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Wie sicher ist das Kernkraftwerk Cattenom?

Saarbrücken. Auf die Häufung von Störfällen im lothringischen Kernkraftwerk Cattenom hat gestern die saarländische Umweltministerin Simone Peter (Grüne) hingewiesen. Im Gespräch mit Journalisten machte sie darauf aufmerksam, dass sich allein im vorigen Jahr sieben Störfälle ereigneten, die auf der internationalen Störfall-Skala Ines der untersten Stufe – der Stufe 1 – zugeordnet wurden. Wobei hinzuzufügen ist, dass alle diese Ereignisse ohne Auswirkung auf die Umwelt blieben.

Die jüngsten Zwischenfälle

Im Einzelnen: Am 19. Januar wurde bei einem Transport von radioaktiven Abfällen in ein Endlager in der Champagne ein Behälter benutzt, der für diese Art von Abfällen nicht zugelassen ist.

Am 9. April war im Block I die Temperatur in jenem System zu niedrig, das den Reaktor mit Bor versogt, um den Neutronenfluss zu bremsen.

Am 19. Mai war im Noteinspeisesystem der Dampferzeuger von Block IV ein Ventil geschlossen, das hätte geöffnet sein müssen.

Am 18. August wurde beim Anfahren von Block II ein radiochemischer Wert der Kühlflüssigkeit von den Technikern falsch bewertet.

Am 5. September war der Druck im Primärkreislauf von Block I beim Herunterfahren zu niedrig.

Am 13. September stand im Block I das Hilfskühlsystem für eine Stunde nicht zur Verfügung.

Am 20.  Dezember wurde an zwei Pumpen des Not- und Nachkühlsystems von Block II festgestellt, dass das Hydrauliköl mit zu viel Wasser versetzt war.


Mindestens drei Schnellabschaltungen

Zudem wurde unsere Zeitung über mindestens drei Schnellabschaltungen unterrichtet, die in einem Fall wegen technischer Probleme an einer Turbine, im zweiten Fall wegen eines falschen Signals an einem Reaktor-Messpunkt und im dritten Fall wegen eines geschlossenen Ventils im Sekundärkreislauf ausgelöst worden waren. Ferner hatte der Betriebschef von Cattenom, Stéphane Dupré-la-Tour, bei einer Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass die Steuerstäbe des vierten Blocks nach einer Abschaltung zum Austausch von Brennelementen im Reaktorkern stecken geblieben waren.

Dazu sagte Simone Peter gestern: „Die Sicherheit einer solchen Anlage richtet sich auch nach der Betriebsdauer, die man nicht beliebig verlängern kann.“ Wenn man nun Cattenom wie die übrigen Kernkraftwerke in Frankreich auch bis zu 60 Jahre am Netz halten wolle, bedeute dies eine „erhebliche Beeinträchtigung der Sicherheit“.

"Was macht ihr für den Klimaschutz?"

Um über diese Probleme zu reden, sei kürzlich Kraftwerkschef Dupré-la-Tour ins Ministerium eingeladen worden. Im Gegenzug wolle sich die Ministerin vor Ostern in Cattenom von der Sicherheit der vier Reaktoren ein Bild machen. Von Dupré-la-Tour, den Simone Peter in Saarbrücken auf die Abschaltung der französischen Reaktoren ansprach, wurde sie mit der Gegenfrage konfrontiert: „Was macht ihr für den Klimaschutz? Wie lange laufen die alten Kohlekraftwerke in Deutschland denn noch?“

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