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Wie eine Dauerbaustelle entstand

Seit Herbst 2014 ist der untere Teil der Johannisbrücke gesperrt. Foto: Becker&Bredel</p>

Seit Herbst 2014 ist der untere Teil der Johannisbrücke gesperrt. Foto: Becker&Bredel

Oben auf der Johannisbrücke, die den Rodenhof mit der Dudweiler Landstraße verbindet, brausen die Autos. Unter der Brücke, wo der Weg für Fußgänger und Radfahrer verläuft geht seit zwei Jahren nichts. Zwei Jahre Bauarbeiten (die SZ berichtete), wie kann das sein? Der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS), der für die Baustelle zuständig ist, erklärt das so:

Bereits der erste Versuch, die Baumaßnahme öffentliche auszuschreiben, sei gescheitert, „weil kein wirtschaftliches Angebot abgegeben wurde“. Dies liege „wohl unter anderem daran, dass die Bauaufgabe unter äußerst komplexen Randbedingungen stattfindet, vor allem aufgrund der Lage über den vielen Gleisen“.

Im September 2014 habe sich dann eine Firma aus Nordrhein-Westfalen bereiterklärt, den Auftrag zu übernehmen. Es wurde vertraglich vereinbart, dass im Oktober 2014 mit den Arbeiten begonnen wird und das Ganze bis spätestens am 17. Oktober 2015 erledigt ist.

Ende 2014 wurde dann tatsächlich mit den Rückbau- und Abbrucharbeiten begonnen. Das „Gerüstkonzept“ der Firma für die Abbrucharbeiten der Gehwegplatte über den Gleisen wurde von der Bahn allerdings erstmal nicht genehmigt, weil für den Gerüstwagen, der auf den Schienen laufen sollte keine Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt vorlag. Also wurden die Arbeiten für etwa zwei Monate unterbrochen.

Im Frühjahr 2015 wurde wieder gearbeitet. Nachdem die neuen Gehwegplatten eingebaut waren, begannen die Korrosionsschutzarbeiten. „Hierbei wurden m Juli 2015 gravierende Mängel im Bereich der Arbeitssicherheit offenkundig. Vertraglich vorgesehene Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzmaßnahmen wurden nicht eingehalten“, schreibt der LfS.

Das Landesamt für Arbeits- und Umweltschutz griff ein. Die Arbeiten mussten eingestellt werden. „Erst unter Androhung hoher Geldbußen konnte die ausführende Firma dazu gezwungen werden, alle Vorschriften zur Sicherheit von Arbeitnehmern und Umwelt umzusetzen“, teil der LfS mit. Ende November 2015 wurden alle Auflagen von der Baufirma erfüllt.

Es wurde weitergearbeitet. Der LfS habe zwar über die Kündigung der Baufirma nachgedacht, aber so etwas führe meistens zu noch längeren Bauzeiten und erhöhe die Kosten. Außerdem sei es eh schwierig gewesen, eine Firma für diese Baustelle zu finden.

Im Winter 2015/2016 ging es dann „witterungsbedingt“ nur langsam voran. Dass die Baustelle immer noch besteht, liege daran, „dass die Baufirma die Baustelle, trotz mehrmaliger Aufforderung des LfS, nicht ausreichend personell ausgestattet hat“. Um die Brücke „möglichst zügig wieder freigeben zu können“, habe der LfS „darauf gedrängt, die Arbeiten auf eine Brückenseite zu konzentrieren“. Ende November soll die Brücke nun „zumindest halbseitig“ wieder zu benutzen sein.

Der LfS betont: „Da alle Verzögerungen ausschließlich von der Baufirma zu vertreten sind, werden auch alle hiermit verbundenen Kosten durch diese übernommen.“

 

Meinung:

 

 

Es sind ja nur Fußgänger

Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

 

Eine Brücke wird für den Verkehr gesperrt. Nicht für ein paar Tage oder eine Woche. Nein, zwei Jahre. Nachdem ein Verband, der die Interessen von Verkehrsteilnehmern vertritt, von einem „Desaster“ spricht, kündigt der zuständige Landesbetrieb an, dass die Brücke halbseitig geöffnet wird, und verweist auf die Baufirma, die so ziemlich alles versemmelt habe, was man versemmeln kann.

Würde es sich bei der Brücke um eine handeln, die von Autofahrern genutzt wird, dann hätte der Landesbetrieb für Straßenbau sicher anders geplant. Die Bauzeit wäre so kurz wie möglich angesetzt worden. Man hätte womöglich auch nachts und an Wochenende gearbeitet. Sobald es zu Verzögerungen gekommen wäre, hätte es wohl einen Anruf aus dem zuständigen saarländischen Wirtschaft- und Verkehrsministerium gegeben. Und wäre es nicht der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) gewesen, der von einem Desaster sprach, sondern der Allgemeine Deutsche Automobilclub ( ADAC ), dann hätten Politik und Landesbetrieb sich wohl mächtig ins Zeug gelegt. Aber im Fall der Johannisbrücke geht es ja nicht um Autofahrer, sonder nur um Radfahrer und – noch unwichtiger – Fußgänger .

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