selbst hat Informationswissenschaft studiert, „sehr nett, aber zu theoretisch und weltfremd“.

Er habe Kunden aus London und aus Moskau, aber nicht aus dem Saarland, wo es kaum Firmen gebe, die mit Werbespots im Fernsehen werben. Diese fehlende Tradition spiegele sich etwa auch in der Imagekampagne des Saarlandes wieder, die Hary in der Print- und Online Umsetzung „handwerklich gut gemacht“ findet; bei den filmischen Elementen sei aber „noch viel Luft nach oben“.

Hary plant jetzt, Interessierte in seiner Firma selbst zum „Mediengestalter Bild- und Ton“ auszubilden, verstärkt mit Kenntnissen in visuellen Effekten; zugelassen dafür ist er. „Wir suchen Leute, die das Ganze schon hobbymäßig gemacht haben“, sagt er, jetzt perfektionieren wollen und fachlichen Ehrgeiz besitzen: „Leute mit Feuer im Bauch.“
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