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Wie geht es weiter mit dem Burbacher Gebrauchtbaumarkt?

Gerd Dittgen wühlt in der Kiste mit den Schraubenschlüsseln. Er muss ein wenig suchen, bis er den Passenden gefunden hat. Unter seinem Arm klemmt ein Wasserhahn. „Für die Küche meiner Schwester.“ Er hält den Wasserhahn ins Licht. Nicht mehr das neueste Modell aber gut in Schuss. Unter seinem Schnurrbart schaut ein zufriedenes Lächeln hervor. „13 Euro. Neu hätte ich dafür sicher 40 Euro ausgeben müssen. In einem normalen Baumarkt wäre mir das zu teuer gewesen.“ Deshalb ist Dittgen in den Gebrauchtbaumarkt nach Burbach gekommen: „Mein Bruder hat mir davon erzählt.“

Der Gebrauchtbaumarkt auf dem Gelände des Ex-Bahn-Ausbesserungswerks ist der Einzige im Saarland. „Die Idee dazu hatte ich eigentlich schon vor 13 Jahren“, sagt Leiter Michael Bär: „2011 haben wir dann eröffnet.“ Der Grundgedanke dahinter ist einfach. Wann immer jemand renoviert, sei es ein ganzes Haus oder nur ein Zimmer, bleibt viel Material über. „Vom Ziegel bis zur Säge“, sagt Bär. Und manchmal eben auch ein Wasserhahn. Vieles, was sonst auf dem Müll landen würde. „Und da gehört es ja eigentlich nicht hin“, sagt Bär.

Bär hatte Erfahrung im Gebrauchthandel. Sein Arbeitgeber, die Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeitslosenberatung und Beschäftigung Burbach (Gabb) betreibt bereits ein Gebrauchtwarenhaus in Brebach. Das Konzept ist ähnlich. In beiden Märkten arbeiten Festangestellte mit Langzeitarbeitslosen, die hier eine Arbeitsgelegenheit gefunden haben. „Jeder wird seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt“, erklärt Jeanette Jerschl, die sich um den Verkauf und die Kasse kümmert. Sie leitet die Erwerbslosen an und ist von Anfang an dabei in „unserem Markt“, wie sie sagt. Vielleicht macht gerade das den Unterschied zu vielen anderen Maßnahmen aus. „Hier hat man einfach nicht das Gefühl, dass man in einer Maßnahme steckt, sondern eher wie bei einem richtigen Arbeitsplatz“, sagt Michaela Ihl. Irgendwann hat die gelernte Friseurin keine Arbeit mehr gefunden: „Aber mir alles vom Amt bezahlen zu lassen, ohne dafür zu arbeiten, ist nicht so meins.“

Im Eingangsbereich hebt Frank Hoffmann gerade eine Duschkabine von der Ladefläche seines Anhängers. „Wir haben unser Bad umgebaut.“ Erst stand die Dusche im Garten herum, bis er vom Gebrauchtbaumarkt erfuhr. „Auf Ebay hätte ich sicher was dafür bekommen. Aber wenn sie hier etwas damit anfangen können, ist das doch besser.“

„So etwas geht immer“, sagt Bär beim Rundgang durch den Markt. Eigentlich sieht alles aus, wie in einem normalen Baumarkt. Die hohen Regale vollgepackt mit Holzlatten, Rohren und ganzen Fenstern. Draußen liegen stapelweise Bodenplatten, sogar einen stählernen Fahrraduntersteller gibt es zu kaufen. In der Bäderabteilung ist der Wandel der Zeiten dann aber doch sichtbar. Waschbecken in Flieder, türkis und orange schmiegen sich aneinander. Farben vergangener Jahrzehnte.

„Die Kunden nehmen den Markt sehr gut an“, sagt Bär. 3000 waren es vergangenes Jahr. „Aber auch Firmen bringen immer wieder Sachen.“ Bei größeren Baustellen kommen Mitarbeiter des Markts sogar selbst vorbei. Zurzeit tragen sie eine alte Scheune im Ostsaarland ab. „Wirklich wunderschöne Teile gibt es da.“ Bär kann sich die Eigenwerbung nicht verkneifen und muss lachen. Auch wenn ihm eigentlich nicht zu lachen zumute ist. Denn die Finanzierung des Gebrauchtbaumarkts steht im Ungewissen. „So gut es angenommen wird, so unsicher ist die Finanzierung ab November“, sagt Bär. 2011 gab es die ersten Fördergelder aus dem Projekt „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ des Bundes. Im Oktober dieses Jahres läuft die Förderung aus. Wie es dann für die sieben festangestellten Mitarbeiter und die 20 Menschen in Arbeitsgelegenheiten weitergeht, weiß noch niemand, auch nicht Bär: „Ich habe ziemliches Bauchweh.“ Ein paar Ideen hat er zwar, beispielsweise eine Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer, um die vormals Erwerbslosen als Facharbeiter zur Bauteilewiedergewinnung fortzubilden. „Das könnten wir sogar relativ schnell umsetzen“, sagt Bär. Die wichtigsten Fragen werden aber in Berlin entschieden. Bis dahin bleibt Bär nichts anderes übrig, als zu warten: „Erst wenn auf bundespolitischer Ebene entschieden ist, wie es weitergeht, wissen auch wir, wie es weitergeht.“ Bis dahin machen sie eben einfach weiter – mit „ihrem Baumarkt“.
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