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Wie neu: Das Historische Museum Saar

Saarbrücken. Was ist das nur für eine Wundertüte! Es ist unterirdisch untergebracht, dementsprechend labyrinthisch die Raum-Verhältnisse, auch im jetzt komplett umgeräumten Teil. Immerzu Winkel, Sackgassen, Rampen, Nischen. Ein Handicap? Museums-Chef Gerhard Ames nahm die Tücken als „Chance“. – Für Buntheit, Abwechslung, Stimmungswechsel. Langweilig wird's hier niemandem. Jedes der fünf Kapitel hat seine eigene Atmosphäre und Farbe. So herrscht beispielsweise in der NS-Zeit die allseits übliche strenge Gedenkstätten-Ästhetik: Vortritt den Opfern mit unzähligen Porträt-Fotos und Kurz-Biografien. „Quietschig“ gelb geht's hingegen in der Nachkriegszeit (1945-1959) zu.

Und trotz des zweiten saarländischen Sonderwegs unter der Joho-Regierung (1947-1955) mit den Reise-Lockungen für die „Plages de France“ amerikanisierte sich auch an der Saar das Lebensgefühl. Musicbox, Kino-Boom, Auto-Sehnsucht und Elektro-Revolution im Haushalt – das „Saargebiet“ erleben wir hier weniger provinziell und abgeschottet als manche landesgeschichtliche These behauptet. Auch in der Völkerbundzeit (1918-1935) zeigen uns die Ausstellungsmacher das Land weniger ländlich-sittlich als vielmehr lebenslustig-pulsierend. Die Original-Dampf-Hutpresse eines Saarbrücker Betriebes beweist, dass man hier zu Lande alte Hüte nach neuestem Pariser Chic umzuformen wusste. Und Plakate belegen, dass an der 1923 gegründeten Schule für Kunst und Kunstgewerbe Grafikdesign auf Weltniveau Standards setzte.

So sorgte beispielsweise die 1925 in Paris preisgekrönte Zigaretten-Werbung von Josef Binder dafür, dass die Saarlouiser Tabakfirma Jyldis internationales Top-Thema wurde. Kurzum: Freunde der Ereignis-Geschichte, etwa des legendären Ja- und Neinsager-Kampfes, der hier lediglich in einem Kabinett als Plakat-Krieg gezeigt wird, dürften sich wundern, wie knapp gehalten insgesamt das politische Vertrags- und Grenzziehungs-Verwirr-Spiel gehalten wird. Auch, wie demokratisch eingereiht die Prominenz daherkommt. Keine Ehrenvitrinen für die Stumms, für Willi Graf, Honecker oder Lafontaine. Statt dessen ein Tabaklädchen für Lasso und Bali. Oder ein großer Auftritt für eine ausgestopfte Ziege, hinter einer Original-Kellertür – die „Bergmannskuh“. Auffällig und klug auch die Zurückhaltung in Sachen Technik- und Industriegeschichte – Das müssen andere leisten. Obwohl doch gerade diese entscheidende, bislang ausgesparte Phase (1870-1914) endlich dokumentiert wird. Rund 300 Quadratmeter Platz hat die hinzugewachsene Abteilung „Spichern und die Folgen“. Ihr größter Vorzug: Bescheidenheit.

Im Saarland hingen eben mehrheitlich hölzerne Lüster. Kaiserreich-Protz exportierte die Weltfirma Villeroy & Boch 1873 auf die Wiener Weltausstellung. Doch nicht nur 52 400 Bergleute (1913) sorgten für Aufschwung, sondern auch Handel und Gewerbe. Kaminuhren aus St. Johann, Steingut aus Gersweiler und nicht zuletzt dekorative Pappmaché-Papierlack-Waren, die die Ensheimer Firma Adt bis nach New York verkaufte. Es sind solcherart überraschende Seitenblicke auf vernachlässigte Geschichts-Momente, die den Besuch lohnen. Man hätte sich an mancher Stelle ein wenig mehr Luxus, mehr inszenatorischen Ehrgeiz gewünscht. Vielleicht auch noch mehr Mut zur Bändigung der Überfülle.

Doch wenn man hört, dass 1300 Quadratmeter Schau-Fläche mit nur 350 000 Euro bespielt wurden, bleibt nichts als Hochachtung. Und Freude über ein annähernd neues Museum im Land.
Eröffnung: 16.11.; 11 Uhr; Geöffnet Di-So: 10- 18 Uhr (Sa. ab 12 Uhr). Do 17-20 Uhr freier Eintritt;
Internet: www. historisches-museum-saar.de
Cathrin Elss-Serin ghaus
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