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Wie syrische Demonstranten zum Ziel von Internet-Hetzern wurden

Symbolfoto

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Die Debatte über eine Demonstration von mehreren Dutzend Syrern vor der Saarbrücker Europagalerie zeigt, wie aufgeheizt das Diskussionsklima auch im Saarland inzwischen ist. Fakten spielen kaum noch eine Rolle. Es geht um ein auf Facebook veröffentlichtes Video, das Demonstranten zeigt, wie sie am Dienstag Flaggen der syrischen Opposition tragen und unter anderem „Scheiß Russia! Scheiß Bashar!“ rufen. Teilnehmer der ordnungsgemäß angemeldeten Demonstration wollten damit gegen Syriens Diktator Bashar al-Assad und gegen Russlands Rolle beim Massensterben in Aleppo protestieren.

Eine in der rechtsextremen Szene bestens bekannte Saarbrücker NPD-Politikerin veröffentlichte den kurzen Mitschnitt auf Facebook , will statt „Scheiß Bashar“ aber „Scheiß Deutschland“ verstanden haben. Von der SZ konsultierte Arabisch-Experten an der Ruhr-Uni in Bochum kommen aber zu dem Ergebnis, dass die Demonstranten eindeutig „Scheiß Bashar“ gerufen haben – auch wenn der starke arabische Akzent beides zunächst durchaus ähnlich klingen lässt.

Im Netz verbreitete sich das Video mit der vermeintlichen Beleidigung der Bundesrepublik dennoch rasant. Innerhalb der ersten 24 Stunden hatten es allein auf zwei Facebook-Seiten mehr als 300 000 Menschen gesehen. Bei vielen Lesern fielen sämtliche Hemmungen, in den Kommentarspalten war etwa zu lesen: „Weg mit diesem Gesindel“, „Verbrennt das Pack“, „Dreckspack“, „dreckige Sippschaft“, „diese dreckigen Eselficker“.

Inzwischen hat sich die Staatsschutz-Abteilung der saarländischen Polizei eingeschaltet. Die Beamten prüfen, ob bei Kommentaren ein Anfangsverdacht einer Beleidigung bis hin zur Volksverhetzung besteht.

Eine Facebook-Gruppe namens „Die Syrer in Saarbrücken “ beklagte die falschen Informationen auf Facebook . „Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns schlecht gegenüber Deutschland geäußert“, heißt es in ihrer Erklärung. „Wir alle sind sehr glücklich, dass wir in Deutschland Sicherheit, Freiheit und ein Zuhause bekommen haben – vielen Dank dafür.“ Ein Vertreter der Demonstranten sagte der SZ, etwas Schlechtes über Deutschland zu sagen, mache für Syrer gar keinen Sinn.

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